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DOS & DON'TS
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Aber dann traf Malcom die New York Dolls. Er überzeugte sie, ihn als ihren Manager zu engagieren und kreierte einen ganz neuen Look für die Band: Rotes Leder mit Sowjetsymbolen. Das Ganze lief aber völlig schief und die Dolls verschwanden im Nichts. Mittlerweile ist es unter Punks Standard, ihren Niedergang auf McLaren zu schiebenwir denken, dass sie in Wahrheit nur eine handvoll guter Songs hatten und fast ausnahmslos verspulte Scheiß-Junkies waren. Auf einem Trip nach New York, Mitte der 70er Jahre traf McLaren dann auf Richard Hell. Den wollte er auch gerne managen, aber Hell lehnte ab. McLaren kehrte daraufhin nach London zurück, nannte seinen Laden von nun an SEX und verkaufte von Hell inspirierte, zerrissene T-Shirts und SM-Klamotten. Dann kamen die Sex Pistols …bla bla bla… diesen Teil habt ihr bestimmt schon tausendmal gehört und könnt ihn auswendig. Nach den Pistols erschuf McLaren die Band Bow Wow Wow. Er begründete damit nicht nur eine von World Music beeinflusste Spielart des Pop, sondern erfand auch den Look für die 15-jährige Annabella Lwin. Er nannte ihn Pirate Punk und bis heute sorgt er bei Typen für Titanlatten. Adam and the Ants haben diesen Pirate-Punk-Look auch benutzt, aber bei ihrem Anblick kriegt keiner mehr einen Ständer. Danach beschäftigte sich McLaren mit Rap, den er mit seinem Album Duck Rock in Großbritannien überhaupt erst einführte. Er erfand den Buffalo Gals-Look, bei dem man so aussieht wie eine dieser „Bag Ladys“ auf der Straße mit ihren tausend Plastiktüten. Ach ja, er hat übrigens auch dieses Vogue-Ding von den Drag Queens geklaut, bevor Madonna damit ankam. Worauf es letztendlich hinausläuft, ist, dass Malcolm McLaren für so ziemlich jede gute Idee mitverantwortlich war, die seit den 70ern aufkam. Die Auswirkungen der von ihm aufgeworfenen Mode- und Musiktrends sind heute Teil von fast allem, was dir gefällt. Vice hat McLaren letzten Monat in Paris getroffen. Er ist ein wirklich charmanter Typ, sehr nett und ziemlich intelligent. Er hatte eine Blue Jeans, ein weißes Shirt, einen orangefarbenen Schal und ein hellbraunen Mantel an. Wir saßen bei Au Bascou auf der Rue Réaumur im 3. Bezirk. McLaren trank ein Mineralwasser der Marke Badoit und bestellte ein Eintopfgericht mit Schweinefleisch und Kohl. Vice: Wie bist du in den 1970ern zu diesem Ted-Ding gekommen? Malcolm McLaren: Ich tat das aus einem Gefühl der Auflehnung gegenüber den Hippies. Ich habe mir nach dem Vorbild einer alten Elvis Presley-Platte selbst einen blauen Anzug geschneidert und ging so die Kings Road runter. Einfach um es auszuprobieren und etwas aus meinem Leben zu machen. Ich legte es darauf an, ausgenutzt und kopiert zu werden, aber kein Arsch drehte sich nach mir um! Ich komme aus einer Familie, die schon immer in der Modebranche gearbeitet hat, außerdem hatte ich meine eigenen Art-School-Hooligan-Ideen. Beides kam zusammen und ich beschloss, Anti-Mode zu kreieren. Nach ein paar Wochen sprach mich ein vollkommen in schwarz gekleideter Amerikaner an und zeigte auf so ein Loch von einem Laden auf der Kings Road mit dem Vorschlag, dort Klamotten zu verkaufen. Das war damals die Kings Road 430, und ich begann dort, den „Art-School-Look“ für die Straße zu kreieren. Meine damalige Freundin, Vivienne Westwood, hatte ein Kind von mir bekommen. Sie war Lehrerin, also musste ich auf das Kind aufpassen. Ich überzeugte sie schließlich, den Job hinzuschmeißen und kaufte ein paar Nähmaschinen. Wie sah dein erster Laden aus? Er hieß Let It Rock. Später nannte ich ihn dann Too Fast To Live Too Young To Die. Der Laden befand sich auf einem Teil der Kings Road, der international als die Keimzelle des Rock ’n’ Roll bekannt war und als die Avantgarde in Sachen Style und Geschmack galt. Leute wie die New York Dolls und auch Typen wie Iggy Pop fühlten sich von dieser Gegend angezogen. Zu der Zeit trug man so Hippiezeug wie Kaftans und Perlenketten, also stellte ich eine Jukebox auf, aus der permanent Rock ’n’ Roll dröhnte. Als der Laden dann erfolgreich wurde, hielt ich es nicht mehr aus. Ich mochte nur die Phase, in der wir an die jungen, verrückten und gefährlichen Leute verkauften. Als dann so ziemlich jeder 08/15-Typ unser Kunde war, verkam das Ganze zu einer rein kommerziellen Sache. Immer, wenn die Kasse klingelte, habe ich zugemacht. Das machte Vivienne immer ziemlich sauer. Kannst du dein Konzept für die Dolls etwas erläutern? Die Idee hinter den Dolls war, sie in rotes Patentleder zu kleiden und die „Politics of Boredom“ zu diskutieren. Ich schrieb ein Manifest namens „Better Red than Dead“. Das war am Ende des Vietnamkriegs und kurz vor dem Watergate-Skandal. Meine Intention war, einen sozialen und politischen Aspekt zurück in die Popkultur zu bringen. Das bereitete sozusagen die Bühne, auf der später die Sex Pistols auftreten sollten. Der Look für die Dolls war nicht besonders erfolgreich, oder? Er war insofern erfolgreich, als er ein grandioser Misserfolg war. Ich erinnere mich noch an eine Journalistin namens Lisa Robinson, die in den Backstage-Bereich ging, sich die Darlings dieser Rock ’n’ Roll-Halbwelt ansah und Johnny Thunders fragte: „Bist du ein Kommunist?“ Seine Antwort war schlicht und ergreifend: „Ja. Hast du damit ein Problem?“ Warum hast du den Laden SEX eröffnet? Ich wollte einfach Sachen verkaufen, die normalerweise in braunen Papiertüten unter dem Ladentisch den Besitzer wechseln. Ich machte die entsprechenden Hersteller in ganz Großbritannien ausfindig … schwarze Gummi-Shirts, schwarze Regenmäntel, Tittenklemmen und Cock-Ringe. Wir hatten einfach alles. TO BE CONTINUED: MALCOLM MCLAREN | 1 | 2 | Next> | |||||||||