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DOS & DON'TS
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Nach dem Aufwachen verbrachte ich zwei Stunden damit, mich fertig zu machen, danach düste ich zum Shoppen los. Ich ging in lauter schicke Läden mit „Verkaufsberaterinnen“, die vor der Umkleidekabine warten und permanent höchst dramatisch versichern, wie toll man aussieht. (Obwohl ich beim Reinkommen merkte, wie sie die Augen verdrehten, nach dem Motto: „Glaubt die wirklich, dass ihr unsere Sachen passen?“) Ich kann mit diesem übertriebenen Getue nichts anfangen. Möglich, dass das der nicht-normale Teil von mir ist, aber mir ging es tierisch auf die Nerven, wenn sie mir ständig hinterher gerannt sind. Es hat mich nervös gemacht, und ich fand alles, was ich anprobierte, schrecklich. Macht das normalen Mädchen nichts aus? Ich nahm es an und tat so, als fänd ich es ganz toll, während ich weiter hässliche Kleider anprobierte, die mehr als meine Monatsmiete kosten. Ich musste mir auch ein paar langweilige Klamotten für den Alltagsgebrauch zulegen, um mich meiner Umgebung anzupassenirgendwas cremé-, beige- oder rehfarbenes. Seht ihr? Ihr erkennt mich nicht wieder, oder? Als Nächstes begab ich mich in einen vorstädtischen Schönheitssalon. Ich befürchtete, mich über so bekloppte Sachen wie Spliss unterhalten zu müssen. Aber als ich ankam, beruhigten sich meine Nerven sofort durch die wohligen Gerüche, die schrägen Bilder an den Wänden und die schummrige Beleuchtung. Das gefiel mir. Ich ließ mein Haar „durchstufen“. Sie behaupteten, das würde mein Gesicht schmaler machen und meinen Hals verlängern. Ich ließ mir auch einen Pony schneiden, weil das „in“ ist. Obwohl es nur aus drei erbärmlichen Büscheln bestand, die wie ein Unfall aussahen, sagte ich der Frisöse, dass ich es toll fände, schließlich bekam ich die ganze Zeit kostenlos Wein zu trinken. Danach ging ich einen dunklen Flur voller „Psst!“-Schilder entlang, hier wurden Pediküren und Massagen gemacht. Während die Fußpflege-Dame meine Hornhaut bearbeitete, flötete sie in einer zuckersüßen Stimme irgendwelches Zeug daher, trotzdem könnte ich schwören, dass sie mir jedes Mal, wenn ich von meiner In Style aufblickte, fiese Blicke zuwarf. Als Nächstes war die Augenbrauenpflege dran. Ich hatte mir vorher nie die Augenbrauen gezupft, aber ich war demgegenüber auch nie abgeneigt gewesen. Prinzipiell sind sich meine Freunde einig, dass ich schöne, volle Augenbrauen habe. Ich war damit auch absolut zufrieden, aber da sich nun mal die Gelegenheit ergab, sagte ich: „Warum nicht.“ Die Augenbrauenzupfdame fand meine Augenbrauen so toll, dass sie sich beinahe geweigert hätte, sie zu wachsen. Dann tat sie es doch, und es sah tatsächlich besser aus. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir langsam klar, dass ich mir mein Aussehen für das „Normales-Mädchen-Projekt“ unbewusst bei meiner kleinen Schwester abgeguckt hatte. Sie arbeitet in Büros und jobbt nachts in einer Bar. Jedes mal, wenn ich an Weihnachten nach Hause fahre, denken alle, dass sie älter ist als ich, dabei bin ich in Wirklichkeit vier Jahre älter als sie. Ich verstehe das nicht als Kompliment. Ich weiß, dass ich nur deshalb jünger wirke, weil kleine dicke Mädchen die Leute an Babys erinnern. Tag Zwei Heute war ein Feiertag, und ich zog mich am Vormittag an, wie es sich für ein normales Mädchen gehört, um die Familie einer Freundin zu besuchen. Ich probierte verschiedene Outfits an und verbrachte eine ganze Weile damit, mein Haar in Locken zu fönen, damit es „curly“ aussieht. Es passierte überhaupt nichts, aber ich tat so als ob. Dann machte ich mich auf den Weg zum Essen. Ich betrat die schlichte, saubere Wohnung und war unglaublich nett, herzlich und höflich. Ich verbrachte die meiste Zeit mit der vierjährigen Tochter der Gastgeber, möglicherweise hat das einen komischen Eindruck hinterlassen. Wir haben über zwei Stunden ihre Polly Pockets-Puppen an- und ausgezogen. Habt ihr das schon mal gemacht? Das bringt richtig Spaß. Wir „kicherten“ und schossen eine Menge Fotos auf denen sie Grimassen zieht. JAIMIE WARREN
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