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DOS & DON'TS
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MAX BROOKS - PART 2INTERVIEW: ANDY CAPPER Daraus könnte man schließen, dass die Filmemacher, die auf langsame Zombies schwören, ihr Publikum als ein bisschen intelligenter einschätzen. Na ja, die früheren Filme waren einfach nicht so kommerzorientiert. Ich weiß nicht, wie die Situation in Großbritannien ist, aber in den 80ern wurden die großen Studios hier in den USA von noch größeren Unternehmen aufgekauft. Filmemacher mussten plötzlich den Firmenbossen, die noch nie in ihrem Leben einen Film gedreht hatten, Rede und Antwort stehen. Als ich für Saturday Night Live schrieb, habe ich eigentlich für General Electric gearbeitet. Theoretisch war mein Boss also nicht Lorne Michaels, der Produzent von Saturday Night Live, sondern irgend so ein Typ der Autos und Nuklearwaffen herstellte.
Ich wurde gleich nach den Anschlägen vom 11. September angestellt. Ich kannte George Shapiro, den Manager von Jerry Seinfeld. Er sah meine Arbeit und meinte: „Du hast es drauf. Ich werde deine Arbeiten an Lorne Michaels weiterleiten.“ Und ich antwortete: „Großartig, mach das.“ Dann bekam ich einen Anruf: „Wir haben uns dein Zeug angeschaut, und Mr. Michaels würde gern mit dir zusammenarbeiten.“ Ich antwortete nur: „Wer spricht da überhaupt? Ist das euer Ernst?“ Aber ich stieg dann tatsächlich ins Flugzeug und traf Lorne. Er meinte, dass ich etwas hätte, das zur Show beitragen könne. Und so war ich toller Weise zwei Staffeln lang Teil des Schreiberteams für die Show. Wie war die Show, als du dort mitgewirkt hast? Na ja, nach den Anschlägen vom 11. September war es natürlich ein historischer Moment, bei der Show mitzuarbeiten. Seien wir mal ehrlich: Die Clinton-Ära war die Seinfeld-Ära, es passierte nichts wirklich Aufregendes. Alles war schön und langweilig und lustig. Doch plötzlich war nichts mehr so wie vorher. Mit einmal mussten wir uns fragen: „Was ist lustig? Über wen machen wir jetzt Witze? Und warum?“ Einmal hat uns so ein durchgeknallter Typ doch tatsächlich Anthrax-Pulver ins Büro geschickt. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass er den Moderator Tom Brakow umbringen wollte. Aha. Ja, sein Büro befindet sich ja im selben Gebäude. Nachdem das Anthrax entdeckt wurde, haben sie uns im Gebäude eingeschlossen und die Leute von der Homeland Security tauchten auf. Sie holten den NBC-Geschäftsführer, der uns dann persönlich versicherte, dass niemand sterben würde. Welches Buch liest du gerade? Offiziell lese ich gerade Walden von Henry David Thoreau. Wenn ich damit fertig bin, werde ich auf jeden Fall wieder zu Alternativweltgeschichten zurückkehren. Innerhalb der Science-Fiction-Literatur ist das eines meiner Lieblingsgenres. Was für Bücher sind das zum Beispiel? Zum Beispiel die Bücher von Harry Turtledove. Wenn du Geschichte studierst, lernst du eins ganz schnell: Der Lauf der Geschichte ist nicht vorherbestimmt. Die englische Flotte hätte gegen die spanische Armada genauso gut verlieren können. Und die Tschechoslowakei hätte sich gegen Hitler wehren können, sie tat es aber nicht. Das ist es, was mich so fasziniert. Was denkst du, wirst du noch ein Buch über Zombies schreiben? Ehrlich gesagt, ich arbeite gerade an einer Graphic Novel mit dem Titel Survival Guide: Recorded Attacks. Ich erarbeite das Manuskript und ein Künstler illustriert das Ganze. Wer ist der Künstler? Er heißt Ibraim Roberson und lebt in Brasilien. Ich habe ihn allerdings noch nie getroffen. Aber ich kann dir versichern, er ist absolut großartig, und ich darf dicke Töne spucken, denn es geht ja nicht um mich. Du hast ihn noch nie getroffen? Wie funktioniert dann die Zusammenarbeit? Ich schreibe das Manuskript, schicke es per E-Mail zu meinen Verlegern nach Mittelamerika, Champaign-Urbana in Illinois und New York, die es sich dann anschauen. Sie schicken es dann weiter nach Brasilien zu Ibraim … ich weiß nicht mal, wo genau in Brasilien er lebt! Er könnte in São Paulo leben aber genauso gut im tiefsten Dschungel sitzen. Wir mussten ihm sogar den Internetanschluss bezahlen. Er zeichnet dann die Geschichte und schickt sie mir per E-Mail hierher nach Kalifornien. Es ist so eine Art Dreieckshandel, der sich über