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DOS & DON'TS












Foto von Christoph Voy





lle hier nennen mich Karotte, jeder kennt mich so. Den Spitznamen habe ich schon ziemlich lange. Damals in der Schule habe ich immer Karotten gegessen und meine Mitschüler fanden das total lustig, weil ich klein und dick war, wie eine Karotte eben. Am Anfang hat mich das schon verletzt, aber nach einer Weile habe ich einfach nicht mehr drauf gehört und seitdem heiße ich eben so.

Ich bin hier 1998 eingezogen. Da war der Aufgang dieses Hauses noch fast voll. Mindestens vier andere haben hier noch gewohnt. 1999 hat dann alles angefangen, also das mit den Auszügen. Die ersten Familien haben ihre Sachen gepackt. Von da an wohnten meine Nachbarin und ich ganz alleine in dem Haus. Das war eigentlich ziemlich praktisch. Ich wollte noch eine 4-Zimmerwohnung dazu haben, und das ging ganz schnell. War kein Problem. Die Hausverwaltung gab mir die Wohnung ne-benan und so hatte ich das ganze Stockwerk für mich alleine. Das war schon Luxus. Mein Schwager kam immer vorbei, der hatte sich bei mir ein kleines Büro eingerichtet. Meine Katzen habe ich dort auch immer spielen lassen. Die Zimmer sahen nach einer Weile ganz schön schlimm aus, aber das wird jetzt sowieso alles zuerst ent-kernt und dann abgerissen.

Deswegen werden hier auch manchmal Partys bis zum Abwinken gefeiert. Die jungen Leute bekommen vom Hausmeister einen Schlüssel und dürfen dann in den leeren Wohnungen machen, was sie wollen. Deswegen bin dann natürlich auch oft feiern gegangen. Es war nur nicht so toll, wenn am nächsten Morgen überall Alkoholleichen im Trep-penhaus verteilt waren. Aber ich war ja auch mal jung, man will ja kein Spielverderber sein. Die haben eigentlich keinen Stress gemacht und so oft kam das auch wieder nicht vor. Wenn keine Partys stattfanden, dann war es hier doch schon ganz schön ausgestorben.

Die Frau von unten hatte immer ein mulmiges Gefühl, weil wir hier ganz alleine wohnen. Aber ich nicht, ich fand das schön ruhig. Ich habe mir einfach immer mehr Schlösser gekauft und ne Latte vor die Tür gehauen. Die haben ja auch immer weiter geheizt, auf allen Stockwerken. Frieren musste man da im Winter nicht. Aber das Grundbauamt hat versucht, uns abzuzocken und wollte uns die Heizkosten für das ganze Gebäude aufdrücken. Da hatte ich dann die Schnauze voll und wollte ausziehen. Das ging auch ganz schnell, innerhalb von einem Monat hatte ich was Neues. Jetzt wohne ich im WK8. Seit ich weg bin, wohnt die alte Frau ganz alleine. Die hat jetzt wirklich Schiss. Sie hat noch kein Angebot für eine neue Wohnung bekommen. Und die Leute, die nicht ausziehen wollen, die werden eben gezwungen. Meinem Bekannten haben sie einfach morgens um sechs die Bauarbeiter ins Haus geschickt, und die machen eben Radau. Obendrüber, untendrunter. Das hält man nicht lange aus. Außerdem haben sie in den anderen Wohnungen auch die Fenster rausgenommen, da wurde es im Winter arschkalt. Wasser hatte der am Ende auch keins mehr.

Meine Mutter hatte auch Angst, die lebte bis vor kurzem alleine. Einmal kam sie abends nach Hause und hörte Geräusche. Da waren Polen im Keller, die haben alles ausgeräumt, was nicht niet- und nagelfest war. Das läuft bei denen immer so. Sobald ein Haus leer wird, kommen die mit Lastern angefahren und nehmen mit, was sie kriegen können. Am liebsten nehmen sie die neuen Fenster mit, die gerade eingebaut wurden. Damit bin ich aber nicht einverstanden, bei altem Zeug ist das ja in Ordnung, aber bei neuem nicht. Vor kurzem war ich mit meinem Hund spazieren und habe mitbekommen, wie sich wieder ein paar von denen ans Werk gemacht haben. Da habe ich die Polizei gerufen, denn so geht’s wirklich nicht.

HERR KARO