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DOS & DON'TS










Illustration von Milano Chow
Fred Armisen
Vice: Mit was an Saddam Hussein kannst du dich identifizieren?
Fred:
Mit seinem Bedürfnis nach Liebe.

Hast du für diesen Artikel viel recherchiert?
Ich habe mir eigentlich nur Fotos von Bagdad aus den 70ern angesehen.

Hast du denn schon viel Prosa geschrieben?
Nein.

Was ist der beste Roman aller Zeiten und warum?
Die Verschwörung der Idioten von John Kennedy Toole. Es ist einfach unglaublich witzig.

Wer ist zur Zeit der beste lebende Romanautor und warum?
Gary Larson. Seine Geschichten sind sehr kurz, aber auch sehr reich an Bildern.




estern (ich schreibe dies am 6. November 2006) wurde mein Urteil verkündet—das Ganze in einem Verfahren, das wohl eher einer Zirkusnummer gleicht, als sonst irgendwas anderem. Wie die Sache gelaufen ist, überrascht mich nicht. In dem Moment, als ich den Gerichtssaal betrat, wusste ich, dass mir keiner zuhören würde.

Aber das geht in Ordnung. Ist ja klar. Der Richter macht nur seinen Job. Auch er hat ganz sicher Rechnungen zu bezahlen und eine Frau oder Freundin, die er beeindrucken möchte. War bei mir nicht anders, als ich neu an der Macht war. Damals war ich dem irakischen Volk dankbar, dass sie mich zum Diktator gemacht hatten. Aber gleichzeitig war ich begeistert, weil die Dame, mit der ich mich zu treffen pflegte, mich nun noch attraktiver finden würde!

Obwohl ich vor dem, was mit mir geschehen wird, ein wenig Schiss habe, bin ich wirklich dankbar für die tolle Zeit, die ich als Iraks oberster Führer hatte. Es war eine unglaublich lohnende und bereichernde Erfahrung. Ich habe viel über mein geliebtes Land und die Welt gelernt. Ich möchte ein paar Menschen danken. An erster Stelle meinem Team. Sie haben unglaublich hart gearbeitet, oft bis in die Morgenstunden. Manchmal waren sie, wenn ich um neun Uhr morgens kam, immer noch da, weil sie die ganze Nacht mit dem Durchgehen von Rechnungen und Zeitplänen verbracht hatten. Ich bin meinem Innenminister, Anwar Zamin zu Dank verpflichtet, der mir, als ich an die Macht kam, so viel beigebracht hat. Bevor ich Anwar traf, wusste ich nichts über die vielen Dinge, die dazugehören, damit ein Land reibungslos läuft. Straßenbau, Schulbudgets ... bis hin zu Gesetzen für die hygienischen Bedingungen in Restaurants! Dank auch an meinen Fahrer Namer, der immer mit Absicht die längere Strecke fuhr, um mir vor den ganzen Meetings des Tages noch eine kleine Verschnaufpause zu gönnen. An Manaf Hassan, den Chef des Sicherheitsdienstes: Ausgezeichnete Arbeit, in jeder Hinsicht! Du hattest viel Geduld mit mir und meinem aufreibenden Arbeitsrhythmus, und ich bin mir nicht sicher, ob ich Dir immer die nötige Anerkennung gezeigt habe.


Ich möchte ein paar Leuten aus der Anfangszeit danken. Aus der Zeit vor meiner politischen Karriere, vor den ganzen Kriegen und vor dieser lächerlichen Fernsehshow von einer Verhandlung. Die erste Person, die mir einfällt ist Mr. Mehhid. Er betrieb einen Plattenladen namens Mehhid Music, und ohne diesen Laden wäre ich nicht der Mann, der ich heute bin. Wissen Sie, ich bin in einem Stadtteil von Tikrit namens Ali-Tazir aufgewachsen. Es war der Stadtteil, wo die untere Mittelschicht lebte und oft wurde ich in der Schule von den reichen Kindern wegen meines „Tazzi“-Akzents ausgelacht. Mein einziger Rückzugsort vor den langweiligen Unterrichtsstunden und dem völligen Desinteresse meiner Eltern war die Musik. Oft schwänzte ich den Unterricht, um mich zu Mehhids zu schleichen und die Single mit dem coolsten Cover zu kaufen. Das meiste, was es damals an irakischer Popmusik gab, war ziemlich schnulzig und übertrieben. Es hatte keine wirkliche Substanz. Aber dann entdeckte ich die Importabteilung. Meine Welt wurde auf den Kopf gestellt. Da gab es Bands mit Namen wie MC5 und The Stooges. Sie trugen Lederjacken und spielten laut Gitarre. Laut, dreckig, genial! Detroit wurde für mich zu einem mythischen Ort. Ich träumte davon, dort zu leben und in einer Band zu sein, mit der ich jeden Abend in derselben Bar spielte. Ich habe jeden einzigen Dinar, den ich hatte, in Mehhids Importabteilung getragen. Dort traf ich auch die meisten der Jungs, die später in meiner Regierung saßen (die Verteidigungs-, Schatz- und Landwirtschaftsminister, um nur ein paar zu nennen). Wir sparten, kauften uns eigene Instrumente und gründeten eine Band, die im Prinzip nur eine schlechte Kopie von dem war, was so aus New York und London kam. Unser Vorbild waren die Stiff Little Fingers, aber wir klangen dann eher wie The Knack oder so. Aber was soll man von ‘nem Haufen wütender Jungs aus „Tazzitown“ schon anderes erwarten? Wir haben dann erst in der Stadt und später im ganzen Land Gigs gespielt. Ich schätze wir haben insgesamt mindestens drei Busse zu Schrott gefahren! Es waren gute Zeiten für die Musik und überall schossen Bands aus dem Boden. Ich möchte allen danken, die je einen Gig für uns gebucht oder einen Flyer aufgehängt haben, in unsere Konzerte kamen, uns bei sich übernachten ließen oder für uns gekocht haben. Ich bin euch auf ewig dankbar. Und natürlich auch Danke an die Band (Ja, du bist gemeint, Sadiq! Ich werde deine Ausdünstungen im Tourbus hier nicht erwähnen. Ups!).

Meine Dankbarkeit gilt auch Amira in der Stadt Rayat. Mein Herz ist immer bei dir.

Falls ich jemanden vergessen haben sollte, verzeiht mir, ich bin alt! Danke für eure Aufmerksamkeit und: Long live the MC5!

AUS DEM ARABISCHEN VON FRED ARMISEN