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CHARLES MAGGIO VON RORSCHACH


INTERVIEW: RYAN DUFFY
FOTO: SEAN CAPONE


Wir dachten, dass es vielleicht interessant wäre, sich mit Charles Maggio, dem Sänger der bahnbrechenden Hardcore-Punkband Rorschach zu unterhalten, weil ihre brutale Vermischung von Hardcore und Metal die Richtung des Punk in Europa nun mal ziemlich grundlegend verändert hat. Wie sich herausstellte, ist Charles ein ziemlich normaler Typ, der eben zufällig der Frontmann der besten Band zu meinen Lebzeiten ist und eine Stimme hat, mit der er noch die letzten kreischenden Furien problemlos in den Schatten stellen kann. Um das Ganze noch ein bisschen spannender zu machen, hat er zwischendurch noch kurz ein bisschen Krebs überlebt und könnte dir trotzdem (selbst mit seinen Zwillingsbabys auf dem Arm) noch so richtig den Hintern versohlen.

Vice: Wie sah dein Leben so aus, als ihr mit Rorschach angefangen habt?

Charles Maggio:
Es war der Sommer zwischen der Highschool und der Uni. Ich war in einem Business-Management-Kurs an einer Uni in New Jersey eingeschrieben, die in den späten 80ern einen Metal-Radiosen-der hatte. Ich versuchte, unsere Sachen dort unterzubringen, aber ich hatte keinen Bock, davor als Pflichtübung erstmal Mötley Crüe für Typen mit langen, blond gefärbten Haarmähen spielen zu müssen

Apropos wütende Männer, wie seid ihr auf die Themen der Texte von Rorschach ge-kommen?

Wir kamen alle aus einer Szene mit Bands wie Youth of Today oder BOLD, die alle von Leuten „angepisst“ waren, die nicht Straight Edge waren oder sich nicht als wahre loyale Freunde erwiesen hatten. Wir hatten alle schon bei ihren Songs mitgesungen und—gegrölt, was dann zur Folge hatte, dass wir noch ein bisschen tiefer gegraben haben. Dann bekam ich Krebs, das Hodgkin Lymphom, was eine ganze Reihe von anderen, neuen Wutauslösern generierte.

Ja, danach wollte ich dich auch fragen. Wann in der Entwicklung der Band ist das genau passiert?

Das war schon recht früh, so um die Zeit, als wir die Sachen für das Album Remain Sedate geschrieben haben. Wir mussten eine Show spielen, bei dem Keith das halbe Set singen musste, weil meine Behandlung ein bisschen zu viel für mich war, aber im Großen und Ganzen haben wir in einem ganz ordentlichen Tempo weitergemacht, wenn man sich die Umstände vor Augen führt.

Vielleicht liegt das ja an meiner etwas unqualifizierten Vorstellung von dieser Krankheit, aber ich finde das ziemlich beeindruckend.

Na ja, ich hatte acht Monate lang Chemo-therapie. Es waren immer zwei Behandlungen im Monat, die ich immer auf den Montag gelegt habe, damit ich für die Autritte am Wochenende wieder ausreichend erholt war. Ich ging ins Krankenhaus und war dann erst mal für 28 Stunden weg vom Fenster. Irgendwann wachte ich dann in meinem Bett auf und fühlte mich so, wie ich mir vorstelle, dass man sich mit einem richtig schlimmen Kater fühlt. Nach 72 Stunden war ich wieder einigermaßen einsatzfähig.

Ich könnte mir vorstellen, dass es einen mental ziemlich mitnimmt, auch wenn man sich körperlich relativ schnell erholt.

Du musst dir nur mal die Texte auf den beiden Rorschach-Alben anhören. Nachdem ich es durchgestanden hatte, war ich ein anderer Mensch. Ich fühlte mich unbesiegbar, so, als könnten mir die kleinen Dinge, unter denen Normalsterbliche so leiden, nichts anhaben. Das ging dann aber schnell wieder vorbei.

Also hat der Krebs den Werdegang der Band nicht sonderlich verlangsamt?

Die Popularität ist eine launische Ziege und man muss sehr vorsichtig damit sein, was man sich wünscht. Wir hatten das Glück, dass wir schon genug innere Reibereien hatten, um uns zu trennen, als wir noch glaubwürdig waren.

Und jetzt.

Das Leben ist gut. Ich bin seit 2003 verheiratet und wir haben diesen Januar Zwillinge bekommen. Ich habe einen richtigen Job als Buchhalter, betreibe nach wie vor das Gern Blandsten-Plattenlabel, verbringe Zeit mit den Zwillingen, verkaufe auf eBay Platten für ein bisschen zusätzliches Geld für das College-Sparbuch der Kinder und trainiere brasilianisches Ju-Jutsu. Jetzt weißt du alles.


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