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DOS & DON'TS

What the fuck are you glowering about? If that sexball let me put my freckly hands all over her person I'd be doing dances with her that make Skeritt Boy look like a tree-sloth who hates sex, not getting into staring problems with every other guy in the room. I guess heavy hangs the face that wears the tits. Comments/Enlarge | See all


This either belongs to a Young Adult author whose work combines ghost stories with military technothrillers or a rich, Mediterranean manchild whose DNA combines four or five Y chromosomes with the gene for being really stupid. Comments/Enlarge | See all






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NAYLAND BLAKE


INTERVIEW: JESSE PEARSON
FOTOS: RICHARD KERN
Styling Assistenz: Annette Lamothe-Ramos, Haare und Make-up: Shane Tison


Dieser Typ hier ist ein Künstler und Professor und ein Bär und ein Pipeman und ein SM-Switch. Was zur Hölle soll das überhaupt alles sein? Wir wissen es nicht. Fragen wir ihn also selber.

Vice: Du hast mir erzählt, dass du dieses Wochenende etwas ganz Besonderes vorhast.

Nayland Blake:
Ja, ich gehe auf ein jährliches Treffen von schwulen Männern. Das gibt es inzwischen seit 20 Jahren.

More photos of Nayland Blake by Richard Kern

Hat es denn auch einen Namen?

Ja, aber eigentlich möchte ich den lieber nicht verraten.

Das klingt jetzt aber ganz schön nach Eyes Wide Shut.

Na ja, man kommt da nur auf eine persönliche Einladung hin rein und ich fahre dieses Jahr zum ersten Mal hin.

Und da willst du nicht, dass sie dich nächstes Jahr wieder von der Liste streichen.

Genau.

OK, dann lass uns doch über diese Fotos hier reden, die Richard Kern von dir gemacht hat. Über das Müllmann-Foto zum Beispiel. Du hast ja wirklich einen Fetisch für Müllmänner. Die Sachen, die du auf dem Bild anhast, sind allesamt authentische Teile der New Yorker Müllabfuhr, die du dir selbst besorgt hast. Warum verkleidest du dich so gerne als Müllmann?

Das liegt, glaube ich, an meiner Ansicht, dass die äußere Erscheinung kein Ausdruck einer fixen Identität ist. Ich denke eher, dass Iden-tität irgendwie performativ ist.

Und diese Veranstaltungen, zu denen du gehst, sind dann voll mit Leuten, die gerne mit ihrer Identität spielen?

Stimmt. Du hast mich mal gefragt, wie die Leute bei diesen Veranstaltungen aussehen. Die Antwort ist, dass sie aussehen wie Amerika. Manchmal herrscht eine fast vorstädtische Atmosphäre, allerdings mit einer starken sexuellen Ausrichtung. Manchmal fange ich an, mich zu fragen, was wohl wirklich so in den Häusern vor sich geht, an denen man in den Vorstädten vorbeifährt.

Das haben sich schon einige Leute gefragt. Ich denke zum Beispiel an David Lynch.

Ja. Es ist vielleicht nicht alles so, wie wir uns das vorstellen.

Ich befürchte allerdings, dass hinter diesen ganzen Türen, bei denen man sich fragt, was da wohl gerade für krasse Sachen abgehen, in Wirklichkeit nicht viel los ist. Ich habe das Gefühl, dass viele Amerikaner ziemlich gut darin sind, ihre eigene Sexua-lität zu unterdrücken.

Ich weiß es nicht. Aber wir leben natürlich auch, nicht zuletzt wegen des Internets, in einer seltsamen Zeit. Viele der SM-Organisationen im ganzen Land werden gerade Zeugen davon, wie ihre Mitglieder-zahlen schrumpfen. Wenn man mal New York betrachtet, sieht man, dass es einen starken Rückgang gegeben hat, was Schwu-lenkneipen, Lack-Bars und solche Dinge anbelangt. Viele führen das darauf zurück, dass man die Leute jetzt auch ganz einfach im Internet kennenlernen kann. Man muss dazu nicht mehr in eine Bar gehen.

Ich habe früher immer vor diesem Laden im Meatpacking District gestanden, wenn ich auf den Bus gewartet habe. Er hieß Hellfire Club. Er hatte aber, glaube ich, auch noch einen zweiten Namen, The Manhole. Es gab zwei verschiedene Schilder. Jedenfalls ist er jetzt nicht mehr da. Das macht mich irgendwie traurig, weil ich allein die Tatsache toll fand, dass es den Laden gab.

