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DIE PFLANZENFLÜSTERERIN


INTERVIEW: BARBARA DABROWSKA
FOTO: TANJA KERNWEISS


Gaby Haag lebt in einem alten Schulhaus in einem bayrischen Dorf. Wenn man an der Tür klingelt und darauf wartet, dass sie aufmacht, weiß man schon gar nicht mehr, wo man hinkucken soll. Überall in den Fenstern und an der ganzen Außenwand sind Pflanzen. Hinter der Tür sieht man ein selbst gemaltes, latent esoterisch anmutendes Bild mit Delfinen. Wenn die Tür aufgeht, wird man zuerst einmal von zwei riesigen Doggen, die sich gerne mal gegenseitig bespringen, umgerannt. Dann trifft man endlich die Autorin von Mit Pflanzen sprechen. Die verborgenen Kräfte der Pflanzen aktivieren inklusive ihrem Ara Quaki auf der Schulter. Die Heilpraktikerin therapiert allergiegeplagte Men-schen, rettet Tiere, die den Sinn des Lebens verloren haben und plädiert für weniger Ignoranz gegenüber Pflanzen. Mit tausend Jahre alten Baum-Heiligtümern zu sprechen, hat laut Gaby nichts mit Geistern und dieser ganzen Anthroposophie-Sache zu tun, sondern ist alles wissenschaftlich belegbar.

Vice: Wie kann man also bitte mit einer Pflanze sprechen?

Gaby Haag:
Das kann jeder, und zwar über zelleigene Biophotonen-Strahlung und Elektrizität. Wenn man offen ist und sich auf die Impulse einlässt, entstehen plötzlich Bilder im Kopf.

Was sind das für Bilder?

Zum Beispiel, dass man eine Pflanze an einen anderen Ort stellen sollte, weil sie sich da wohler fühlt.

Und kann man sich auch richtig mit der Pflanze unterhalten?

Ja, man kann ganz bewusst kommunizieren und dann vielleicht sagen: „Hey du bist schön, ist echt spitze, wie du da wächst.“ Es ist auch bewiesen, dass es was bringt.

Was hat der Mensch noch für Vorteile von der Kommunikation?

Bei den Naturvölkern sind die Medizinmän-ner schon immer in den Wald gegangen, zum Beispiel wenn eine Person krank war, und haben genau die Pflanze gefunden, die zur Schwingung des Kranken passt.

Haben die da nie giftige Pflanzen erwischt?

Einem Naturvolk wird das nie passieren, auch in einem fremden Wald mit fremden Beeren und Kräutern nicht.

Kann man das lernen?

Das kann man sich selber mit Pilzen antrainieren. Einfach mal einen giftigen in die Hand nehmen und die Schwingung spüren, den mag ich nicht, der tut mir nicht gut.

Wie sieht Ihr persönliches Verhältnis zur Pflanzenwelt aus? Haben Sie einen Lieblings-baum?

Als ein kranker Baum nebenan gefällt wurde, kam von meiner Fichte im Garten eine Kälte- und Angstwelle. Wir haben uns umgedreht und gesagt: „Du stirbst nicht, du kommst nicht raus.“ Durch den Baum ging ein richtiger Ruck. Wir haben den Baum getröstet und das ist seither meine Verbindung zu ihm.

Wir wollen ja später noch mit einem Baum sprechen, gibt es bei den Bäumen verschiedene Charaktere?

Sie vermitteln verschiedene Energien. Die Eiche ist sehr kräftig und hat Durchhaltevermögen. Die Birke zum Beispiel ist sehr zart und die Buche ist der Baum, der einem über Enttäu-schungen hinweghilft.

Haben Sie sich bei so unterschiedlichen Tem-peramenten schon mal mit einem Baum gestritten?

Nein, es gibt nur Pflanzen, die einem von Anbeginn charakterlich nicht liegen, aber richtigen Streit gibt es mit denen nicht.

Und wie kommen die Bäume mit dem Altern klar?

