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DOS & DON'TS
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Vice: Asketen lehnen Genuss ab, weil sie es als Ablenkung von ihrem Weg betrachten. Trifft das auch auf euch zu? Whitehouse: Asketisch eher in einem künstlerischen als in einem wörtlichen Sinne. Keiner von uns lebt in einer Höhle oder so, aber die Prinzipien sind gleich. Ähnlich wie der ursprüngliche Begriff, den ich vom Minimalismus hatte, wo es unter Umständen ein größere Aussage hat, nichts zu tun. Wir könnten konventionelle Musik machen, aber wir entscheiden uns bewusst dagegen. Bei Punk und elektronischer Musik fiel mir auf, dass viele Bands sehr einfache Musik machten, nicht aus einer freien Wahl heraus, sondern weil es ihr Weg zum Rock’n’Roll-Stardom war. Glaubt ihr, dass Zurückhaltung und Entbehrung zu besserer Musik führen? Nimm eines der ärmsten Länder der Welt, Haiti. Sie machen die unglaublichste Musik, nur mit Hämmern, Nägeln, Schotter, Steinen und ihren Händen. Von der Intensität, von der emotionalen Intensität her ist das extrem. Eine völlig überwältigende Musik, die wir mit unserer Digitaltechnologie, den Laptops und PA-Systemen nicht mal annähernd er-reichen können. Daraus lässt sich viel lernen. Was dann wiederum ein Grund ist, sich dem Asketischen zuzuwenden. Es ist das Resultat, was zählt. Funktioniert es oder nicht? Wenn man diese Lektion von der Musik gelernt hat, beginnt man sich zu fragen, wie das Leben ohne diesen ganzen Mist wäre, den wir für selbstverständlich halten. All diese Dinge, bei denen wir die Illusion haben, sie zu brauchen, ohne die wir vermeintlich nicht existieren können, unsere Handys, E-Mail etc. Was haben die Menschen, die die Zeit und Anstrengung aufbringen, um euren Ansatz zu verstehen, davon? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es ge-rade für die Unvorbereiteten eine lebensverändernde Erfahrung ist. Für diejenigen, die am wenigsten damit rechnen. Es ist wie der Moment, in dem man einen Autounfall hat oder so. Die Nanosekunde, in der es passiert, vergeht sehr langsam. In diesem bestimmten Moment weißt du, dass die Dinge nie mehr so sein werden wie zuvor, dass es keinen Weg mehr zurück gibt. Oft ist es genau das, was wir im Leben brauchen. Eines der besten Dinge, die mir passiert sind, war, dass man bei mir eingebrochen und alles gestohlen hat, absolut alles. Es war eine abgefuckt elende Erfahrung. Plötzlich realisierte ich … ich realisierte, dass ich nicht länger an meine Besitztümer gebunden war. Ich konnte tun, was immer ich wollte. Den Monat zuvor spielten wir ein Konzert in Barcelona und hatten eine richtig gute Zeit. Scheiß drauf, ziehe ich halt nach Barcelona. Ich hab ja eh kein Eigentum oder so. Ich setz mich einfach ins nächste Flugzeug und ziehe nach Barcelona. Das hab ich dann auch gemacht. Und das war das Beste, was mir passieren konnte, denn wäre es nicht passiert, würde ich jetzt wahrscheinlich in London festhängen, du weißt schon, ein elendes Leben. MADAME JANET Whitehouses Asceticists 2006 ist auf Susan Lawly erschienen. |