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EL NUEVO ALARMA! IST MEXIKOS BESTES KLATSCHBLATT FÜR KRIMINALBERICHTE UND MIGUEL ANGEL RODRIGUEZ VAZQUEZ DER CHEFREDAKTEUR - PART 1

Das Vice Interview

INTERVIEW: SANTIAGO STELLEY
FOTO: TOMAS MORALES

El Nuevo Alarma! ist das älteste der Prensa Roja-Blätter (Rote Presse) Mexikos. Es besteht größtenteils aus gruseligen Nachrichten, Fotos verstümmelter Körper und Überschriften, die auf schlechten Wortspielen à la 60er-Jahre-Fernsehkomiker über den Tod und Schmerz basieren. Wir haben uns vor kurzem mit Miguel Angel Rodriguez Vazquez, dem Chefredakteur der Zeitung, unterhalten.


Vice: Wie bist du der Chef von Alarma! geworden?

Miguel Angel Rodriguez Vazquez:
Ich fing 1981 in der Postabteilung an und habe irgendwie gelernt Layouts zu machen. Dann fing ich an zu schreiben und fotografierte für die Zeitschrift und ein paar Jahre später wurde ich der Assistent des Direktors. Er verstarb vor vier Jahren und ich wurde selber Chef.

Und was gehört zu dem Job so dazu?

Ich sehe das ganze Material durch, das bei mir auf dem Tisch landet, wähle die Geschichten aus, die mir gefallen, formuliere die Überschriften und überarbeite die Artikel.



Klingt nicht so schwer. Alarma! war die erste Zeitung ihrer Art, richtig? Das erste Prensa Roja-Blatt?

Ja, Alarma! wurde 1963 zum ersten Mal veröffentlicht. Ein Mann aus der Zeitungs-branche namens Don Carlos Amayo Lizarraga hatte die Idee, eine Zeitschrift herauszubringen, die sich ausschließlich mit Kriminalität beschäftigt.

Das Magazin hatte 1964 den Durchbruch mit der Geschichte der Poquianchis, drei Frauen, die in Guanajuato einen berüchtigten Prostitutionsring unterhielten. Ihnen wurden 28 Morde vorgeworfen. Alle ihre Opfer waren junge Mädchen, die als Prostituierte für sie arbeiteten und deren Leichen alle im Hinterhof der Poquianchis vergraben gefunden wurden.

Und Alarma! hat die ganze Story in all ihren blutrünstigen Details geschildert, nehme ich an?

Die Zeitung verfolgte die Geschichte über einen Zeitraum von acht Monaten. Einer unserer Reporter, Jesus Sanchez Hermosillo, fuhr nach Guanajuato und freundete sich mit Frau Delfina und Frau Maria de Jesus an, den zwei ersten Poquianchis, die verhaftet wurden. Sie teilten ihre Geschichten mit ihm und sprachen darüber, wie sie die ganzen lokalen Beamten bestochen hätten, die Polizei und die Präsidenten der Stadtverwaltung …

Volltreffer!

Die Poquianchis wurden zu einer Art Fotonovela, also einer Art Fotoroman, nur viel besser, weil es eine wahre Geschichte war, mit echten ermordeten Frauen, vergrabenen Föten, Mädchen, die zur Prostitution gezwungen wurden, Menschen, die ge- und dann wieder verkauft wurden.

Von dieser Geschichte allein haben wir über 2.000 Fotos. Wir haben ihre Liebesbriefe abgedruckt, ihre Familienalben, absolut alles. Die Geschichte hat wirklich das Interesse der Mexikaner geweckt und unserem Magazin zu seinem ersten Boom verholfen.

Ich war immer ein großer Fan der Ausgabe über das Erdbeben in Mexiko-Stadt.

Das Erdbeben in Mexiko-Stadt 1985 war auch eine Riesen-Story für uns. In der ersten Woche hatten wir eine Auflage von über 2,5 Millionen. In der folgenden Woche ging sie auf zwei Millionen zurück, aber das war immer noch außergewöhnlich hoch. Wir haben das Thema von jedem möglichen Blickwinkel aus beleuchtet.



Was ist deine Lieblingsgeschichte von der Ausgabe?

Ich erinnere mich noch an eine Geschichte über einen Jungen namens Monchito. Es war ein kleiner Junge, der angeblich unter einem Haus, das bei dem Beben eingefallen war, verschüttet sein sollte. Alle in Mexiko mach-ten sich Sorgen um Monchito und beteten für ihn. Sie holten alle möglichen Experten zur Hilfe, die versuchen sollten, ihn irgendwie zu retten. Am Ende stellte sich heraus, dass es Monchito gar nicht gab. Die Besitzer des Hauses hatten ihn nur erfunden, weil sie einen Safe retten wollten, den es unter ihrem Haus verschüttet hatte.

Kurz nachdem uns das Erdbeben einen großen Schub verschafft hatte, wurde Alarma! von der Regierung geschlossen.

Wie kam es dazu?

1986 fand die Fußball-WM in Mexiko statt und die Regierung beschloss, alle porno-grafischen Publikationen des Landes zu schließen. In Alarma! kamen keine nackten Mädchen oder so vor, aber laut der Kommis-sion der Regierunge hatten wir gegen einige Regeln verstoßen, indem wir zum Beispiel nicht die erforderlichen Warnhinweise, wie „Nur für Erwachsene“, auf dem Cover abgedruckt hatten oder das Magazin in Plastik eingeschweißt verkauften. Sie nannten uns alle möglichen Gründe, aber die Wahrheit war, dass eine unserer Schwesterpubli-kationen, ein Magazin namens Impacto zu der Zeit sehr regierungskritisch war. Wir wurden also aus politischen Gründen bestraft. Damals bekamen wir von sehr vielen anderen Publikationen Unterstützung, die unser Magazin zum größten Teil für vulgär oder trashig oder sonst irgendwas hielten. Alle wussten, was Sache war, aber keiner konnte es verhindern. Alarma! blieb fast fünf Jahre geschlossen.

Als wir 1991 wieder anfingen, mussten wir unseren Namen ändern und wurden zu El Nuevo Alarma!. Sobald es uns wieder zu kaufen gab, hatten wir unsere alte Leserschaft zurück und trieben all die anderen Kriminalmagazine, die inzwischen entstanden waren, aus dem Geschäft.


CONTINUED
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