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DOS & DON'TS













Hard Candy
Autobahn

Hard Candy ist eher ein brillante und viszerale, als eine intellektuelle Interpretation von Pädophilie. Trotzdem gibt es eine unterschwellige Feinfühligkeit in der Art des Konfrontationsaufbaus und der Vorgehensweise der Schauspieler. Mit der Darwinschen Theorie des Junksploitation den Zuschauern diesen gewissen Twist bietend, wird jedes neue Release in den nächsten paar Jahren mühsam getestet werden. Es ist eine zugespitzte kranke Kreuzung zwischen Mamets Oleanna, Cavanis The Night Porter und Stanzes I Spit on Your Corpse, I Piss On Your Grave, die wie rohes Fleisch für vier Millionen Euro den Löwen bei Sundance hingeschmissen wurde. Hard Candy zeigt einen 32-jährigen Fashion-Fotografen mit einem Auge für minderjährige Frauen, der von seinem neuesten Objekt gefesselt und gewürgt wird—ein Schraubenzieher-benutzender, Skalpell-ausnutzender Geschlechtsrächer, der gerade mal 14 Jahre alt ist

Die scharfsinnige Frühreife unserer Rechnungsbegleichenden Lolita strapaziert die Glaubhaftigkeit nur, wenn es einem nicht gelingt zu akzeptieren, dass die Behauptung, zeitgenössische Pop-Kultur, z.B. das Internet und ja, extremes Cinema-on-Demand, habe das Mindestalter für so ziemlich alles gesenkt, einschließlich prinzipieller Rache. Zwei Schauspieler, ein Szenario und das perverseste Stück Zellulitis, das du für eine sehr lange Zeit sehen wirst.

MR. SCHNIBLI



Lucky Number Slevin
Highlight

Wenn Quentin Tarantino für jede gute kriminelle Inszenierung, die zwischen Resevoir Dogs und Pulp Fiction entstanden ist, einen Euro bekommen hätte, hätte er bestimmt Drinks im Wert eines Jahres einer Kneipe zusammen. Du darfst immer noch deine Begeisterung und deinen Respekt für die Bombe, die Herr Tarantino auf die amerikanische Filmindustrie geworfen hat, beibehalten. Trotzdem ist es heutzutage schwierig, ihn nicht als eine imperative Impfung mit bedauernswerten Nebenwirkungen zu betrachten: Blähungen, Schwindel und Wahnvorstellungen. Nachahmer häufen sich mehr und mehr in dem Glauben, diese Coolness sei das Recht eines jeden Mannes. Und weil Tarantinos Errungenschaften eine Mischung aus Chuzpe, Filmnerd-Verrücktheit und Attitüde sind (die Art, die Charakteren erlaubt, über mehrere Skriptseiten über TV Serien und Kornflakes zu schwafeln), hat er seine Mini-Filmrevolution viel zu einfach aussehen lassen. Der Fimmel scheint ein paar Jahre zurück gegangen zu sein, aber überschrieben, können Screenplays mit voll gepacktem Slang anscheinend immer noch den durchschnittlichen IT-Typen beeindrucken. Lucky Number Sleven ist ein witziger und verzwickter Film, der wie eine Perle im Ozean der Mittelmäßigkeit scheint.

HERBERT STRUNZPLUM