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Foto von Christoph Voy

AVE MARIA

Nada Surf haben keinen Bock auf Religion

Uns ist egal, was andere sagen. Sie haben unrecht. Wer genug Nada Surf hört, könnte denken, dass sich so die Beach Boys entwickelt hätten, wenn Brian Wilson eines Tages von den Mädels die Schnauze voll gehabt und sich stattdessen eine Rudermaschine besorgt und mit dem Tod beschäftigt hätte. Aber das stimmt nicht. Sie sind nette und anständige Leute. Wissen wir, weil wir sie neulich getroffen haben. Sie waren gerade über den Atlantik geflogen und hatten bereits 15 Interviews mit 15 anderen Medienparasiten wie uns hinter sich. Jede andere Band wäre zu diesem Zeitpunkt bereits völlig am Ende, suizidgefährdet und auf Speedballs. Doch Nada Surf wirkten, als wären Vice-Fragen die Vitamine, auf die sie den ganzen Tag gewartet hätten. Charmant.

Vice: Hier in Deutschland fragen wir uns gerne gegenseitig, was unsere Großeltern im Krieg gemacht haben. Was haben eure gemacht?

Matthew:
Opa war Doppeldeckerpilot und wurde im 1. Weltkrieg über Polen abgeschos-sen. Schließlich schloss er sich der polnischen Widerstandsbewegung an, kehrte nach England zurück, besorgte sich ein neues Flugzeug und wurde Teil eines Geschwaders von polnischen Piloten in der britischen Luftwaffe.

Was ist dann passiert?

Matthew: Er kam nach Hause, machte ein Baby, das war dann mein Vater. Er wurde als Mitglied der Plymouth Brethren geboren.

Sind die so was wie die Village People?

Matthew: Nein, die Plymouth Brethren sind evangelische Fundamentalisten, eine puritanische britische Sekte, ähnlich wie die Amish in den USA. Mein Vater trat da aus und seitdem hat der Rest der Familie keinen Kontakt mehr zu ihm. Ich hatte also Ver-wandte in England, die ich nie kennenlernen konnte.

Spielt dieser religiöse Hintergrund auf dem neuen Album eine Rolle?

Ira:
Nein.

Matthew: Als Kind mochte ich die Erha-benheit von Kirchenmusik. Aber das war nur die Musik, nicht die Religion. Unsere Songs sind göttliche Teenager-Symphonien, wie Brian Wilson sagen würde.

Daniel: Ich wurde katholisch erzogen und ging mit zwölf zum ersten Mal zur Beichte. Meine Freunde und ich stritten darüber, ob man da lügen dürfe oder nicht. Ich entschloss mich für die Wahrheit und musste am Ende 300 Ave Marias aufsagen. Während ich das tat, beobachtete ich meine Freunde, die gelogen hatten, wie sie im Hof Fußball spielten. Ich dachte: Alter, ist Gott echt so bescheuert? Läuft das so? Da habe ich Gott den Rücken gekehrt und seitdem nie wieder zurückgeblickt.

Ira, du siehst aus, als willst du was loswerden.

Ira:
Wenn ich die Macht dazu hätte, würde ich es verbieten, Kindern unter zwölf Jahren irgendwas von einem Gott zu erzählen. Hast du heute Zeitung gelesen? Im Sudan wurde eine verdammte Englischlehrerin zu einer Gefängnisstrafe und 40 Peitschenhieben verurteilt, weil ihre Schüler einen Teddybären Mohammed getauft haben—wie krank ist das denn bitte? Das ist Wahnsinn—wie kann man eine Religion verteidigen, die so denkt?

Aber vielleicht bin ich genauso schlimm. Ich bin so liberal wie nur möglich. Abtreibungen? Sicher doch! Also bitte! Wenn Männer schwanger werden könnten, dann gäbe es an jeder Ecke ne Abtreibungsklinik, als wär’s ein verdammter Starbucks. Kannst mir nichts anderes erzählen.

Glaubst du nicht, dass ein Fötus auch ein kleines Lebewesen ist?

Kein Stück! Jede Fliege hat eine komplexere Zellstruktur als ein Fötus.

Guter Punkt. Es war eine Freude, mit euch zu reden!

BEN KNIGHT
Nada Surfs Lucky erscheint bei City Slang.
www.myspace.com/nadasurf



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