Oh ja, da drin habe ich viel Zeit verbracht. [lacht] Ich bin dort auf diese sogenannten Cigar-Play-Partys gegangen.

Du hast mir auch schon gesagt, dass du ein „Pipeman“ bist. Was heißt denn das jetzt?

Das ist jemand, der beim Sex einen Fetisch für Pfeifen oder Zigarren hat.

Und wie funktioniert so was?

Viele Sexfreaks stehen auf Sachen, die mit eingeschränkter Atmung zu tun haben. Sachen, wo man jemandem die Luft abschnürt oder sonst irgendwie ihre Sauerstoffaufnahme kontrolliert. Eine der Arten, wie man das macht, ist, ihnen Zigarrenrauch in den Mund zu blasen. Oder man spielt mit dem heißen Ende einer Zigarre oder einem heißen Pfeifenkopf am Körper der Leute.

Verbrennen sie sich dann dabei?

Manche mögen dass, aber es ist nicht unb dingt notwendig. Man kann Leute auch ziemlich aufheizen, ohne dass sie sich dabei verbrennen.

Für all diese Dinge braucht es bestimmt eine Menge Vertrauen.

Man muss sich genau darüber unterhalten, was man bereit ist zu tun, bevor man mit dem Ganzen anfängt. Ein Grund, warum diese Veranstaltungen im Allgemeinen eher ältere Männer anziehen, ist, dass es einem, wenn man jung ist, völlig reicht, einfach zu ficken.

Stimmt. Wenn man zwanzig ist, ist ficken schon eine Menge.

Ja, in dem Alter fehlt einem auch noch die Fähigkeit, diese Dinge auszuhandeln. Man ist so scharf drauf, dass man nicht wirklich nachdenkt, bevor man einer Sache zustimmt. Die Älteren, die schon seit einer Weile mit dieser Szene zu tun haben, haben kein Problem damit, genau zu sagen, was sie wollen und was nicht.

Viele Leute mit traditionelleren Werten würden sagen, dass SM pervers oder unnötig sei, aber ich habe immer den Verdacht, dass Leute wie ihr uns einfach ein Stück weit voraus seid. Dieser ganze Sexkram setzt schließlich einen besonderen Grad von wirklicher Ehrlichkeit sich selbst gegenüber voraus. Ihr seid psychologisch einfach weiter als wir!

[lacht] Und dann gibt es ja noch die Sache mit der gegenseitigen Fürsorge nach dem Sex. Nachdem man mit jemandem eine Szene gemacht hat, geht man sicher, dass der andere OK ist. Die Leute haben außerdem immer verschiedene Möglichkeiten, das Ganze zu stoppen, wenn es aus der Bahn läuft.

Gibt es wirklich „Safewords“, wenn man ab-brechen will, oder ist das eine urbane Legende?

Oh, absolut. So was gibt es.

Hast du eins?

Das hängt davon ab, mit wem ich spiele. Als ich mit dem Ganzen anfing, war ich sehr nervös und verschüchtert und habe den Leuten immer gleich gesagt: „Wir müssen uns auf ein Codewort einigen.“ Oft haben die Leute dann geantwortet: „Weißt du, ein einfaches ‚Stop‘ tut es eigentlich auch.“



Ja, außer wenn man eine Vergewaltigung spielt oder so etwas.

Ja, wenn man eine Szene spielt, wo es darum geht, überwältigt zu werden. Aber im Allgemeinen sind Absprachen und das Aushandeln von Dingen in der BDSM-Szene viel besser integriert als in der normalen Szene. Ohne jetzt jemanden beleidigen zu wollen, aber ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie Frauen das machen, wenn sie mit Heteromännern zu tun haben.

Kommunikation ist vielleicht nicht unbedingt unsere stärkste Seite. In vielen traditionellen Beziehungen wird über bestimte Dinge wahrscheinlich einfach nicht geredet.

Das geht dann mit der Vorstellung einher, dass es schon irgendwie „klappen wird“. Du hoffst, dass du auf magische Weise genau die richtige Person treffen wirst, bei der man es einfach weiß und die selbst auch alles richtig macht. Eine der Sachen, die an der BDSM-Szene besonders interessant sind, ist, dass sie sich sehr gut selbst reguliert. Wenn jemand ein Arschloch ist, spricht sich das sehr schnell herum.

Funktioniert das auch anders herum? Also, gibt es Leute, von denen alle sagen: „Hör mal, wenn du dich von jemandem richtig gut fesseln lassen willst, solltest du dich mal mit diesem einen Typen, Joe, treffen“?

