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TERRY JONES


INTERVIEW: BEN KNIGHT
FOTO: BEN RAYNER

Wahrscheinlich hältst du Monty Python für ein Symbol der traurigen, gewollten Exzen-trizität, die verklemmte schwule, englische Väter zur Schau stellten, wenn sie sich „gut drauf“ fühlten oder sich einfach nur mit Schnaps besoffen hatten. Vielleicht lösen schon die Worte „Monty Python“ an sich in einer Art Pawlowschen Reflex traumatische Erinnerungen an die Augenblicke der Schande aus, wo deine Mutter still in sich hineinweinte, während dein Vater über die spanische Inquisition und die wunderbare Welt der Schwerkraft abging. Aber wenn du ein bisschen tiefer in dein Unbewusstes vordringst, wird dir klar werden, dass dein Vater ein verhinderter Künstler war, der insgeheim wollte, dass du abgetrieben wirst, damit er eine Karriere als experimenteller Theaterkomiker verfolgen konnte. Und da-ran ist allein Monty Python schuld. Ihr Einfluss geht tatsächlich so tief.

Monty Python war das Resultat einer sich entgegen jeglicher Wahrscheinlichkeit ergebenden Konstellation verschiedenster Talente und glücklicher Umstände. Es war weit mehr als die Summe seiner Teile und formte mehrere Jahrzehnte lang die Psyche von Generationen britischer und amerikanischer Studenten aus der Mittelschicht. Für mehr Männer, als sie es je zugeben würden, war die Zeit als junge Erwachsene ein veschwom-mener Fleck aus verstohlener Masturbation und Monty-Python-Zitaten.

Unter Fans heißt es, dass das Herz von Monty Python ein Waliser namens Terry Jones war. Sein Enthusiasmus hielt sie sogar noch zusammen, wenn er mit Stühlen nach John Cleese warf, und ihm wird nachgesagt, den fruchtbaren, freien Stil eingeführt zu haben, von dem der meiste Kram, den du heute witzig findest, seine Wurzeln hat. Er hat zudem die umfassendste Solokarriere der Pythons hingelegt, indem er auf hyperaktive Weise zwischen dem Verfassen von Dreh- und Kinderbüchern, der Schauspielerei und seiner Tätigkeit als Filmregisseur hin und her wechselte. Dazu kommen gelegentliche Abstecher in die mittelalterliche Geschichte und neuerdings auch in die Politik—mit einem Buch namens
Terry Jones’s War on the War on Terror, das überraschend gut ist. Vor Kurzem hat er auch eine Oper geschrieben und bei ihrer Aufführung in Lissabon Regie geführt. Sie basiert auf ein paar seiner Fanta-siegeschichten, in denen es um zum Leben erwachte Parkuhren und andere Maschinen geht. Möglicherweise wird sogar ein Film da-raus gemacht.

Und PS: „Nun, wir haben Eier und Schin-ken; Eier, Wurst und Schinken, Eier und Spam; Eier, Schinken und Spam; Spam, Schinken, Wurst und Spam; Spam, Eier, Spam, Spam, Schinken und Spam; Spam, Wurst, Spam, Spam, Schinken, Spam, Tomaten und Spam.“ Scheiße, was sind wir nur für Nerds.


Vice: Wolltet ihr mit Monty Python bewusst etwas Satirisches und Wegweisendes schaffen, oder wolltet ihr einfach nur witzig sein?

Terry Jones:
Wir haben auf jeden Fall gedacht, dass wir die witzigste Show sein würden, die es gibt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich das Gefühl hatte, dass das jetzt unsere Chance war—das wir es richtig machen mussten. Es stand alles ziemlich auf Messers Schneide. Unsere größte Sorge war, das richtige Format hinzukriegen. Wir standen alle auf Spike Milligans Q5, bei der die Sketche keinen Anfang, Mittelteil und Ende mehr hatten, und ich dachte, dass wir das mit Terry Gilliams Animationen verbinden und so etwas ganz Neues schaffen könnten. Ich erinnere mich noch daran, dass ich den Vorschlag machte und Michael und Terry positiv darauf reagierten. John, Graham und Eric waren nicht so interessiert.

Dachtet ihr, dass das Ganze von Dauer sein würde?

Überhaupt nicht. Damals war es bei der BBC üblich, Shows, solange es keine Orchesteraufnahmen oder Ballettaufführun-gen waren, nach ein paar Jahren zu löschen. Also rief mich unser Redakteur eines Tages an und sagte, dass er die Bänder aus der BBC rausschmuggeln würde, um sie zu kopieren. Eine Weile dachte ich, dass die einzige Aufnahme unserer ersten Staffel, die überleben würde, die Kopie sein würde, die ich bei mir im Keller hatte. Aber dann konnten wir uns doch durchsetzen.

Siehst du dir manchmal noch die alten

Shows an?

Das letzte Mal, dass ich sie mir angesehen habe, war, als wir dieses Ding machten, wo jeder seinen „persönlichen Favoriten“ aussuchen musste—obwohl wir in Wirklichkeit nur das genommen haben, was noch kein anderer genommen hatte. Ich habe die Num-mer mit dem Killer-Joke neu geschnitten, das ist das, wo es um diesen Witz geht, der so lustig ist, dass die Leute sterben, und sie den Witz dann im Krieg benutzen. Der haute irgendwie nie richtig hin, so wie er im Ori-ginal herauskam, also habe ich ungefähr drei Minuten rausgeschnitten, ohne dabei etwas von den Gags zu verlieren.

Ist dir irgendwas von den Monty-Python-Sachen inzwischen peinlich?

