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DR. LAKRA HAT EIN TATTOO, AUF DEM DÄMONEN JESUS INS GESICHT PINKELN


INTERVIEW: BERNARDO LOYOLA

 

ANOTHER DRAWING BY DR. LAKRA  1 | 2 | >

Vice: Wo hast du den Namen Dr. Lakra her? Was für eine Art Doktor bist du denn?

Dr. Lakra:
Als ich 1991 mit dem Tätowieren anfing, trug ich immer einen Arztkoffer mit mir herum und irgendjemand verpasste mir dann den Spitznamen dazu—ich bin ein lakra-Doktor, einer, der den Leuten lakras verpasst. Schlag es doch mal im Wörterbuch nach. [Lakra ist eine Anlehnung an lacra, welches soviel bedeutet wie Makel, Verletzung, Narbe oder die Öffnung einer Wunde. Der Begriff wird auch umgangsprachlich verwendet, um eine oder mehrere verkommene oder asoziale Personen zu beschreiben.]

Siehst du dich eher als Tattookünstler oder als Maler?

Ich male schon mein ganzes Leben, manchmal auf Haut und manchmal auf Papier. Aber wenn ich tätowiere, gibt es immer noch das Element der Interaktion mit dem Opfer, was meine Einflussmöglichkeit auf das Endergebnis etwas einschränkt. Der Unterschied ist, dass Papier nicht schreit.

Ich habe gehört, dass Ed Hardy dir vor 15 Jahren ein Tattoo auf der Brust gemacht hat.

Ja, er hat drei Arbeiten an mir gemacht. Ein Christus auf meiner Brust, ein Piratenmädchen auf meinem Arm und eine Garnele. Und ich habe ihm vor acht Jahren, als er zum ersten Mal nach Mexiko kam, einen Quetzalcoatl [eine aztekische, gefederte Schlange] auf den Arm tätowiert. Wir sind immer noch befreundet.

Ein Christusgesicht umringt von Dämonen, die ihm alle ins Gesicht pinkeln, richtig?

Ja.

Ein Freund von mir hat dich vor ein paar Tagen auf der Londoner Tattoo Convention gesehen.

Ja, ich habe dort tätowiert.

Hast du dich auch selber tätowieren lassen?

Klar, ich habe fünf neue.

Ich sehe bei deinen grafischen Arbeiten zwei Hauptstile. Einmal machst du Sachen, bei denen du alte Drucke aus den 50ern und 60ern „aufbesserst“ oder veränderst und Pin-up-Girls und Wrestler mit Spinnen, Totenköpfen und Dämonen tätowierst. Und dann machst du noch diese großen Zeichnungen und Gemälde, wie die, die wir hier im Magazin abdrucken.

Das mag ja sein, aber ich mache noch viel mehr als das. Es gibt außerdem auch Objekte, Collagen und verschiedenste Arten von Zeichnungen in verschiedenen Medien. Die „aufgebesserten“ Drucke sind vermutlich die bekanntesten, aber es gibt noch mehr. Bei manchen meiner Arbeiten fange ich von einer bestehenden Vorlage aus an und bei anderen mit einem leeren Blatt Papier.

Bei Arbeiten wie Vuelven los demonios und Acapulco wirkt jede Zeichnung, als käme sie von einem anderen Künstler. Gehst du bei diesen Bildern von existierenden Vorlagen und Fotos aus?

Viele meiner Arbeiten beziehen ihre Ikono-grafie aus unterschiedlichen Quellen. Man kann verschiedene Diskurse in sie hineinlesen. Ich spiele gerne mit verschiedenen Zeichenstilen und ich finde, dass die Kom-position ihnen eine neue Bedeutung verleiht.

Ich sehe in all deinen Arbeiten eine permanente Gegenüberstellung von Sex und Gewalt, Ästhetik und Groteske und, auf gewisse Weise, dem Alten und dem Neuen.

Ich interessiere mich schon seit jeher für diese Themen. Diese rohen, universalen Gefühle. In der einen oder anderen Form wird der nicht-zivilisierte Mensch, der Nicht-Vergeistigte, der Primitive, immer unterdrückt—und zwar auf fast schon kriminelle Art und Weise. Ich denke, dass man durch diese Themen die Essenz der Kultur definieren kann.

Was haben das mexikanische Design und Ikonografie der 50er-Jahre an sich, das dich so anzieht?

Es ist einfach eine Faszination für die Art, wie die Dinge früher gemacht wurden. An der Pornografie gefällt mir zum Beispiel, dass dabei noch viel mehr der Fantasie der Leute überlassen wurde. Mir gefällt es, wie die wichtigsten Dinge nebensächlich wurde.


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