Es gibt Leute, die wegen ihrer Fähigkeiten sehr geschätzt werden und es gibt auch jede Menge Veranstaltungen, wo man sich Sachen beibringen lassen kann. Bei der Verwendung von Gerten muss man zum Beispiel sehr genau wissen, was man tut. Man muss wissen, an welchen Stellen es sicher ist, jemanden zu schlagen. Leute, die das gut können, haben immer genug Anfragen, egal wie sie aussehen, welches Geschlecht sie haben oder was auch immer.

Ungefähr so, wie man auch eine besondere Fahrerlaubnis braucht, um einen Schwerlast-transporter fahren zu dürfen?

Genau. Bei jemandem, der gut mit Seilen umgehen kann, werden etliche Frauen und Männer Schlange stehen, um sich fesseln zu lassen.

Denkst du, dass Leute, die nicht auf diese Sachen stehen, etwas verpassen? Sind manche Leute einfach dafür bestimmt, lediglich einfachen Rein-Raus-, Spritz-ab-und-das-wars-Sex zu haben?

Ich kann da nur für mich selbst sprechen. Bei mir ist das sehr eng mit meiner Kunst verbunden, in der es auch darum geht, immer mehr über mich selbst zu erfahren. Aber es gibt auch Leute in der Szene, denen es darum geht, an einer einzigen festgeschriebenen Rolle festzuhalten, so dass sie zum Beispiel nur dominant sind und das war’s. Für manche Leute kann es also eine tolle Sache sein. Aber ob das für alle gilt, weiß ich nicht.

Kann einen das Ganze nicht auch einengen?

Ja, wenn man ein Mensch ist, der nicht viel über sich nachdenkt, dann hat man auch nicht mehr davon als von den anderen Din-gen, die man so macht.

Erzähl mir bitte noch mehr über diese Müll-mann-Sache.

Ich bin in der unteren Mittelschicht aufgewachsen und neige dazu, Männer aus der Arbeiterklasse zu fetischisieren. Ich finde Müllmänner einfach heiß. Und das Gute am Schwulsein ist, dass man etwas fetischisieren und trotzdem auch selber so aussehen kann. Ich habe auch immer meine Probleme mit bestimmten Aspekten der Lederszene, die auf militärischen Machtstrukturen aufbaut. Dort herrscht eine sehr rigide Vorstellung von sozialem Verhalten. Ich finde das eher lächerlich, aber viele Typen stehen auf Armee- oder Polizeiuniformen. Ich bin dafür viel zu sehr Pseudo-Hippie, und das Müllmann-Outfit anzuhaben, ist meine Art, mich über die Typen aus der Szene lustig zu machen, die das Militärding durchziehen.

Ja, aber gleichzeitig ist es für dich sexuell befriedigend, dich als Müllmann zu verkleiden.

Stimmt.

Ist es schwer, sich nicht totzulachen, wenn man diese Rollenspiele macht?

Das Ding ist, dass man für sich selbst herausfinden muss, wie man es macht. Es kann sich manchmal wie eine schlechte Komödie anfühlen. Aber man muss das Szenario ja nicht wie ein Theaterstück rüberbringen.

Man muss also einfach einen Charakter wählen und alles Weitere ergibt sich dann?

Ja, und bei einer bestimmten Rolle kann es auch um etwas ganz anderes gehen.

Um was zum Beispiel?

Zum Beispiel kann das Szenario so aussehen, dass so ein zickiger Queen-Typ rauskommt, um den Müllmann zusammenzuscheißen, damit er die Mülltonne nicht immer einfach an den Straßenrand knallt. Und dann dreht sich der Spieß plötzlich um, der Müllmann schmeißt den Queen-Typ hinten auf den Truck, fährt mit ihm irgendwo hin und vögelt ihn.

Autsch.

Das Ziel des Szenarios ist, eine Machtüber-tragung zu erreichen und diesen Typen aus der Oberschicht zu erniedrigen. Genau das kann es sein, worauf er steht.

Und das ultimative Ziel dabei ist, die emotionalen oder psychologischen Wun-schvorstellungen zu bedienen, die man befriedigen will.

Genau. Das kann Erniedrigung sein, aber auch genau andersrum, nämlich endlich genau das fordern zu können, was man will. Eine der Sachen, die mich interessieren, ist, was die Rollen, zu denen ich normalerweise neige, über mich aussagen.

Wie die Sache mit dem Müllmann in Verbin-dung mit der Klassensituation, in der du aufgewachsen bist?