Tausende von Kilometern erstreckt. Wir waren noch nie zusammen in einem Raum vereint. Würdest du uns einen kleinen Einblick in die Graphic Novel gewähren? Ganz hinten in meinem ersten Buch, Zombie Survival Guide, kann man all diese Berichte über tatsächliche Zombieangriffe lesen. Das sind nur kleine Skizzen, nur eine Seite oder einen Absatz lang. Ich wollte das Ganze jetzt zu richtigen, längeren Geschichten ausarbeiten. Und das sind sie auch geworden. Man sieht sie jetzt viel detaillierter. Sind die Illustrationen in Schwarz-Weiß oder in Farbe? Das Buch ist schwarz-weiß. Auf wie viele Seiten können wir uns freuen? Es wird ein Monster werden. Ich rechne mit mehr als 200 Seiten. Wow. Ja, darum brauchen wir auch so viel Zeit. Aber mein Herausgeber behält Gott sei Dank die Nerven. Wir sind mit der Veröffentlichung im Verzug, weil Ibraim die Zeit unbedingt benötigt, um es richtig gut zu machen. Der Verlag sagt nur: „Uns ist es egal, wann es erscheint, so lange es die Qualität hat, die wir von dir gewohnt sind.“ Stimmt es, dass du mit dem Buch auf Tour gehst? Ich halte tatsächlich Vorlesungen über Selbstverteidigung gegen Zombies. Eigentlich entstand das eher aus Verzweiflung, zu der Zeit, als das Buch auf den Markt kam. Ich dachte mir: „Das ist verrückt und lächerlich, niemand wird sich dafür interessieren.“ Da ich aber nichts zu verlieren hatte, zog ich einfach los und versuchte den Leuten zu zeigen, wie man Zombies bekämpft. Ich konnte ja nicht wissen, dass es so ein Erfolg wird. Ich habe mit ein bis zwei Auftritten mit vielleicht einem Dutzend Zuhörern gerechnet. Zur ersten Lesung kamen dann aber tatsächlich 200. Im Schnitt sind es zwischen 30 und 45 Minuten, in denen ich einfach vorlese. Aus dem Buch? Aus dem Buch. Und ich ziehe das nicht ins Lächerliche. Es ist eine ernste Sache. Wenn du dir nicht hundertprozentig sicher wärst, dass es keine Zombies gibt, würdest du nach der Lesung rausgehen und denken: „OK, jetzt bin ich für den Ernstfall gerüstet.“ Aber viel wichtiger als die Lesung sind die Fragen. Beim ersten Mal dachte ich noch, dass sich die Fragen alle um Saturday Night Live oder so drehen würden. Aber weit gefehlt, alle wollten meinen Rat zu Zombies hören: „Wenn mich ein Zombie in den Arm beißt, soll ich ihn dann abtrennen?“ Oder: „Welches Schwert brauche ich, um Zombies zu enthaupten?“, und ähnliche Fragen. Es war fast zum Improvisationstheater geworden, in dem ich aber wahre Antworten geben musste. Ich konnte die Leute doch nicht auf den Arm nehmen. Also bist du jetzt der Experte, wenn es um Zombies geht? Genau! Ich musste eben sehr realistisch auf ihre Fragen antworten. Wenn mich jemand fragte: „Ich wurde in den Arm gebissen, wie viel Zeit bleibt mir, bevor ich mich in einen Zombie verwandle?“, dann musste ich wissenschaftlich darauf antworten: „Wenn er dich in eine Vene gebissen hat, wird die Infektion direkt zum Herzen transportiert und du hast überhaupt keine Zeit zu reagieren. Beißt er aber in eine Arterie, bleiben dir ein paar Sekunden, um dir den Arm abzutrennen.“ Einmal fragte mich jemand, ob man einen Klingendraht aufspannen könnte, der den Zombies dann beim Durchschreiten den Kopf abtrennt. Und ich fragte ihn: „Das ist eine gute Idee, aber in welcher Höhe würdest du ihn denn aufspannen?“ Er antworte darauf nur: „Ja, stimmt ...“ Es muss also absolut stichhaltig und logisch sein. Und genau aus diesem Grund wurde ich immer wieder gebucht. Einmal hörten mir fast 1.000 Leute zu. Hast du einen Stand mit Merchandising? Verkaufst du Shirts? Ja, aber viel wichtiger sind mir die Leute, die sich Bücher signieren lassen wollen. Bei einer meiner letzten Lesungen signierte ich zwei Stunden lang. Diesen Leuten gefällt es einfach, über die Thematik nachzudenken. Kurz nach der Veröffentlichung des Buches meinte ein Freund, dass die Haltbarkeitsspanne eines Buches irgendwo zwischen der von Milch und der von Joghurt liegt. Es ist sechs Monate auf dem Markt, und dann wird man es vergessen haben. Um ein erfolgreicher Science-Fiction-Autor zu seinso hat man es mir erklärtmuss man zwischen 5.000 und 40.000 Exemplare verkaufen. Ich dachte: „40.000 Exemplare? Das schaffe ich niemals.“ Wenn man zu einem Baseballspiel geht, dann sind da 40.000 Menschen, verstehst du? Aber bis dato haben wir 600.000 Exemplare des Zombie Survival Guide verkauft. Wow. