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Foto von AP






ie Leute im Irak haben schon immer sehr gerne Fußball gespielt. Egal in welches Stadtviertel du gehst—du wirst Kinder ebenso wie erwachsene Männer mit einer Hingabe spielen sehen, als hinge das Schicksal riesiger Königreiche vom Spielausgang ab.

Wenn sie mit dem Spielen fertig sind, sitzen sie im Café, reden über das irakische Fußballteam und debattieren, welche Spieler gut sind und welche schlecht. Es kann passieren, dass sie eben noch gemeinsam über etwas gelacht haben und im nächsten Moment schon von ihren Stühlen aufspringen, um sich gegenseitig wild anzuschreien. Natürlich nicht ernsthaft—es ist einfach nur ein Gespräch unter Freunden, die sich gern haben und Fußball lieben.

Als ich noch klein war, habe ich oft die Schule geschwänzt, um auf der Straße Fußball zu spielen. Damals begann ich ständig diesen Namen zu hören: Udai. Saddams Sohn. Jeden Tag wurde dieser Name größer und wichtiger. Die Geschichten über ihn wurden immer seltsamer und gruseliger. Wo auch immer man hinkam, redete irgendjemand über Udai. Im Irak gibt es einen Witz: Sie nennen uns die Dritte Welt, weil überall wo man hinkommt, zwei Leute über einen Dritten reden.

Dann wurde Udai auf einmal zum Vorsitzenden des Olympischen Komitees ernannt. Dadurch wurde er zum Hauptverantwortlichen des gesamten irakischen Sports. Die Qualität jeglicher Form von sportlicher Betätigung im Irak wurde für ihn somit zu einer Frage seines persönlichen Ansehens.

Er nahm das wirklich extrem ernst. Am Anfang war das ganz OK—das irakische Fußballteam war das beste im Nahen Osten und in Asien. Aber dann ging es mit dem Fußballteam, mit Udai, dem Sport und dem Leben im Irak insgesamt bergab. Udai übte Druck auf das Team aus, seine Leistungen zu verbessern—aber wie wir alle wissen, sind Einschüchterung und Angst der Entfaltung sportlicher Leistungen nicht unbedingt zuträglich. Statt das einzusehen und nach neuen, progressiveren Trainingsmethoden für sein Team zu suchen, entschied sich Udai für einen anderen Weg: Für jeden Spieler, der ein Tor verpatzte, ordnete er Kerkerhaft und Folter an.

Er gewöhnte sich an, die Spieler vor jedem Spiel zu bedrohen. Er ging in ihre Kabine und redete mit ihnen. Das waren ernsthafte Gespräche. Er erinnerte die Spieler daran, was mit ihnen passieren würde, wenn irgendeiner schlecht spielte. Udai betrachtete jedes Spiel als eine Schlacht und steckte schließlich die Spieler mit dieser Sichtweise an. Wir konnten zusehen, wie sich das irakische Fußballteam in einen Haufen durchgeknallter, verzweifelter Soldaten verwandelte. Und in den Stadien flüsterten die Leute einander zu: „Dieser verdammte Wahnsinnige, Udai.“

Nach Saddams Fall zeigte mir ein Freund den Ort, wo Udai seine Fußballer gefoltert hat. Die Geräte, die er benutzte, sahen aus wie mittelalterliche Folterwerkzeuge. Es war extrem abstoßend.

Dort gab es eine 50 Pfund schwere schwarze Eisenmaske. Udai ließ die Spieler sie aufsetzen und den ganzen Tag damit in der Sonne stehen—und das bei unseren verdammt heißen Sommern mit durchschnittlichen Temperaturen um die 50ºC. Diese höllischen Bedingungen hält keiner auf Dauer aus, und die Spieler gingen schon nach einer Stunde in die Knie. Daraufhin kamen Udais Wachen und weckten sie mit ein paar kräftigen Tritten in die Brust und ließen sie sich wieder in die Sonne stellen.

Euch ist klar, dass Udai ganz einfach ein Sadist war? Dass er nur dann sexuelle Empfindungen hatte, wenn er Leute verletzte? Da gab es noch andere Dinge, von denen zu erzählen, mir ein bisschen peinlich ist: Es gab da so ein birnenförmiges Eisengerät. Es hatte zwei Griffe und sah wie eine Art Schmelztiegel aus. Udai schob es Männern in den Arsch und riss ihn damit auf. Das machte er mit Fußballspielern und mit Künstlern. Er hat widerliche Dinge gemacht. Er vergewaltigte viele Frauen und verfütterte sie dann an seinen Tiger.

Ja, Udai hatte einen großen Tiger. Manchmal nahm er den Tiger mit, wenn er ausging, und ließ ihn zusammen mit seinen Mädchen und seinen Wachen die Straße entlanglaufen—einfach nur um den Irakern zu zeigen, wer der Boss ist.

Aber das ist jetzt alles vorbei. Das irakische Fußballteam hat keinen Udai mehr. Er ist zur Hölle gefahren.

HAYDER DAFFAR