Foto von Ed Thorn
Schon mal morgens aufgewacht und einen richtig angenehmen Kater gehabt? Keinen dieser „Ich-scheiß-meine-Eingeweide- aus-einer-Rosette- die-sich-anfühlt-als- wäre-sie-eine-Woche- lang-alle-fünf-Minuten- mit-Brennesseln- eingerieben-worden- und-nebenbei-entsteht-eine- Gaswolke-die-riecht-wie- der-Angstschweiß-aus- den-ungewaschenen-Poren- eines-seit-Wochen-auf-offener- See-verschollenen- Matrosens“-Kater. Nein, nicht so einen. Stell dir eher vor, wie du nach einem langen Saufgelage morgens aufwachst, die Sonne scheint, du hast nichts zu tun und dann wird es am Ende ein hyperaktiver Tag, an dem alles richtig läuft, obwohl du nichts geplant hast. So klingen Yeasayer. Mühelos, glückselig, ekstatisch und ohne jede Spur von gekünstelter oder tatsächlicher Verbissenheit. Sie wurden schon mit den Beach Boys verglichen, nur weil sie alle vier singen können. In Wirklichkeit sind sie viel näher an den CSNY der 4-Way-Street-Ära, mit entzückenden Gesangslinien, die sich spielerisch mit komplexer Gitarrenarbeit verbinden. Sie sehen vielleicht aus wie eine Bande Hippies, aber das kann ja auch mal in Ordnung sein, oder? Jason Foster von Monitor fand sie so gut, dass er extra ein neues Label gegründet hat, um ihr Album rauszubringen, und „2080“ ist mit ungefähr einer Million Lichtjahre Vorsprung die Single des Jahres. Wir haben hier also eine ziemlich besondere Band.
Vice: Jungs, wir lieben eure Platte, aber was ist bitte los? Ihr seht aus, als ob ihr gerade rückwärts durch die Altkleidersammlung marschiert seid, und zwar während der Drehpause einer C-Movie-Version von Cheech und Chong.
Ira Wolf Tunon (Bass, Vocals): Wir mögen diese Klamotten. Wir tragen einfach alles und zwar in den unmöglichsten Kombi-nationen. Hip-Hop-Anzüge und Eskimo-schuhe zum Beispiel.
Luke Fasano (Keys, Vocals): Wir sind allerdings gar keine echten Hippies. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber ich finde dieses ganze neue Folk-Ding ziemlich widerwärtig. Ich verstehe es einfach nicht. Warum muss man versuchen, etwas zu machen, was schon Jahre zuvor perfektioniert wurde? Das ist, als kopierte man Joy Division. Warum sollte man das tun?
Chris Keating (Drums, Vocals): Für Interpol hat’s ganz gut funktioniert.
Luke: Auch wahr.
Wo kommen eure Gesangsmelodien her? Habt ihr zusammen geduscht und plötzlich waren alle im Einklang?
Ira: Das war schon immer ein wichtiger Bestandteil unseres Sounds. Wir hören viel Chorgesänge und Anand eine Menge Weltmusik. Geduscht haben wir nicht.
Anand Wilder (Gitarre, Vocals): Das Konzept hinter Instrumental-Rock war mir immer ein Rätsel. Wenn ich nur Instrumente haben will, dann höre ich einen Film-Soundtrack. Wenn du Gitarre spielst, musst du auch singen, oder?
Warum geht es in so vielen eurer Songs um die Sonne, um Winter und Sommer und so? Habt ihr vielleicht eine Jahreszeitenneurose?
Luke: Auf jeden Fall. Irgendwas muss einen ja jeden Tag aufs Neue beeinflussen. Und wenn nur auf abstrakter Ebene.
Anand: Wer wäre davon nicht beeinflusst? Man wacht morgens auf, die Sonne scheint und man weiß, es wird ein richtig guter Tag.
Seht ihr, ihr seid halt doch ein Haufen Hippies.
COSBY, TRILL, GASH & LUNGS
Yeasayers All Hour Cymbals ist bei We Are Free Records erschienen.
myspace.com/yeasayer