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DOS & DON'TS










Hier bin ich mit einem meiner vielen Verehrer.






ag Fünf
Nach der üblichen Morgenroutine, die ich inzwischen wie aus dem Effeff beherrschte, zog ich los ins Einkaufszentrum, um ein Outfit für mein großes Date zu suchen. Richtig gehört! Mein neuangelegtes MySpace-Profil hatte mir tatsächlich zu einem Date verholfen! Er hatte mir eine Nachricht geschickt, wir hatten ein bisschen verklemmt hin und her gechattet und dann—bingo! Das Date ist übermorgen Abend, und ich bin extrem aufgeregt. Er war noch nie verheiratet, er weiß noch nicht, ob er Kinder will, er ist ein großer Zigarrenfan, er ist spirituell aber nicht religiös, und in seinem Profil steht: „Ich bin immer in Action—kannst du mithalten? Ich bin auch gerne allein, also brauche ich jemanden, der selbstsicher und unabhängig ist. Keine Kletten. Ich mache gern Outdoor-Aktivitäten: Camping, Frisbee, Disc Golf und vor allem Fallschirmspringen. Obwohl ich über keine besondere künstlerische Begabung verfüge, habe ich eine Leidenschaft für alle Kunstformen und große Achtung davor—Musik, Lyrik, Literatur, Comedy, Theater, Bildhauerei, Architektur, Gemälde und Body Art. Ich bin ein sehr glücklicher Mensch, der das Leben liebt. Ich freu mich über die vielen Erfahrungen, die das Leben bereithält und kann es kaum erwarten, meine nächste Lektion zu lernen. Ich habe früh gelernt, dass das Leben zu kurz ist, um es mit negativen Gedanken zu verschwenden. Es gibt so viel zu tun und so viel, über das man sich freuen kann. Ich hätte gern jemanden, mit dem ich all das teilen kann.“ Jaaa! Ich bin so aufgeregt! Er sagt auch, dass er glaubt, das Leben sollte einen Soundtrack haben—bekannterweise macht das einen guten Eindruck. Ich kann’s kaum erwarten.

Nachdem ich versucht hatte, mir eine Gwen Stefani-Frisur zu stylen, trafen wir uns und tingelten durch ein paar Galerien. Das war unser Date. Ich wünschte, ich könnte mehr darüber berichten, aber die Galerien waren wirklich eine nach der anderen voller Scheiße und überall waren die Freigetränke schon leer. Außerdem kam ich mit meinen Normales-Mädchen-Absatzstiefeln, die ohnehin ziemlich ungewohnt für mich waren, nicht mit dem spiegelglatten Boden klar.


Tag Sechs
Heute habe ich einen Zeitarbeitsjob in einem Büro gemacht. Ich sortierte Bücher ein, aktualisierte Bibliografien und machte andere kleine Erledigungen. Eine normale Freundin, die schon viele solcher Jobs gemacht hat, gab mir den Tipp mich unauffällig zu verhalten und mich einzuschleimen. Also spendierte ich mittags allen Pizza und machte einen auf „Hey Leute, hier gibt’s Pizza, Pizza, Pizza!“ Ich lächelte permanent, machte allen Komplimente, führte sinnlose Unterhaltungen und rollte mächtig mit den Augen, wenn ich vor meinem Computer hing. Ich hatte nicht erwartet, dass es wirklich schlimm werden würde, aber in dem Laden gab es jede Menge verbitterter allein stehender 40-jähriger Frauen, die totale Zicken waren und mich noch nicht mal ansahen, wenn sie mit mir sprachen. Sähe so meine Zukunft aus, wenn ich normal bleiben würde? Die, die mit mir redeten, quasselten unablässig über so Zeug wie Frisuren, Hunderassen, Pilates und den Tod der Atkins-Diät. Ich fand das sympathisch.

Nach der Arbeit gingen wir alle zur Happy Hour. Wir tranken Wodka Tonics und naschten „Fetahäppchen“. Ein paar Typen warfen uns interessierte Blicke zu, und meine Kollegin schleppte einen von ihnen ab. Eine Anmerkung: Ich bin definitiv jemand, der trinkt, aber nie vor neun Uhr abends. Diese normalen Leute fangen echt früh an! Liegt das daran, dass sie jeden Morgen um neun Uhr im Büro sein müssen? Ich verstehe nicht, wie man jeden Tag ab halb fünf reihenweise Wodkas abziehen kann und danach zu Hause noch was auf die Reihe kriegt.


