
ch trinke den ganzen Tag Bier, bis ich wieder nach Hause finde ... falls ich wieder nach Hause finde. Bin also vermutlich Alkoholiker. Meine Familie hat mich unglücklich gemacht, und ich hab mir die Pulsadern aufgeschnitten, weil meine Exfrau meinen Schäferhund weggegeben hat. Mit meinen Kindern hab ich aber ein gutes Verhältnis. Meine Tochter lebt in Templin und mein Sohn sitzt den ganzen Tag vorm Fernseher. Vor kurzem bin ich mit meinem Sohn nach Kroatien gefahren und davor war ich mit meiner Tochter in Spanien bei einem Skat-Wettbewerb. Wenn ich’s mir leisten kann, mach ich so was. Ich spiele seit dem Jahr 2000 Skat, und ich habe bei einem Wettkampf in Salou auf Anhieb den ersten Platz gemacht. Da hab ich 70 Euro gewonnen. Ich spiele gut, aber nur wenn ich nüchtern bin. Ich bin aber eigentlich die meiste Zeit besoffen, das heißt, ich kann mir nicht gerade den Lebensunterhalt damit verdienen. Ich war auch in psychiatrischer Behandlung, je sieben bzw. vier Wochen in Angermünde und Eberswalde. Ich durfte nicht rausgehen. Als ich gemerkt habe, dass die Therapie sinnlos ist, hab ich sie abgebrochen. Die Ärzte haben mir gesagt, dass ich ein psychotisches Problem habe und ich stimme ihnen zu. Aber ich hab nicht ganz verstanden, was meine Diagnose ist. Mein Sohn sagt, wenn ich mit dem Trinken aufhöre, hört er auf zu kiffen. Was soll ich machen? Es gibt einfach keine Perspektive, keine Zukunft mehr. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann weiß ich, dass es damals besser war als heute. Ich bin in Schwedt geboren, genau wie meine Eltern. Mein Vater war Maurer und hat beim Aufbau von Schwedt mitgeholfen. Wir hatten das DDR-Sozialeinkommen, Sport wurde gefördert. Gute Zeiten. Aber jetzt muss man für alles zahlen, und alles ist so teuer. Ich ging bis zur Achten in die Schule, aber ich war echt schlecht. Dann hab ich eine Lehre angefangen und wurde Isolationsklempner. Ich war gut in meinem Beruf. Ich war außerdem Touristenführer für die FDJ, wodurch ich die Möglichkeit hatte, Bulgarien zu sehen. Damals hatte ich noch eine Freundin.

Sie war sehr nett. Ich hab sie geschlagen, weil ich dachte, sie hätte mich betrogen. Danach wurde sie sehr depressiv und es hat nicht mehr funktioniert. Lustigerweise hatte sie mich gar nicht betrogen. Die größte Liebe meines Lebens war das Boxen. Ich hab 1965 im Alter von neun Jahren angefangen, weil ich ständig Leute auf dem Schulhof verdroschen habe. So wurde ich entdeckt. Wie sich herausstellte, war ich echt gut. Der Höhepunkt meiner Karriere war 1975, da hab ich Bronze für die DDR geholt. Irgendwann hab ich aufgehört, weil ich zu alt war. Ich wollte es auch nicht professionell machen, weil mir mein damaliger Job Spaß gemacht hat. Wenn ich noch jung wäre, würde ich ins professionelle Boxen einsteigen, weil man damit viel Geld verdienen kann, heute sogar mehr als das Doppelte wie damals.
Ich war auch anderthalb Jahre im Knast, wegen Körperverletzung. Da sind auch die Tattoos her, wie das an meinem Penis. Ich prügle mich immer noch, weil es in mir drin steckt, es ist meine Natur. Ich prügle mich auf der Straße oder in Bars, wenn ich besoffen bin. Ich kann nichts mehr an meinem Leben ändern. Ich bräuchte eine Frau, die bei mir bleibt und zu mir hält. Ich kann nicht mehr.
An dieser Stelle brach Klaus in Tränen aus und wir mussten das Interview beenden.
KLAUS D. HELMUT