NEWSLETTER



DOS & DON'TS

Bow-ties are almost impossible to pull off without looking like a groom at a Las Vegas wedding or a magician who works children’s parties, but these two faggoty little smart Alecs have nailed it so hard they’re making me wonder what their warm little cocks would feel like in my hand. Comments/Enlarge | See all


So far the only funny thing Jerry Seinfeld has done is convince an entire generation of unmarried uncles that it’s perfectly acceptable to dress like a member of a New Edition tribute band made up of guys on their first day out of rehab. Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

OSCAR NIEMEYER
Der 101-jährige Mann, der Brasiliens...
SOWJETISCHES ERBE
Pink Reason erklärt
FANTASTISCHE PORTRÄT- FOTOGRAFIE
Argentiniens Knastschwestern flüchten dur...
VICE FASHION - FLOATING IN SPACE
FOTOS: JONNIE CRAIG
STYLING: ALDE...











FOTOS: LUCA GABINO


ch bin Zeuge, wie Kinder zwischen fünf und zehn Jahren in unbelüfteten Baracken arbeiten, in denen um sie herum alles nur Erdenkliche verbrannt wird, von Metallteilen bis hin zu Drähten, aus denen man das Kupfer gewinnen will. Wenn das PVC und das bromsäurehaltige Isolationsmaterial um die Drähte herum verbrennen, entstehen große Mengen an chlorhaltigen Dioxinen und Furanen, zwei der am schwersten abbaubaren Umweltgifte. In Folge dessen ist der Fluss im Ort so verschmutzt, dass der Säuregehalt fast hundert Pro-zent beträgt. Das Wasser enthält laut Schätzungen das bis zu 2400-fache der empfohlenen Bleiwerte, was unschwer zu erkennen ist: Der Fluss ist vom Toner aus den Druckerpatronen und vom Auswaschen der verbrannten Motherboards schwarz. Toner enthalten Kohlen-schwarz, einen bekannten Krebserreger, aber dennoch waschen die Anwohner sich selbst, ihre Kleidung und ihr Essen in diesem Wasser. Es ist so giftig, dass es auch durch Abkochen nicht einmal annähernd genießbar wird. Die Luft über dem Wasser ist rauchgeschwängert, und das Land ringsum ist so irreparabel vergiftet, dass hier nichts mehr angebaut werden kann. Alle Nahrungsmittel und das komplette Trinkwasser werden von außerhalb eingeführt. An meinem dritten Tag in Guiyu schaffe ich es zur Hauptmüllhalde. Die Berge von Computerteilen, die ich bis dahin sah, waren nichts im Vergleich zu dem, was mich hier erwartet. Die Straßen sind ein permanenter Stau aus Trucks, Motorrädern und sogar Maultieren, die Computerteile zum „Recycling“ bringen. Es ist die Hölle. Über allem hängt dichter Rauch wie Gewitterwolken. Es tut weh zu atmen.

Als ich anhalte, um ein paar Fotos zu machen, erscheint wie aus dem Nichts eine wutentbrannte Frau, die mit ihrem Besen auf mich losgeht und versucht, mir die Kamera zu entreißen. Um auf dieser illegalen Giftmüllhalde in Südchina nicht in Schwierigkeiten zu geraten, renne ich zum Auto zurück. Sie kommt mir hinterher, schwingt ihren Besen wie einen Baseballschläger—sie schlägt gegen die Scheiben, bis die Windschutzscheibe zerbricht. Sie ist blind vor Wut und versucht, die restlichen Glasstücke mit ihren bloßen Händen abzureißen. Als sie merkt, dass das nicht geht, steckt sie ihren Besen durch das Loch, das sie gemacht hat, und beginnt, mir auf den Kopf zu schlagen.

Dann kommt die Polizei, wie ich in meiner Naivität annehme, um mich vor dieser verrückten Frau zu retten. Ich liege leider komplett falsch. Sie befehlen mir, im Auto sitzen zu bleiben, während sie alle Zeugen befragen, bis auf die Frau, die sie ganz ruhig zu ihrer Baracke zurücklaufen lassen. Die Leute versammeln sich um das Auto und starren mich an, als sei ich ein exotisches Tier in einem Käfig. Nach einer Stunde sagt die Polizei meinem Fahrer, dass er ihnen auf die Polizeiwache folgen solle, wo ich eine Stunde lang mit Hilfe eines Übersetzers verhört werde. Ich sage ihnen, dass ich ein Student sei und hier Urlaub mache. Ich hatte zuvor die Filme mit den besseren Aufnahmen versteckt, sodass ich ihnen die geben kann, welche mir nicht so wichtig sind. Sie lassen mich in mein Hotel zurückfahren, mit dem armen Fahrer, dessen Auto von der verrückten alten Frau zerdroschen wurde.

Ein paar Tage später klopft es wieder an meiner Zimmertür im Hotel. Es ist noch einmal die Polizei. Sie nehmen mich wieder mit auf die Wache, wo ich von sechs Polizisten verhört werde. Ich denke, dass sie mich jetzt zusammenschlagen werden. Nachdem ich mich eine Stunde lang wiederhole, kann ich sie überzeugen, dass ich nur ein Student bin, der hier Urlaub macht. Sie glauben mir wirklich! Das heißt, sie tun es, bis sie den Besitzer des Hotels auffordern, ihnen den Ausweis zu zeigen, mit dem ich eincheckte. Unter Beruf steht dort „Fotograf“. Ups.

Das Verhör geht wieder von vorne los. Ich stelle mich dumm, lasse den Kopf hängen und sage ihnen, dass ich einfach nur ein dummer Student sei, der Amateurfotos macht und keine Ahnung hat, was in ihrer Stadt los sei. Drei Stunden später lassen sie mich schließlich laufen, und ich mache, dass ich aus Guiyu rauskomme. Da geh ich bestimmt nicht noch mal hin.

LUCA GABINO


TO BE CONTINUED:
CTRL+ALT+MÜLLHALDE
| 1 | 2 |