NEWSLETTER



DOS & DON'TS

Comments/Enlarge | See all


If this isn’t a piece of performance art about censorship you need to get those fucking earrings out of your mouth. You’re making it impossible for us uncircumcised guys to do our BJ fantasies.
Comments/Enlarge | See all










Foto von AP






ach dem Fall von Saddams Regime im Jahr 2003 wurde die Armee aufgelöst und die früheren hochrangigen Baath-Parteimitglieder von ihren Posten entfernt. Ihrer ökonomischen und politischen Macht beraubt, hörten viel junge Sunniten—besonders in der konservativen Region Anbar—die Ideen von Al-Qaida und Abu Musab Al-Zarqawi und dachten sich, dass diese Typen vielleicht gar nicht so unrecht haben könnten. In den vergangenen drei Jahren wurden viele der jungen, arbeitslosen Männer in Anbar indoktriniert. Langsam aber sicher wurden die Aufständischen immer radikaler und krimineller.

Man findet diese Männer nicht, indem man nach ihnen sucht. Sogar ich, als erfahrener irakischer Journalist und Sunnit aus der Provinz Anbar (der Brutstätte des sunnitischen Aufstands), kann nicht einfach jemanden fragen, um die Jihadisten zu treffen. Sie würden mich entweder auslachen, ignorieren oder umbringen.

Aber im Dezember 2006 fanden die Aufständischen mich. Es war kurz vor der Morgendämmerung, und ich war gerade auf einer Straße entlang des Euphrats unterwegs. Ohne Warnung fuhr ein großer, schwarzer BMW mit verdunkelten Fenstern um mich herum und zwang mich anzuhalten. Drei junge, mit AK-47ern bewaffnete Männer mit maskierten Gesichtern sprangen aus dem Wagen und schrien: „Zeig deinen Ausweis! Zeig deinen Ausweis! Sunnit oder Schiit? Sunnit oder Schiit?“

Im Irak ist das eine Frage, die entscheidet, ob du lebst oder stirbst.

Ich sagte ihnen, dass ich Sunnit sei und zeigte ihnen meinen Ausweis. Allerdings haben viele Leute in dieser Gegend gefälschte Pässe. Deswegen stellten sie weiter Fragen. „Aus welchem Viertel in Bagdad kommst du? Wen kennst du da? Was machst du?“ Ich beantwortete sie, ohne zu wissen, dass sie nicht darauf hörten, was ich sagte, sondern wie ich es sagte.

„Dein Akzent ist OK“, beschloss ihr Anführer schließlich. „Wenn du falsch gesprochen hättest, hätten wir dich umgebracht.“ Es war früh am Morgen, aber aus irgendeinem Grund blieben die drei Jungs und unterhielten sich eine Weile mit mir. Ihr Anführer redete nun ganz locker, wie mit einem Bruder. „Die Schiiten aus dem Südirak benutzen jetzt Nummernschilder aus Anbar und behaupten, der Besitzer des Autos sei ein Sunnit. Da fallen wir nicht drauf rein—wir erwischen sie wegen ihrem Akzent, und zwar immer.“

„Also kontrolliert ihr dieses Gebiet?“, fragte ich. „Natürlich! Dies ist das Emirat von Ramadi!“

„Aber, wenn ihr dieses Gebiet kontrolliert, warum seid ihr dann maskiert?“

„Dies“, sagte er wütend, „ist das Emirat von Ramadi“, er machte eine kurze dramatische Pause, „und soll von den wahren Gläubigen zu Ehren Allahs und des Propheten regiert werden. Friede sei mit ihm.“

Vielleicht regierte er tatsächlich in diesem Gebiet, aber was hieß das genau? Was hatte er in der Hand? Was meinte er mit regieren?

Während der letzten Monate hat sich die Situation im Westirak in anarchische Zustände verwandelt. Überall gibt es winzige, kleine Emirate: Selbsternannte Machtbereiche gewehreschwingender Teen-ager werden jeden Monat, jede Woche, oder jede Nacht ausgerufen. Wer kennt sich da noch aus? Ich selber weiß vom „Emirat von Ramadi“, dem „Emirat von Haditha“, und dem „Emirat von Rawa“. Außerdem haben ein paar Jungs aus dem ländlichen Ort Al-Sufia ihr Dorf neulich zum Emirat erklärt. Das alles wäre zum Lachen, wenn es nicht für viele, viele Leute den Tod bedeuten würde.

Von Al-Qaim bis Bagdad macht heutzutage jeder, was er will. Es ist das absolute Chaos: Es gibt Städte unter der Kontrolle der Regierung und Gebiete, die von den Jihadisten kontrolliert werden, andere Gegenden werden hingegen von Stämmen kontrolliert, die mit den US-Streitkräften zusammenarbeiten und wieder andere von Stämmen, die sich sowohl gegen die US-Streitkräfte als auch den Widerstand richten. Am schlimmsten ist es da, wo die Jihadisten regieren—das sind junge, rücksichtslose Fanatiker, wie die drei, die gerade vor mir standen und mit mir redeten.

Der jüngere Mann sagte: „Wenn ich irgendwo einen Schiiten sehe, bringe ich ihn auf jeden Fall um.“

„Denkt ihr nicht, dass es, wenn ihr hier Schiiten umbringt, zu heftigen Vergeltungs-schlägen durch die schiitischen Milizen kommen könnte?“, fragte ich. „Wäre es nicht besser, Schiiten in Bagdad umzubringen?“

„Die Schiiten sind alle Verräter! Ungläubige sollten auf der Stelle und überall umgebracht werden. Ich würde sogar meinen Vater umbringen, wenn er den Islam verraten würde!“

Diese Behauptungen sind wahr. Seit dem Tod von Abu Musab gibt es weder eine Führung noch eine klare Ordnung. Die Jihadisten haben sogar Scheichs umgebracht, die ihre Position anzweifelten oder sich ihren Forderungen nach Geld und Waffen widersetzten.

Das Ergebnis: Unser Leben ist noch absurder geworden. Perma-nent kursieren Gerüchte, was von den Jihadisten alles verboten wurde. Bald wird es heißen: „Tomaten und Gurken werden nicht länger im Salat toleriert, da Tomaten weiblich und Gurken männlich sind. Und Ziegen sollten ihren Hintern bedecken, weil sonst ihre Genitalien zu sehen sind.“ Das klingt alles lächerlich, aber im Irak regieren zurzeit die Gerüchte. Und wie kannst du dir sicher sein, dass die Typen mit den Gewehren wissen, ob etwas nur ein Gerücht ist?

Einer der Jihadisten wurde nervös. Warum hatte ich Fragen gestellt? Wer war ich? Sie wurden zusehends angespannter, aber dann fuhren, Gott sei Dank, andere Autos vorbei. Autos in denen vielleicht Schiiten saßen, also verabschiedeten sie sich auf traditionelle Weise: „OK, Cousin, gute Reise, Gott sei mit dir!“

DAUD S., INSTITUTE OF WAR AND PEACE REPORTING