Ja, die tuntigen Witze kommen einem jetzt etwas plump vor. Und das Frauenbild war ein bisschen altmodisch. Die Frauen hatten bei uns nie besonders viel im Köpfchen.

Waren John Cleese und du so etwas wie die entgegengesetzten Pole von Monty Python?

So wird das jetzt immer dargestellt, aber ich weiß nicht, ob das wirklich so stimmt. Sicher gab es zwischen uns viele Konflikte. Aber ich habe nur ein einziges Mal mit einem Stuhl nach John geworfen. Und wir wären nie auf die Idee gekommen, es persönlich zu nehmen—es ging dabei immer nur ums Material. Wir kämpften alle für das, was wir für das Witzigste hielten und wir waren alle die besten Kumpels. Aber ich werde trotzdem sehr schnell hitzig, damals noch mehr als heute, und John behält einen viel ruhigeren Kopf. Er stachelte mich gerne auf, glaube ich.

Hatte Monty Python Groupies?

Es waren meistens Männer und wenn es Frauen waren, sahen sie aus, als hätten sie Männer sein können. Das ist ziemlich unfair, oder? Es war mit Sicherheit nicht wie eine Rock-Show.

Keine Drogenorgien?

Die Drogenszene ist irgendwie ziemlich an uns vorbeigegangen. Das war etwas nach unserer Zeit. Wir haben manchmal ziemlich viel getrunken. Aber man kann nicht vernünftig schreiben, wenn man nicht hundertprozentig beieinander ist.

Aber ihr wart doch auch mit den Beatles be-freundet, oder?

Hauptsächlich, weil George Harrison uns das Geld für Das Leben des Brian vorgeschossen hat. Außerdem hatten wir einmal Ringo beim Fliegenden Zirkus dabei, als Gast einer Talkshow, wo der Abspann an-fängt, bevor irgendjemand was sagen kann.

Ich war um die 13, als ich die Aufklärungs-szene in Der Sinn des Lebens sah. Ich glaube, ich habe sogar dazu masturbiert. Macht es dir nicht Angst, dass ihr eine Generation von Freaks hervorgebracht habt, die eure Sketche auswendig können und ihr Wissen über das Leben aus Monty Python bezogen haben?

Nein, ich bin dankbar, dass die Leute so interessiert daran sind, dass sie heute noch darüber reden.

Ich glaube, die Leute erinnern sich auch deshalb noch daran, weil ihr alle Schrift-steller, Schauspieler und Regisseure geworden seid. Ihr wart so was wie die Gründerväter der Comedy.

Ich werde dir sagen, wie ich das sehe. Wir gingen in den 70ern in den USA vor Gericht, weil die BBC die Show an ABC verkauft hatte und sie die Shows eigenmächtig gekürzt hatten. Wir haben die erste Show gesehen und es schrecklich gefunden, also versuchten wir sie daran zu hindern, die zweite auszustrahlen, was uns aber nicht gelang. Dann stellte unser Anwalt plötzlich fest, dass es da eine Bestimmung gab, wo es hieß, dass sie die Shows nicht schneiden durften, ohne uns zu fragen. Also musste die BBC sich außergerichtlich einigen und wir bekamen die Rechte an den Shows. Das hieß, dass wir die Ein-nahmen der Fernsehshows und von zwei Filmen bekamen. Das hat mir dabei geholfen, wenigstens mit den Dingen weiterzumachen, die mich wirklich interessierten. Aber ich weiß nicht, ob ich mich als Gründervater bezeichnen würde.

Monty Python war weitgehend unpolitisch, aber jetzt hast du dieses Buch herausgebracht, in dem du gegen den Irakkrieg protestierst.

Ich glaube, ich bin beim Lesen von Chaucer politisiert worden, weil ich gemerkt habe, dass heute dieselben Leute an die Macht kommen wie im Mittelalter, und dass sie dieselben Techniken anwenden, um Macht auszuüben.

Was macht dich im Moment wütend?

Ich kann einfach nicht glauben, was in den Staaten passiert—dass McCain tatsächlich auch nur eine Chance hat, an die Macht zu kommen, nachdem man gesehen hat, was die Republikaner in der Wirtschaft angerichtet haben und nach den ganzen Lügen, die sie verbreitet haben. Ich würde gerne weiter über den Irakkrieg schreiben, aber langsam wird mir meine Stimme langweilig. Aber die Leute, die diese Dinge anrichten, werden leider nicht müde, dieselben Phrasen immer und immer wieder zu wiederholen.

Also unterstützt du Obama?

Nun, ich weiß nicht so viel über ihn. Ich weiß nicht, ob er wie Blair werden würde. Die Bush-Blair-Dekade ist noch nicht vorbei. Ich bin mir sicher, dass sie den Iran bombardieren werden, wenn es so aussehen sollte, dass McCain nicht gewinnen wird. Denn dann wird das ihr einziger Weg sein, ihn noch an die Macht zu kriegen.

Jetzt klingst du langsam wie ein Radikaler.

Ich betrachte mich nicht als Radikalen. Ich finde es einfach ganz offensichtlich. Ich kann nicht glauben, wie es die Politiker schaffen, mit ihren ganzen Lügen durchzukommen. Tony Blair und die Massenvernichtungswaffen! Es gibt da ein Dokument, mit dem Titel „The Project for a New American Century“, an dem sich viele Neocons orientieren und dessen Umsetzung 1997 begann, als sie sagten, dass sie in den Irak einmarschieren wollen, um im Nahen Osten eine ständige amerikanische Präsenz zu etablieren. Und die Leute fragen sich immer noch, warum sie in den Irak einmarschiert sind? Sie haben es ja angekündigt! Es war glasklar! Na egal, ich hör jetzt mal wieder auf.


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