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DOS & DON'TS
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Als sie mich im Sommer auf der Straße mit italienischen Leder-Slippern wegschnappten, wurde ich in U-Haft mit „Rotkäppchen“ begrüßt. Die Slipper habe ich das letzte Mal zum Hof getragen, jetzt bin ich wieder der Schneekönig. Fashion ist hier nicht sehr vorteilhaftbloß nicht auffallen. Lieber wie ein Chamäleon den grauen Knastalltag durchleben, denn hier machst du nur mit leisen, unscheinbaren Schritten Punkte. Aber zu Besuchszeiten wird dann doch das ein oder andere gute Stück hervorgeholt. Natürlich erkennt das geübte Auge von Aigner bis Zegna, von Bally bis Prada feinen Zwirn und edles Laufwerkaber wie gesagt, im Alltag ist Extravaganz nicht gefragt. Der Zeitgeist liegt zwischen Adidas und Nike, Chinaund Taiwan-Produktionen, Originalen und Plagiaten. Damit schwimmst du in der Masse und bist doch etwas Besonderes, wenn du einen aktuellen Trend einer Sportmarke auf den Knasthöfen verkörperst. Das Zusammentreffen vieler Kulturen durchbricht mitunter die Monotonie wie Eisbergspitzen das Polarmeer: Kaftan und Disch-Dasch (arabisches Gewand)selbst im bayerischen Trachtenanzug mit Filzhut lief mir kürzlich im Hausflur ein Altnazi entgegen. Bei so viel Narzissmus grüsst man dann gerne mit „Salamon Alikom“ oder „Servus“. Seit vier Jahren hänge ich nun in Trainingsklamotten festund träume nachts von weißen gestärkten Oberhemden, von Stoffen und Farben die der Haut und den Augen schmeicheln, von Gerüchen, die Wohlgefühl und Übereinstimmung versprühen. Am Morgen schlage ich dann wieder den Kragen der Küchenjacke nach oben, um mich dahinter in meinen Tagträumen zu verlieren und zwischen Cabrio und Strandpromenade dahin zu gleiten. Letzte Woche kam es zu einem außergewöhnlichen Vorfall: Ein Mitgefangener, Lebenslänglicher, wurde bei den Vorbereitungen zu einem Ausbruchsversuch gestellt. Er hatte sich aus Aluminium einen Nachschlüssel gefertigt und aus Krücken, die er vom Arzt abgestaubt und über die Zeit gesammelt hatte, eine Leiter zur Überwindung der Mauer gebastelt. Es fehlte nur der Bullen-Parker, ein olivgrauer Mantel mit Kapuze, der am Oberarm das Justizwappen Berlins trägt. Mit Hilfe dieses Mantels wäre er dann grüßend am Wachturm vorbei zu einer bestimmten Stelle gekommen, die ihm die Flucht ermöglicht hätte. Aber auf der Jagd nach der Uniformität, also auf dem Weg in die Garderobe der Justizbediensteten, kam es zum Super-GAU: Er schloss mit seinem Nachschlüssel den Raum zur Kleiderkammer aufwider Erwarten saßen da zwei Justizbeamte. Mit einem: „Oh, da bin ich wohl falsch hier“, schloss er die Tür wieder zu. Den Blick der beiden hätte ich zu gerne gesehenein Knacki mit Schlüssel? So schnell sind die noch nie aufgesprungen. Der Rest war eine Kleinigkeit, der Lebenslängliche sitzt für Minimum ein Jahr im abgeschirmten Bereich. Ja, auf den richtigen Look kommt es an, auch im Knast. EUER MANN VOM PLANET TEGEL |