NEWSLETTER  



DOS & DON'TS
















irls, Girls, Girls, dass sind umso mehr die Sehnsüchte, Tag—und Nachträume der Knackis, die ihre Schränke und Wände hoch und runter plakatieren. Doch selbst hier hat der Lauf der Zeit seine Spuren verändert. Während man klassische Pin-Up Girls nur noch auf verwelkter Haut der über 60-Jährigen vorfindet, natürlich traditionell mit Rosen, Ankern und Namensbändern umgarnt, sind bei den jüngeren Altersgruppen derartige Tätowierungen nicht mehr im Nadelbett. Die Begierden haben sich verlagert, denn nur noch vereinzelt finden sich heute fabelartige Wesen auf Rücken und Brust, die sich lasziv räkeln und mehr an Raumschiff Enterprise als an das Hustler Magazin erinnern. Die Begierde wird durch Pornomagazine gestillt, die je nach Zustand gleichzeitig eine übliche Handelswährung darstellen, mit Tabak und Kaffee aufgewogen werden können. Hier findest du noch Erstausgaben von Teresa Orlowskis Foxy Lady, aber auch 80er Jahre Ablichtungen, liebevoll mit Tesafilm zusammengeklebt und sogar Editionen, die der Arbeitsbetrieb der Buchbinderei in Schwarzarbeit gebunden haben und die mit Golddruck geprägt sind. Die Fantasie, vor allem die Freizeit, kennt da keine Grenzen, ebenso wie die Bandbreite der Publikationen: Von Jacobsfilter bis bizarr.

Seit 2006 sind auch DVDs erlaubt, immerhin bis 16 Bildträger pro Person, die durch Versandhäuser geliefert, an der Pforte registriert gesiegelt (mit kleinem Justizwappen) und ausgehändigt werden. Eine Zensur erfolgt nicht und insofern kann ich mir vorstellen, dass selbst Pädophile auf ihre Kosten kommen. Ein renommierter Forensiker und psychologischer Gutachter verdeutlichte mir mal, dass ein Pädophiler grundsätzlich nicht zu heilen ist, man kann ihm in der Haft nur verdeutlichen, dass das nie wieder vorkommen darf.

Und wenn nicht alle Fantasievorstellungen, Selbsttäuschungen und Visionen nicht befriedigt werden—was macht der Knacki dann? Er geht auf Jagd, denn der nächste Rock ist ja nicht weit. So wurde letzte Woche, während einer Zellenkontrolle, bei einem Gefangenen ein verbotenes Handy mit der SMS, „Ich erwarte dich um 13.00 Uhr im Keller“, entdeckt. Aufgrund eines, einige Tage vorher entdeckten Fluchtversuchs (mit selbst gebasteltem Aluminium-Schlüssel) war die Situation brenzlig, die Polizei vemutete erneute Ausbruchsvorbereitungen, der Ertappte wurde unter Druck gesetzt, ihm Verlegung in den Bunker angedroht. Er gestand ein Treffen mit einer Justizbeamtin in einem der Arbeitsbetriebe, wo es regelmäßig nach der Mittagspause fröhlich zur Sache ging. Die Lady ist damit ihren Status los, verliert alle Bezüge und der Vorfall führt zur sofortigen Kündigung, gehört mit zu den gröbsten Vergehen der „gegnerischen Seite“, die mit aller Härte bestraft werden. Dem Gefangenen ist nichts passiert, er sitzt wieder brav vor dem DVD-Gerät, denn Kooperation wird belohnt.

Auch erinnere ich mich an eine sportliche Beamtin mit großem Berliner Mundwerk, die soll mal für 500 Euro mit auf die Zelle gegangen sein. Vieles sind aber einfach nur Wunschvorstellungen und Legenden, denn welche Beamtin ist so dumm vor Liebe, dass sie ihre Lebensrente für ein derartiges Techtelmechtel aufs Spiel setzt, zumal die Liebhaber ja schnell alles kleinlaut einräumen. Viel sinnvoller sind da die Langzeitsprecher: Ein Apartment, das Langzeitstrafer für sechs Stunden mit ihrer Partnerin ungestört nutzen können. Schon fast wie draußen. Doch denkt nicht, dass das einen Kick mit sich bringt. Handschellen und das Ausgeliefertsein sind nur in der Freiheit reizvoll, die Realität ist öde, wären da nicht Girls, Girls, Girls.

EUER MANN VOM PLANET TEGEL