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Jedes Jahr verkaufen wir mehr. Und wie viel habt ihr von World War Z verkauft? Von World War Z waren es ungefähr 200.000 Exemplare. Und das Buch ist schon einige Jahre auf dem Markt, trotzdem verkauft es sich immer noch. Außerdem haben wir jetzt die Deals mit den Verlagen im Ausland abgeschlossen, so dass das Buch in die verschiedensten Sprachen übersetzt wird, was eine gute Sache ist. Wer hätte gedacht, dass Zombies dermaßen geliebt werden könnten. Naja, als Kind hatte ich Angst vor Zombies, und ich wollte immer wissen, wie man sie bekämpfen kann. Meine Beweggründe zum Schreiben des Buches sind daher die ehrenwertesten, die es jemals in der Literatur geben wird. Ich wollte es einfach für mich schreiben. Hätte es so ein Buch vorher gegeben, ich hätte es auf jeden Fall gekauft. Ich wollte kein Geld damit verdienen, ich war sogar davon überzeugt, dass es niemals veröffentlicht wird. Wie war der Schreibprozess für den Survival Guide? Ich habe viel recherchiert. Als ich mich entschied das Buch zu schreiben, sagte ich mir: „OK, was wäre, wenn es Zombies wirklich geben würde? Wie würde ich sie bekämpfen?“ Die meisten Leute denken, dass ich einfach unzählige Zombiefilme gesehen habe. Ich sage ihnen aber jedes Mal, dass ich viel über Medizin, Ernährung, Überlebenstechniken, Waffen und Kampftechniken recherchiert habedie wirklich wichtigen Sachen also. Für World War Z habe ich zwei Jahre recherchiert. Ich wollte einfach wissen, wie eine mögliche Ausbreitung von Zombies vonstatten gehen würde. Ich musste also alles verdrängen, was ich bisher in Filmen über Zombies gesehen habe. Was würde bei einem wirklichen Zombieangriff passieren? Das war meine Überlegung. Was meinst du: Wenn es irgendwann mal zu einer Zombieinvasion kommen würde, könnte Obama der Sache Herr werden? Ich glaube, Obama kommt mit allem klar. Außer vielleicht mit Kryptonit. Aber dafür gibt’s ja Joe Biden. Obama ist für mich der erste aufregende Präsident, den ich miterleben darf. Die anderen Präsidenten, die ich bis jetzt in meinem Leben gehabt habe, waren alles totale Versager. Ältere Generationen habe ich oft über JFK und Roosevelt reden hören. Mein Vater hat ihn sogar mal gesehen. Er war noch ein kleiner Junge und saß bei seiner Mutter auf der Schulter, und er [Roosevelt] hat ihm zugewunken. Und meine Mutter hat damals Winston Churchill persönlich getroffen. Sie spielte seine Mutter in dem Film Young Winston. Sie hat uns mal erzählt, wie Churchill auf dem Set erschien. Er zeigte allen Fotos von seinem Vater und seinen Freunden. Als er das Foto seiner Mutter aus der Tasche holte, fing er an zu weinen. Wow. Stell dir vor, ich höre diese Geschichten über diese großartigen Männer und alle Präsidenten, die ich in meinem Leben bis jetzt erlebt habe, waren vollkommene Idioten. Da ist also ein Mann, dessen Bücher ich gelesen habe und dessen Reden ich gehört habe. Und ich denkeund dafür danke ich Gottdass er der erste aufregende Präsident in meinem Leben sein wird. In letzter Zeit war die Stimmung sehr zynisch. Die Menschen dachten nur daran, irgendwie über die Runden zu kommen und glaubten nicht an ein Happy End. Aber ich dachte mir: „Nein, so will ich nicht sein.“ Und dann taucht da endlich dieser Mann auf, der an ein Amerika glaubt, das für die Träume der Menschen und die Freiheit steht. Wir müssen unseren Idealismus zurückgewinnen. Und wenn wir das nicht schaffen, verwandeln wir uns in eine Nation aus zynischen Jammerlappen, die glauben, dass das Leben beschissen ist und es kein Happy End gibt. Und solch eine Nation gibt es bereits ... Frankreich nämlich! Ha ha. Und in World War Z gibt es auch ein Happy End. Klar, und den Leuten hat das überhaupt nicht gefallen. Ich sagte ihnen aber: „Ja, es muss ein Happy End geben!“ Im wahren Leben geschehen Happy Ends nicht einfach so, und das ist nun mal so. Im wahren Leben wird das kleine Babyzebra von den Löwen aufgefresen und dann war’s das. Mit meinen damaligen britischen Mitbewohnern in London haben wir öfter darüber gestritten. Ich argumentierte dann immer, dass das Leben keine endloser Morrissey-Song sein muss. MAX BROOKS | 1 | 2 |
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