Ich glaube auch, dass es etwas mit meinen Performances zu tun hat. Bei einer Perfor-mance habe ich mich mal eine Stunde lang füttern lassen. Meine Rolle beschränkte sich darauf, alles zu essen, was das Publikum mir gab. Bei der Performance ging es mehr um die Gefühle der Leute im Publikum.

Aber du musstest es auch aushalten.

In gewisser Weise, ja. Es war sehr interessant. Es war mit jeder Person anders. Einige waren zärtlich und andere waren wieder sehr saditisch.

Mit was haben sie dich gefüttert?

Mit Pizza, Donuts, Obst, Gemüse. Alles wurde vor mir auf einem Tisch ausgebreitet. Ich saß oben ohne an dem Tisch und neben mir stand ein Schild, auf dem „Bitte füttern“ stand.

Na ja, nicht so schlecht, oder?

Es war wie im Zoo: „Die Tiere bitte nicht füttern.“ Es hatte den gleichen Klang.

Was waren deine ersten Erfahrungen mit Sex, der über die ganz reguläre Zweiersituation hinausging?

Ich bin mir nicht sicher, wie viel meine Eltern davon mitbekommen haben, aber als Teenager habe ich mich oft heimlich in die Pornokinos von New York geschlichen. Das war Mitte der 70er Jahre, als die Gegend um den Times Square herum noch besonders schmuddelig war. Ich habe in diesen Absteigen eine ganze Menge Sex gesehen und auch selbst gehabt. Ich habe als Teenager auch viel gelesen, Sachen wie Burroughs zum Beispiel. Später war auch Kathy Acker ein wichtiger Einfluss.

Und wie hast du SM kennengelernt?

Da gab es das Drummer-Magazin.

Was ist das?

Ein schwules SM-Magazin aus dieser Zeit.

Als du als junger Mann in die Kinos in der 42nd Street gegangen bist, hattest du den Sex da bereits intellektualisiert?

Nein, aber es gab zwischen der Kunstszene und der Times-Square-Szene viele Überschneidungen. Einer der ersten Orte, an denen ich eine Keith Haring-Zeichnung sah, war in einem Pornokino, in das ich ständig ging. Und als ich einmal wusste, wie Keith aussah, habe ich ihn auch ständig in der Szene dort gesehen.

Viele Kunstfilme, in denen explizite Sexszenen vorkamen, konnten nirgendwo anders als in diesen Kinos vorgeführt werden. Was New York angeht, überrascht es kaum, dass die Kreise der sogenannten Perversen und der Künstler sich oft überschnitten haben.

Ich habe auch eine hochtrabende Theorie dazu.

Leg los.

Ich bin der Ansicht, dass der Aufstieg der Lederkultur, Mitte der 60er- bis in die 70er-Jahre hinein, parallel zum Aufstieg der Performance Art ablief. Leute wie Marina Abramovic und Vito Acconci haben ihre Kunst ja aus demselben Impuls heraus wie die Lederleute entwickelt, aber das eine fand innerhalb der Kunstwelt und das andere im Untergrund statt. Dabei ging es aber oft um verwandte Themen. Man kann die Leder-Kultur als eine anonyme Folk-Art-Variante der angeblich ja so viel respektableren Gale-riearbeiten ansehen.

Ja, diese Sichtweise gefällt mir.

Ebenso ist es kein Wunder, dass Ronald Rea-gan in den 80er-Jahren gegen beides gleichermaßen vehement vorgegangen ist. Dieses kulturelle Aufbäumen, das Spiel mit der Macht und der Versuch, die Grenzen des Körpers zu erweitern, war es, dem dann später als Gegenreaktion mit der ganzen Repression begegnet wurde.

Diesen Impuls vermisst man in der Kunstwelt im Moment völlig. Keiner führt diese Tradition fort und ich weiß gar nicht, warum. Ich hatte noch vor einer Sekunde eine wirklich gute Theorie dazu, aber jetzt habe ich sie vergessen.

Nun, zum einen verkauft es sich sehr schlecht. Und außerdem entstehen in der Kunstwelt auch keine Ideen mehr. Aus Ideen ist Stil geworden. Die sozialen Schlussfolgerungen dieser Körperarbeit wurden ausgeblendet und nun wird es als eine Art Stil in der Kunstpro-duktion angesehen. Als Stil ist es gerade nicht angesagt, aber es wird wiederkommen.

Scheiße, also gibt es in der Kunstwelt momentan überhaupt keine Ideen?

