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DOS & DON'TS
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FÜHLE DIE DUNKELHEIT - PART 2Leben und Atmen im dreckigen OdessaFOTOS: DAVID GILLANDERS INTERVIEW: JAMES KNIGHT Vice: Füllt das Fotografieren das entstandene Loch, das entstand, als du mit dem Kämpfen aufhören musstest? David Gillanders: Nicht wirklich, ich kämpfe ja immer noch. Und ich mache immer noch Fotos. Abhängig macht allerdings beides. Wie bist du von deinen frühen Arbeiten über das Glasgower Straßenleben zu den späteren in Russland und hier in der Ukraine gelangt? Das klingt jetzt zwar vielleicht etwas bescheuert, aber es war eine Faszination für alles Menschliche. Jeder, der sich mit Doku-mentarfotografie beschäftigt, muss das auf irgendeiner Ebene haben, sonst ist man entweder ein Lügner oder man hat den fal-schen Job. Wie hast du die ukrainischen Kinder gefunden? Bis zu einem gewissen Grad war es Zufall. Ich habe in Russland eine Gruppe von Kindern, die in ähnlichen Umständen lebten und die sie „isprizorniki“ nennen, fotografiert. Als ich dort war, erzählten mir die Russen immer von diesen Kids, die mit toten Hunden in Höhlen leben und sterbenin ihrer eigenen Scheiße, Pisse und Kotze und 24 Stunden am Tag auf Droge sind. Sie haben nicht übertrieben. War es so schlimm, wie du es dir vorgestellt hattest? Schlimmer. Die am weitesten verbreitete Droge ist ein Nasenspray, welche sie mit Essig mischen und durch einen Zigarettenfilter ziehen. Diese Mixtur spritzen sie sich dann. Das hat eine betäubende Wirkung, macht aber auch extrem schnell abhängig. Ich habe keine Ahnung, wie sie darauf gekommen sind, dass das wirkt, aber es führt schon nach wenigen Wochen dazu, dass ihre Knochen sich ver-biegen und sie schwere Zusammenbrüche des Nerven- oder Immunsystems erleiden können. Kaum eins dieser Kids hat eine Chance, älter als 20 zu werden und sie wissen das. Daher ist es für sie auch nicht so ein großes Ding, sich selbst zu zerstören. Gibt es ein Bild aus der Zeit, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist? Es gibt zu viele. Aber da war ein Junge, der jedes Mal, wenn ich dahin kam, schlimmer aussah, der sich aber nicht fotografieren lassen wollte. Das letzte Mal, als ich dort war, bat er mich zu sich rüber und es war klar, dass er es nicht mehr lange machen würde. Er konnte nicht mal mehr sprechen, aber er teilte mir durch Gesten mit, dass ich ihn fotografieren dürfe. Er starb noch in derselben Woche. Unterstützt die Regierung diese Kinder auf irgendeine Weise? Ein paar katholische Priester helfen ihnen mit einer Suppenküche und ein paar Medi-kamenten, aber in den Augen der Regierung existieren sie eigentlich gar nicht. Wie härtest du dich ab, um so was auf alltäglicher Basis erleben zu können? Das geht gar nicht.
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