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EIN INTERVIEW MIT DEM ROMANAUTOR PAUL AUSTER UNTER MITHILFE EINER HORDE UNTERSCHIEDLICHER FRAGESTELLER


INTERVIEW: PATRIK ZBORIL

Foto mit freundlicher Genehmigung von Fox

Der Status eines journalistischen Interviews wird heutzutage auf diese seltsamen Frage-Antwort-Runden reduziert, bei denen man eine be-stimmte, allenfalls halb-interessante Person mit einem Mikrofon auf einem Stuhl vor einem riesigen Publikum platziert, das zum einen aus Vertretern konkurrierender Publikationen und zum anderen aus naiven Zivilisten besteht. Jeder wartet, bis er an der Reihe ist, und jeder hört sich die beschissenen Fragen der beschissenen anderen Leute an, die sie für ihre beschissene sinnfreie Publikation oder ihr beschissenes sinnfreies Privatleben stellen. Aus irgendeinem Grund bekommen wir solche Einladungen zu derartigen Frage-Antwort-Spielen am laufenden Band, was uns zu einem weiteren Problem in der heutigen Medienwelt führt: PR-Leute kümmern sich einen Dreck darum, an wen sie ihre Einladun-gen schicken. Wir bekommen mindestens einmal die Woche eine Mail von dieser Frau, die uns über die neuesten Pflegeprodukte und Cremes für die sensible Kinderhaut informiert. An Vice. Ich meine, was zum Teufel soll das, Frau Soundso? Müssen Sie einfach nur eine gewisse Quote von soundso viel Anrufen und Mails an soundso viele „potenzielle Geschäftspartner“ pro Monat erfüllen, oder was? Senden Sie Ihre Kindercreme-Produktinfos auch an den Metal Hammer? Jedenfalls ha-ben wir keine Probleme gehabt, ein solches Beispiel zu finden und es für euch zu dokumentieren.

Eigentlich mag ich sowohl David Thewlis als auch Paul Auster, was auch den Grund dafür darstellte, in die Deutschland-Premiere von Austers neuem Film, The Inner Life of Martin Frost, mit David Thewlis in der Hauptrolle zu gehen. Selbst die angekündigte Frage-Antwort-Runde in Anwesenheit des Autors schreckte mich nicht wirklich ab. Ich fand den Gedanken sogar interessant, obwohl ich dabei normalerweise starke journalistische Allergiereaktionen aufweise, und spielte mit der Idee, Paul Auster nach seiner Einstellung zum Trotzkismus von Harry Do-mela zu fragen. Es kam aber doch so, wie es kommen musste: Der Film war zu Ende, die Frage-Antwort-Runde begann und hier könnt ihr jetzt lesen, wie weit ich mit meinem Vorhaben gekommen bin.

(Ach so, übrigens, nichts gegen den Autor oder die Schauspieler, aber dieses Ding mit der Muse und dem kreativ Schaffenden ist klassisch und geht ja in Ordnung und alles, aber warum zählen Spiegel nicht—und warum ein Jahr kein Sex und warum plötzlich zwei Musen, von denen eine ein American-Apparel-Model ist?)

Unscheinbare Person: Wie schreiben Sie Ihre Texte?

Paul Auster:
Oh, ich schreibe sie mit Stift und Papier auf und am Ende tippe ich alles auf der Schreibmaschine ab.

Person, die man nicht sehen kann: Und wer tippt es dann auf den Computer ab?

Paul Auster: Ich habe da eine Freundin, ich gebe ihr Geld und sie tippt alles auf dem Computer ab.

Person auf der nicht einzusehenden Empore: Wann erscheint der Film in anderen Kinos?

Paul Auster:
Hm, ich habe eigentlich keine Ahnung. Ich glaube, er erscheint in überhaupt keinem anderen Kino. Es gibt diese Aufführung hier und ich freue mich darüber, dass Sie alle gekommen sind.

Und wann erscheint er auf DVD?

Paul Auster:
Das weiß ich leider auch nicht.


Das ist der Punkt, an dem ich meinen Vor-satz in meinen geistigen Mülleimer getreten und so schnell wie möglich den Saal verlassen habe, um niemanden zu verletzen. Sehr ihr, wie traurig und beschissen das ist? Wenn wir gezwungen wären, uns zu entscheiden, entweder für ein Magazin zu arbeiten, das seine Interviews auf diese Art und Weise be-kommt oder die Reißfestigkeit von Kondomen in Form von Arschficken durch AIDS-infizierte, pädophile Mörder zu testen, dann würden wir uns noch in der gleichen Se-kunde vornüber beugen.

Solche Gesprächsrunden sind genau der Grund dafür, warum wir plötzlich Lust bekommen haben, mehr Interviews mit Leuten zu machen, die uns interessieren. Sie müssen dafür noch nicht einmal berühmt sein, es soll einfach nur das passieren, was eigentlich ein Interview bedeutet: Es soll ein Gespräch stattfinden. Also, lasst uns mehr Interviews mit interessanteren Leuten machen!


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