Das greift tatsächlich um sich. Ich gebe dem Internet die Schuld. Auch hier findet sich wieder einer Verbindung zwischen der Kunst- und der Lederwelt: Es gab eine Zeit, in der man, wenn man an diesen Dingen interessiert war, körperliche Präsenz zeigen musste. Man musste in den Club oder in die Galerie gehen.

Und jetzt kann man im Internet alles schon ein paar Minuten, nachdem es passiert ist, sehen. Mit Musik ist es dasselbe. Es ist einfacher, ein Angeber oder Dilettant zu sein, wenn man das Internet als Recherchewerk-zeug hat und dadurch viel leichter Scheiße reden kann.

Und das ist auch einer der Gründe, warum ich nicht über die Veranstaltung reden will, die ich dieses Wochenende besuche. Ich finde es großartig, dass es in der Gesellschaft noch ein paar Dinge gibt, in die man initiiert werden muss. Man muss eine Verpflichtung eingehen, um es sehen zu können.

Manchmal wünschte ich, dass das Internet sterben würde und wir einfach wieder das Telefon, die Post und Mix-Kassetten benutzen könnten. Vielleicht bedeutet das, dass ich alt werde.

Bei einem Teil der Arbeit, mit der ich mich im Moment beschäftige, geht es um diese Dinge, die ich anonym herstelle und dann irgendwo draußen platziere. Ich habe zum Beispiel Müll bemalt und so kleine Arbeiten gemacht, die ich für die Leute als Geschenke auf die Straße lege. Ich dokumentiere sie auch nicht mit Fotos oder so.

Das ist toll. Heute ist es ja fast so, dass etwas, von dem kein Foto auf Flickr steht, nicht wirklich existiert.

Im Internet gibt es all diese Informationen, aber sie haben deshalb trotzdem nicht unbedingt einen Wert für uns, weil wir uns dafür nicht anstrengen mussten. Man dreht den Hahn auf und die Information fließt einfach heraus. Wir können noch gar nicht absehen, was das für Folgen haben wird.

OK, du bist also ein SM-Switch, ein Pipe-man, du machst dieses Müllmann-Ding und ein Bär bist du auch noch? Was bist du denn sonst noch so?

Nun, ich kann mich jetzt zum Beispiel auch als bi outen, obwohl ich nicht so auf das Wort „bi“ stehe. Ich sage lieber „pan“. Aber auf jeden Fall habe ich in den vergangenen Jahren sowohl mit Frauen als auch mit Männern geschlafen.

Jetzt, wo du schon so lange in der Schwulen-szene lebst, ist es für dich wahrscheinlich genauso schwer zuzugeben, dass du mit Frauen schläfst, wie es vor Jahren gruselig war, dein Coming Out zu haben.

Oh, absolut. Es gibt auf jeden Fall Leute, die das schockiert. Ich habe Freunde, die es verwirrt und andere, die es cool finden. Und die Sache mit dem Bär? Mit dieser Identität habe ich kein Problem. Einer der Gründe, warum ich mich in den 80erJahren als Bär identifiziert habe, war, weil das die Typen waren, die sich zwar in der Lederszene von San Francisco herumtrieben, aber nicht sauber genug waren, um wirklich ein Teil der Szene zu werden. Sie waren die Ausgestoßenen der Lederszene.

Und dann sind sie selbst zu so einer dominanten Szene geworden—die ganz eigene Welt der Bären.

Es war interessant mit anzusehen, wie sich diese Identität rapide verfestigt hat. Gerade hieß es noch: „Wer ist denn bitte schön ein Bär?“, und fünf Minuten später: „Wer ist denn bitte schön kein Bär?“ Ich fand das sehr aufschlussreich, weil in der Punkrockszene genau dasselbe passiert ist.

Das ist die Art und Weise, auf die sich viele alternative Kulturen organisieren, und es ist der Hass. Was als Zuflucht für Freaks anfängt, wird schnell zu einer neuen Ansammlung von Regeln. Die Außenseiter von der Highschool ziehen nach New York oder San Francisco oder wo auch immer hin, damit sie mit ihre gleichen Spaß haben können, aber dann schaffen sie sich nur ihren eigenen Mikrokosmos, der genau so wie die beschisene Welt da draußen funktioniert, die sie marginalisiert hat. Ich finde es echt zum Kotzen.

Diese Identitäten werden von Leuten erschaffen, die aus den Kategorien ausbrechen und dieser Falle entkommen wollen, aber sobald sich dieser Freiraum öffnet, strömen all diese anderen Leute mit hinein, die dann die Grenzen kontrollieren wollen. Mich hat das immer enttäuscht. Es ist sehr viel interessanter, wenn die Übergänge nicht so klar sind.


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