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DOS & DON'TS











Dies ist ein exklusiver Vorabdruck aus dem Buch Breites Wissen. Die seltsame Welt der Drogen und ihrer Nutzer von Ingo Niermann und Adriano Sack. Das Buch erscheint am 5.2. im Eichborn Verlag.






WHITNEY HOUSTON
Ihre Schwägerin muss sie wirklich hassen: Tina Brown, die Schwester von Whitney Houstons Ehemann Bobby, plaudert immer mal wieder über das Privatleben der Sängerin: „Auf Crack bildet sich Whitney ein, Dämonen zu sehen. Dann randaliert sie, nässt sich ein, glaubt, dass ihr Mann Bobby Brown sie betrügt. Um nicht zu verpassen, was im Haus passiert, hat sie Löcher in die Badezimmerwände gehämmert.“

Whitney Houstons (*1963) Karriere begann 1985 mit einem märchenhaft erfolgreichen Debütalbum und einem blitzsauberen Image. Bis zum Soundtrack ihres Films „Bodyguard“ hatte sie eine fast beispiellose Erfolgsserie und verkaufte insgesamt 120 Millionen Tonträger. 1992 heiratete sie den Musiker Bobby Brown, ihre Alben verkauften sich schlechter und Gerüchte um Drogensucht und Essstörungen wurden lauter.

Kurz vor der Veröffentlichung ihres Greatest-Hits-Albums wurde das Ehepaar im Januar 2000 am Flughafen von Hawaii mit 15,2 Gramm Marihuana im Gepäck erwischt. Zur Gerichtsverhandlung erschien sie nicht, schickte stattdessen zwei Anwälte und ließ einen privat in Auftrag gegebenen Drogentest vorlegen, mit den Worten: „Frau Houston ist hocherfreut, dass der Test negativ ausgefal-len ist.“ Urteil: 1000 Dollar Strafe, 3000 Dollar Zwangsspende für ein Anti-Drogen-Programm Jugendlicher und drei Monate auf Bewährung.

Im selben Jahr platzte ihr Auftritt bei der Oscar-Verleihung. Angestellte des Grandover Resort in North Carolina fanden in der Suite 1114 eine leere Jack-Daniels-Flasche, 16 ausgetrunkene Flaschen Bier, eine Plastiktüte mit Marihuana und ein Tütchen Backpulver. Das Backpulver wurde als Hinweis dafür gewertet, dass Whitney Houston sich selbst Crack zubereitet habe. „Crack is a whack“, kommentierte die Sängerin: „Dafür verdiene ich zuviel Geld.“

Irgendwie kam keine Ruhe in ihr Leben. Im Ocean Club Resort flirtete Bobby Brown 2003 mit dem Spice-Girl Emma Bunton. Zurück in der Suite stellt ihn Houstion aufgebracht zur Rede. „Er packte Whitney von hinten und nahm sie in den Würgegriff“, erklärte eine Bekannte. In Todesangst knallte Houston ihrem Mann einen schweren Aschenbecher auf den Schädel.

2004 ließ sie sich in eine geschlossene Entzugsklinik einliefern, im Juni war sie schon wieder gut gelaunt: Hysterisch kichernd tänzelte sie mit ihrem Ehemann durchs Londoner Kaufhaus Harrods. Ein Angestellter erklärte, sie wirkten „total ungepflegt und wie auf Drogen“ und hätten verlangt, Designer-Kleidung geschenkt zu bekommen.

Neben Houstons Crack-Abhängigkeit sprach Tina Brown im National Enquirer auch über andere Süchte: „Whitney hat ein Problem. Sie muss ‚es‘ einfach kriegen. Bobby erzählt mir immer, ‚Wenn du nur wüsstest. Sie hat was mit diesem und jenem. Das ist kein Gehemnis.‘ Ich habe sie ein paar Mal mit einer Frau gesehen. Sie sind ohne Shirt herumgelaufen, als ich ins Haus kam.“ Houston soll sich auch mit Sexspielzeug vergnügen, wenn sie allein ist. Brown: „Sie schließt sich ins Bad ein, und man hört es vibrieren. Sie raucht ein bisschen Crack und sagt, ‚Ich muß weg.‘ Sie bleibt stundenlang da drin.“



LAPO ELKANN
Das Drama begann mit einem kurzen Notruf: „In meiner Wohnung ist eine wichtige Person, der es schlecht geht.“ In der Leitung war ein 53-jähriger Transsexueller aus Turin namens „Patrizia“, die „wichtige Person“ war Lapo Elkann (*1978), Enkel von Gianni Agnelli und die jüngste (und vielleicht letzte) Hoffnung des Fiat-Konzerns.

Elkann ist Marken-Manager des angeschlagenen Familienunternehmens, vielen galt er als Reinkarnation seines glamourösen Opas, zu dessen Eroberungen Rita Hayworth, Jackie Kennedy und Anita Eckberg zählten. In New York geboren, absolvierte Elkann Schule und Studium in London und Paris, spricht fünf Sprachen und arbeitete als Assistent von Henry Kissinger; seine Freundin ist ein superblondes TV-Showgirl. Elkann ist ein Lebemann und Marketing-Genie, der den jüngsten Fiat-Modellen zu mehr Sex-Appeal verhelfen sollte.

Die Ambulanz fand ihn auf dem Sofa von „Patrizia“, mit verdrehten Augen und nach Luft ringend. Ein Cocktail aus Kokain, Heroin und Alkohol hatte den Milliarden-Erben ins Koma versetzt. „Wir kennen uns seit ein paar Monaten“, erklärte „Patrizia“ (bürgerlicher Vorname: Lino) im Interview. Fotos des Transsexuellen mit aufgespritzten Lippen und schwarzer Perücke machten umgehend die Runde in Italiens Medien, die den Agnelli-Clan jahrzehntelang wie ein Königshaus gefeiert hatten.

Elkann habe um drei Uhr nachts bei ihr geklingelt, so „Patrizia“, bei Morgengrauen sei man eingeschlafen. „Ich wachte gegen neun auf und versuchte, Lapo zu wecken, aber er gab kein Lebenszeichen von sich. Dann habe ich sofort die Ambulanz gerufen.“ Nach einer ersten Behandlung auf der Intensivstation des Turiner Mauriziano-Krankenauses, wo Elkann einen ganzen Tag ohne Bewusstsein blieb, zog er sich in eine amerikanische Entziehungsklinik zurück. „Ich brauche Zeit zum Nachdenken“, sagte er.