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DOS & DON'TS
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Jenny fuhr zum Schwimmbad, um ihre Mutter abzuholen. Ihre Mutter war sehr aufgeregt, und das Erste, was sie sagte, war: „Ich bin gerade mit einem Toten geschwommen!“ Es war ein Schwimmbad in Frankfurt, wo hauptsächlich ältere Leute hingingen, um Zeit mit Freunden zu verbringen, kein Becken für ernsthaftes Bahnenschwimmen. Die Leute waren nach typisch deutscher Art freundlich und höflich: Sie schwammen nebeneinander her und schüttelten sich im Wasser die Hand. Jennys Mutter ging ständig da hin, und es gab einen Mann, den sie immer sah, er kam jeden Tag. Ein älterer schwuler Herr, der immer gut angezogen war, ganz penibel, und ein Toupet trug. Ein ernsthafter Schwimmer, der seine Bahnen machte, jedem „Guten Tag“ sagte und die Hand gab. An jenem Tag war er wie gewöhnlich dort, und Jennys Mutter drehte gemütlich ihre Bahnen, als sie plötzlich bemerkte, dass es irgendeinen Aufruhr gab. Sie hörte auf zu schwimmen und sah, wie der Mann aus dem Becken gezogen wurde. Er wurde an den Beckenrand gelegt und sein Arm hing ins Wasser. Eine andere Frau hatte zu schwimmen aufgehört, und Jennys Mutter sagte: „Wissen Sie, was hier los ist?“ Die Frau antwortete: „Er ist tot, definitiv.“ Ohne mit der Wimper zu zucken. Er lag da und sein Arm sank immer tiefer ins Wasser. Die Bademeister waren verschwunden, um einen Krankenwagen zu rufen, aber es war zu spät. Es waren nur die zwei Frauen und die Leiche in dem fast leeren Schwimmbad und nun rutschte auch sein anderes Bein ins Wasser. Jennys Mutter fragte: „Tot, sind Sie sicher?“ Die andere Frau sagte: „Ja, er ist wirklich tot.“ „Sollten wir nicht aus dem Wasser gehen, wenn er tot ist?“ Die andere Dame entgegenete: „Leben und Tod liegen so dicht beieinander, was macht es da schon, er ist von uns gegangen und gleich kommen sie ihn holen, warum schwimmen wir also nicht einfach weiter?“ Sie war vor kurzem in Mexiko gewesen, dort hat man eine bessere Einstellung zum Tod und zum Sterben. Zufälligerweise hatte Jennys Mutter mal in Mexiko gelebt und so kamen sie ins Gespräch. Über Mexiko und den Tag der Toten und das alles. Sie freundeten sich an, während sie langsam in dem leeren Becken nebeneinander her schwammen und der tote Mann daneben lag; mit einem Arm im Wasser und dem Bein, das immer weiter darin versank, wurde er immer toter. . Dann sagte Jennys Mutter: „Wissen Sie, er war nie besonders nett zu mir und sagte mir nie Hallo, wie er es bei den anderen Leuten tat, aber er ist jeden Tag schwimmen gewesen und zum Gedenken an ihn sollten wir vielleicht einfach weiter schwimmen.“ Also machten sie noch ein paar Bahnen im Andenken an den toten Schwimmer.
Mein Kumpel und ich waren in einer Bar, wo im Fernseher über uns ge-rade Is was Sheriff? lief. Ich sagte: „Hey, da ist La Var Burton“, und gleich darauf mimte Cleavon Little: „Entschuldigen Sie mich, während ich das hier raushole.“ Wir konnten die Worte zwar nicht hören, aber der Barkeeper sagte sie für uns und lachte schallend. Eine blonde Frau, die ich schon mal gesehen hatte, als sie mit irgendeinem Typen rumgemacht hatte und danach mit den Worten „Das sieht wie ein Audi aus“, zu einem Auto gestolpert war, war wieder da und kam rüber. „Hey, ich kenne dich. Wo arbeitest du?“ Als ich ihr sagte wo, war sie nicht zufrieden. „Wo hängst du so rum?“ Meine Antwort schien ihr immer noch nicht zu gefallen und ihr Ton wurde fordernder. „Nein, das ist es nicht, ich weiß, dass ich dich kenne.“ Dann erwähnte sie eine Bar direkt vor meiner Haustür, wo ich oft hinging, und sagte triumphierend: „Das ist es! Ich kann mich noch gut an dich erinnern. Ich hab da mal an der Bar gearbeitet.“ Sie war sehr glücklich, das Rätsel gelöst zu haben. Dann bestellte sie sich und uns Whiskey und erzählte dem Barkeeper, dass ich ein feiner Kerl sei, weil ich an der Bar abgehangen hatte, wo sie früher mal gearbeitet hatte. Sie sagte, dass sie gerade eine Runde in einem Audi gedreht hatte, mit einem Typen, mit dem sie mal was hatte und der jetzt wieder was von ihr wollte. „Wir haben uns lange unterhalten, aber wir sind jetzt nur noch Freunde.“ Aber im nächsten Augenblick erwähnte sie beiläufig: „Also hab ich ihn im Auto ein bisschen an meinen Titten rumfummeln lassen, aber ich steh nicht mehr auf ihn.“ „Moment mal“, sagten wir, „gerade hast du gesagt, ihr habt euch nur unterhalten.“ „OK, wir haben ein bisschen rumgemacht. Er hat einen neuen Audi, und er sagte immer wieder, wie toll ich aussähe und ob ich nicht mit zu ihm kommen wolle. Wisst ihr, wir hatten vor zwei Jahren was miteinander und heute Abend fing er dann plötzlich an, Sachen zu sagen wie ‚Du willst meinen Schwanz sehen, stimmt’s?’. Ich sagte nur, warte mal, du kannst jetzt nicht plötzlich solche Geschütze auffahren mit jemanden, mit dem du früher mal Sex hattest, so geht das nicht. Dann fängt er auf einmal an, schmutzig zu reden; als wir zusammen waren, hat er das nie gemacht hat. Du kannst nicht einfach mit diesen ganzen neuen Sextech-niken ankommen, wenn wir uns so lange nicht gesehen haben, habe ich zu ihm gesagt.“ Mein Kumpel und ich lachten beide und sagten: „Also habt ihr euch nicht bloß ein bisschen unterhalten?“„OK, ich hab ihm einen geblasen. Na und? Ich hatte Lust, mit dem Audi zu fahren, aber ich kann mich auf so ein Ding nicht einlassen, ich bin auf der Suche nach einem Mann. Bist du verheiratet?“ Als ich anmerkte, dass diese Bar vielleicht nicht der richtige Ort sei, um einen Ehemann zu finden, seufzte sie und sagte: „OK, war nett dich getroffen zu haben.“ Dann ging sie. JOCKO WEYLAND |