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DOS & DON'TS












Fotos von Christoph Voy

„Alle meine Tattoos sind aus dem Knast.“




ch sammle alles, Gewehre, Dolche, Schwerter, Spielsoldaten, Feuerzeuge, Pornos ... alles. Ich hab angefangen zu sammeln, als ich ein junger Mann war. Das meiste habe ich von meiner Familie bekommen, wie zum Beispiel meinen Ring. Es ist ein alter Waffen-SS-Ring, den mir mein Großvater 1920 gegeben hat. [Natürlich gab es die SS 1920 noch nicht und der Ring sieht aus wie ein typischer silberner Gruftiring mit einem Totenschädel. Außerdem war Hansi da noch nicht mal geboren.—Red.] Meine Lieblingspistole ist meine Parabellum 08, Baujahr 1936. Das ist die Pistole, wegen der ich wegen Waffenbesitz, Paragraph 98, in der DDR zehn Jahre in den Knast gewandert bin. Sie haben sie mir weggenommen, aber ich habe mir eine Kopie davon besorgt. Die Jacke an der Tür ist meine aus der Armeezeit. Ich war Unteroffizier in der Panzerdivision und habe viele Orden bekommen. Ich sammle außerdem alles, was mit Schädeln zu tun hat. Ich habe sie auf einem Tisch ausgelegt und nenne das Ganze den Militärfriedhof. Ich habe eine riesige Sammlung Armbanduhren von meiner Tochter. Sie ist bei einem Bootsunglück gestorben. Ich war dreimal verheiratet und bin dreimal geschieden. Die einzigen Frauen, denen du vertrauen kannst, sind die in den Pornos und auf den Postern, wie Samantha Fox—sie war ein hübsches Mädchen. Meine letzte Freundin hat mich verlassen, nachdem sie mich mit einer Prostituierten erwischt hat. Frauen sind Scheiße, sie benutzen dich und dann nehmen sie dich aus.

Wollt ihr Musik hören? Diese Jukebox hab ich von meiner Mutter gekriegt. Ich mach mal Musik an. Nehmt mich nicht auf! Habt ihr Mikros an? Ich mach die Musik superlaut, damit die Spitzel nicht hören, worüber wir uns unterhalten. In meiner alten Wohnung wurde mir die Hälfte meiner Sachen gestohlen. Ich hab Schiss, dass ihr mir die Mafia herschickt, um meine Sachen zu stehlen. Nehmt mich nicht auf!

Ich sammle außerdem Tiere. Ich hab einen Gecko, eine Boa Konstriktor und eine Kobra gehabt. Sie sind alle gestorben, aber ich habe zur Erinnerung im Terrarium Skulpturen von ihnen aufgestellt. Spinnen mag ich auch, deshalb klebe ich welche aus Plaste an die Decke. Sammeln ist schon immer meine Leidenschaft. Es ist alles, was ich habe. Ich bin seit 1991 arbeitslos. Ich habe als Tischler gearbei-tet, aber sie haben mich wegen meinem Alter rausgeschmissen. Dann sind meine Mutter und mein Vater gestorben, und ich musste alles verkaufen, wofür meine Eltern gearbeitet haben, weil ich das Geld brauchte. Es gibt keine Arbeit und deshalb gefällt es mir in Schwedt nicht. Hier sind alle arm. Ich bin 59, und ich werd nie wieder einen Job kriegen. Ich hab mich ein paar Mal bei verschiedenen Firmen beworben, aber sie haben mir gesagt, ich soll mich verpissen und dass sie kein Obdachlosenheim sind. Ich hab’s als Hausmeister und Vorarbeiter und all so ‘nen Scheiß probiert. Solange das Arbeitsamt sieht, dass ich mich dreimal im Monat auf Jobs bewerbe, krieg ich mein Geld und das ist das Einzige, was für mich zählt. Ich krieg 649 Euro und 57 Cent. Davon muss ich meine Miete bezahlen, das sind 450 Euro, muss das Telefon bezahlen und den Strom. Ich werd euch nicht sagen, wie ich das mache. Ich will eigentlich nicht reden. Was für Musik wollt ihr hören? Wollt ihr ein Porno angucken? Woher wusstet ihr von meinen Waffen? Wer hat es euch erzählt?

Ich hab immer ein geladenes Gewehr in der Ecke stehen. Bist du Amerikaner? Ich werd dir mein Gewehr ins Gesicht halten. Wenn du Amerikaner wärst, müsstest du mir sagen können, was für ein Gewehr das ist. Aber du weißt es nicht. Hier ist die Sicherung. Bist du sicher, dass du nicht weißt, was für ein Gewehr das ist? Es ist ein Winchester. Die meisten meiner Gewehre sind aus Amerika. Ich liebe Amerika. Wenn ich da hin könnte, würde ich nach Kalifornien fahren, ich hab da ‘nen Kumpel. Es ist das Land der Freiheit, wenn man jung ist. Aber ich bin ein alter Mann.

HANSI



Das sind die amerikanischen Colts aus meiner Sammlung. Ich mag diese Waffen sehr gerne, da sie sehr verlässlich sind—wenn sie sich nicht abfeuern lassen, kann man immer noch seinen Gegner damit niederschlagen, weil sie so schwer sind.



Das sind authentische japanische Schwerter. Samurais haben die Schärfe der Klingen auf den Rücken ihrer Gefangenen getestet.