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MATT LOCK UMARMT DIE HÄSSLICHKEIT DER REALITÄT


INTERVIEW: BRUNO BAYLEY

 

MORE DRAWINGS BY MATT LOCK  1 | 2 | 3 | >

Vice: Wann hast du mit dem Illustrieren angefangen?

Matt Lock:
Ich zeichne, seitdem ich ein Kind bin. Aber ernsthaft beschäftige ich mich mit Kunst erst seit 2005.

Wie sahen die Zeichnungen vom kleinen Matt aus?

Ähm… Ich habe hauptsächlich Buchcover, Comics, Poster und die Packungen von Actionfiguren kopiert. Ich würde sagen, dass es thematisch zu 40 Prozent um Star Wars ging. Der Rest war eine bunte Mischung aus Superhelden, GI Joes und Dinosauriern. Ich habe mir auch ein paar eigene Charaktere ausgedacht, aber sie waren fast alle bei X-Men oder Star Wars abgekupfert. Ich habe irgendwo noch eine große Kiste mit meiner Kinderkunst. Immer wenn ich mir das Zeug ansehe, fühle ich mich gleich inspiriert.

Hast du je richtigen Kunstunterricht bekommen?

Nee. Na ja, an der Highschool hatte ich Kunst, aber deswegen habe ich Kunst eher eine Weile gehasst.

Und bist du jetzt ein „Vollzeit-Künstler“?

Irgendwie schon. Ich habe einen Job, aber ich bin seit über einem Monat nicht mehr da gewesen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich damit beschäftigt bin, ihnen einen großen Auftrag zu beschaffen. Aber ich nehme mal an, dass sie, bevor es soweit ist, schon nicht mehr im Geschäft sein werden. Die Wirtschaft geht gerade vor die Hunde und sie sind eine total kleine Firma.

Was für eine Firma?

Eine Datenverarbeitungsfirma. Du kannst einfach hingehen, wenn du Bock hast, dich hinsetzen, herumtippen und dabei Musik hören oder was auch immer. Es ist alles sehr flexibel und ich muss mich mit niemandem unterhalten. Nicht so gut ist wiederum, dass es keine verlässliche Sache ist und eine Stunde von meinem Wohnort entfernt liegt.

Was sind deine Hauptinspirationsquellen beim Zeichnen?

Die Einsamkeit, urbaner Verfall oder düstere städtische Landschaften, heruntergekommene Eckläden und Müll auf den Straßen. Außerdem inspiriert mich eine Menge Science-Fiction, Musik, morbider Humor, postapokalyptische Szenarien, großformatige Rollenspielbücher, komische Skulpturen ... Bier ... komische Leute ... alles Mögliche.

Was ist mit den Sachen von anderen Künstlern? Inspirieren die dich, oder findest du, dass das alles faule Säcke sind, dich nicht so gut sind wie du?

Hahaha. Ich glaube, dass es da draußen eine Menge guter Künstler gibt, aber ich werde mal nur die erwähnen, die wirklich meinem Geschmack entsprechen. Ich mag Justin B. Williams, Kyle Fields, Mehdi Hercberg, Leon Sadler, Jon Chandler und Christopher Forgues. Ben Jones, E*Rock und Frédéric Fleury sind auch ganz toll und Mark Delongs und Jaret Penners Arbeiten mag ich auch. Und vergessen wir nicht die alten Jungs wie Royal Robertson, Giger, Philippe Druillet, Frank Frazetta und Wladimir Jankilewski ... Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen.

OK, du magst also im Prinzip alle. Wie ist es mit alten Künstlern, zum Beispiel solchen, die Ölfarben und so was benutzt haben?

Oh, es gibt so viele und da ist noch so viel, was ich gar nicht kenne. Brueghel, Bosch, Caravaggio, primitive mittelalterliche Kunst, und frühe amerikanische Kolonialkunst gehören zu dem, was ich am liebsten mag.

Ich habe einmal 40 Minuten damit verbracht, Brueghels „Triumph des Todes“ anzustarren. Woran arbeitest du im Moment, hast du irgendwelche Projekte am Laufen?

Ich arbeite an einer Serie von zehn Gemälden für ein Buch und eine Ausstellung mit Frédéric Fleury und ein paar anderen Künstlern. Das Ganze hat den Titel The Menace. Außerdem werde ich noch mehr Artwork-Sachen für die Band Crossover machen, neben dem, dass ich mich noch ein bisschen ausruhen will, nachdem ich mit Tim Foster einen Haufen Sachen für meine neue Ausstellung in der Nog Gallery in London gemacht habe. Um hier mal ein bisschen Eigenwerbung zu betreiben.

Was ist dein nächstes großes Ziel?

Wahrscheinlich, ein Comicbuch zu machen. Ich will schon seit einer Weile eins machen, aber ich bin ein Perfektionist und das macht die Sache etwas schwierig. Ich habe zu viele Ideen und ich muss mit etwas Einfachem anfangen, sonst wird es mir schnell zu viel. Außerdem möchte ich Bildhauerei ausprobieren, und Siebdruck, aber momentan fehlt mir das Geld für das Material, das ich für diese Experimente brauchen würde.

Was für Musik hörst du so? Hat sie einen Einfluss auf deine Arbeit?

Ich höre mir sehr verschiedene Sachen an. Ein Großteil ist Heavy Metal und viele der dazugehörigen Subgenres, aber alle in ihren Originalformaten (zum Beispiel NWOBHM, früher Death Metal aus den 90ern und Black Metal). Ich höre auch viel Prog-Rock, traditionellen Folk, alte elektronische Musik und Klassik. Es passt ganz gut zu meinem Zeichenstil und manchmal ist es sehr offensichtlich. In meiner Kunst steckt eine ganze Menge Ernüchterung und Eskapismus. Das meiste, was ich höre, hilft mir entweder, der Realität zu entfliehen, oder es umarmt die Hässlichkeit der Welt und verwandelt sie in etwas Schönes und Intelligentes.

Bezeichnest du dich als Künstler?

Ja. Ich bin ein Künstler, ein etwas pingeliges und unzufriedenes Individuum mit einem kreativen Blick.


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