Sie werden mit dem Alter weise und gelassen. Sie haben schon so viel gesehen und erlebt. Junge Bäume haben eine pubertäre Sturm-und-Drang-Phase. Ein alter Baum steht über den Dingen. Von alten Bäumen geht eine viel schönere Kraft und Schwin-gung aus.

So alte Bäume sind ja auch richtige Zeitzeugen, um sie herum passieren so viele Sachen.

Ein Baum, der eine Schlacht mitbekommen hat und viel Leid gesehen hat, hat das auch nachweisbar energetisch aufgenommen.

Wie ist das für einen Baum, sein ganzes Leben angewurzelt zu verbringen?

Bäume mögen keine Standortwechsel. Wenn er irgendwo hingepflanzt wird, wo er nicht hingehört, wäre es schon gut für ihn, wenn er weglaufen könnte. Einen Baum im Topf sollte man auch nicht ständig verschieben, der kann davon sogar eingehen.

Was bedeutet es für Sie, mit Pflanzen zu sprechen? Denken Sie, in den Pflanzen leben Geister?

Von der anthroposophischen Sichtweise her, zumindest wie die Geister dort definiert werden, würde ich dass nicht sehen. Geist im Sinne eines beseelten oder lebendigen Wesens, ja.

Kommunizieren die Pflanzen untereinander?

Hier ist ein Beispiel: In einem Experiment hat man Gerste unter ein Glas und dann noch mehr davon außen herum gepflanzt, um chemische Kommunikation auszuschließen. Die Gerste innen wurde dann nicht gegossen.

Ist sie dann vertrocknet?

Nein, aber beim gleichen Experiment ohne Pflanzen außen herum ist die Gerste unter dem Glas vertrocknet.

Die Gerste außerhalb hat also derjenigen ohne Wasser geholfen, hm... Welche anderen interessanten Experimente zur Pflanzen-kommunikation gibt es so?

Zwei Pflanzen im Abstand von 30 cm wurden an einen Lügendetektor angeschlossen und eine wurde täglich gequält—Blätter abschneiden und Gift in die Erde gießen und so. Auch die andere Pflanze hatte Ag-gressions- und Angstausschwingungen, wenn die quälende Person das Zimmer be-treten hat. Sie ist kurz nach der gequälten eingegangen.

Und die Pflanze hat tatsächlich die eine böse Person erkannt?

Ja, so etwas wurde auch im Mörderspiel von Backster nachgewiesen.

Gibt es neben Solidarität auch Konkurrenz unter Pflanzen?

Bestimmte Pflanzen harmonieren nicht mit anderen, vor allem Kakteen oder Drachen-bäume haben sehr aggressive Schwingungen.

Interessant, es gibt also Pflanzen, die keinen Draht zueinander haben. Liegt so etwas an kulturellen Unterschieden zwischen den Pflanzengruppen?

Eine Wüstenpflanze wird nicht mit einer Sumpfpflanze harmonieren. Gleiche Bedürf-nisse und Ursprungsländer sind immer besser für die Harmonie.

Haben Pflanzen denn Beziehungen untereinander oder auch zu Tieren?

Pflanzen schützen sich gegenseitig vor Schädlingen. Wenn man ein Tier in der Nähe einer Pflanze tötet, zum Beispiel Garnelen in kochendes Wasser schmeißt, dann haben Pflanzen Angstauschläge. Pflanzen reagieren auch, wenn der Mensch Angst hat oder traurig ist.

Das ist ja spannend. Haben Sie vielleicht schon mal gehört, wie sich Pflanzen in Kriegsregionen fühlen?

Da weiß ich es nicht, aber in den USA haben sie zum Beispiel in einem Experiment Pflanzen an Geräte angeschlossen, die mit Garagen-toren verbunden waren. Die Pflanzen haben schon auf ihren Menschen reagiert, wenn dieser noch hundert Meter vom Haus entfernt war und dann das Garagentor durch diesen Impuls geöffnet.

Die Pflanze freut sich, wenn man nach Hause kommt.

Das könnte man sagen.


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