Normale Mädchen werden praktisch die ganze Zeit angemacht. Es ist, wie in einem Moskitoschwarm zu sein.
Tag Sieben (Zielgerade!)
Ist es wirklich schon vorbei? Ich weiß nicht, ob das gut ist. Normal zu sein hilft mir, mich zusammenzureißen. Meine Freunde finden meinen neuen Look auch besser.

Heute Abend habe ich ein großes Date, und meine Freundin Chloe hat sich bereit erklärt, später mit mir tanzen zu gehen, wenn ich die Sache kurz mache. Ich hab Micha gebeten rüberzukommen und mir die Haare zu glätten und mich zu schminken. Auch Chloe bekam ein wirklich schlimmes Make-up verpasst. Hier sind ein paar schöne Vorher-Nachher-Fotos von uns.

Der Typ, mit dem ich mich traf, war am Anfang ziemlich verklemmt. Wir gingen in eine Bar, um etwas zu essen. Ich nahm meine Kamera mit und sagte, dass ich als Hobby gerne die Natur und Kinder fotografiere. Das fand er cool, und als er mich bat ein paar Bilder von ihm „als Golfball“ zu machen, war das Eis gebrochen. Er wollte, dass ich unendlich viele Fotos davon schieße, wie er einen auf „crazy“ macht (kein Witz, ich hab so an die 40 Aufnahmen gemacht). Irgendwann wurde ich unruhig und sagte ihm, dass die Batterie fast leer sei. Wir redeten über unsere Jobs und was wir gerne in der Freizeit machen. Wir redeten über House, über Gras, meine Haare, Fallschirmspringen, Vampire ... das Übliche. Alles was ich ihm erzählte, war komplett gelogen. Ich glaube, dass ich meine neue Begabung entdeckt habe—ich bin inzwischen ein Profi in improvisierter Comedy. Aber im Großen und Ganzen war es ein ziemlich fades Date. Es fiel mir schwer, dem Ganzen auch nur irgendetwas Witziges abzugewinnen. Er war in Ordnung, nur langweilig und ziemlich strange. Bestimmt wohnt er noch bei seinen Eltern.

Gegen Mitternacht sagte ich ihm, dass ich früh aufstehen müsste. Ein glatte Lüge. Ich traf Chloe, und wir gingen tanzen.

Um mir schnell noch ein paar Tipps einzuholen, quatschte ich mit anderen Mädchen und sagte, dass ich gerade eine vierjährige Beziehung hinter mir hätte und nicht mehr wüsste, wie man flirtet. Sie sagten mir, dass sie die Typen anhand ihrer Schuhe einschätzen und dann mit ihnen flirten, damit sie und ihre Freunde den ganzen Abend Drinks spendiert bekommen. Wie dämlich! Ich kam mir vor wie bei einer schlechten Vorabendserie.

Ich tanzte viel, gab mir die Kante und wurde von mehreren Trotteln angegraben. Dabei führte ich jedes Mal fast genau die gleiche Unterhaltung. Ich vermute, normale Mädchen schalten einfach auf Autopilot, wenn sie ausgehen. In einem normalen Club angebaggert zu werden, ist ungefähr so, wie wenn dir ein Penner auf der Straße was hinterherbrüllt. Nicht so toll.

Nach der letzten Runde Drinks ging ich nach Hause und erwärmte mich an dem Gedanken, dass ich, wenn die Sonne aufging, wieder komisch sein dürfte.

Alles in allem war es nicht so schwer, normal zu sein. Ich hatte meinen Spaß, aber wahrscheinlich nur, weil es für eine kurze Zeit war. Das Wichtigste, das ich gelernt habe, ist, dass ich meinen neuen Look beibehalten sollte, weil mir alle sagen, dass ich viel besser aussehe. Das sagen sogar diejenigen meiner Freunde, die sich absichtlich scheiße anziehen, weil es angesagt ist. Ich muss sagen, ich bin gerne ein Mädchen—ob nun normal oder nicht!

JAIMIE WARREN

In diesem Fitnesstudio war es wie in einem Leichenschauhaus.
Das waren unsere normalen Klamotten, um in die Clubs zu gehen.


Ich war einen ganzen Tag lang Aushilfsbürokraft.


Mein Date wollte nicht aufhören, vor der Kamera rumzukapsern. Machen normale Jungs das so?

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