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DOS & DON'TS












Foto von Alexa Karolinski




ch wurde in Stolpe geboren und kam am 6.6.66 nach Schwedt. Da war ich 13. Wir sind nach Schwedt gezogen, weil unser Haus sehr alt war. Meine Eltern sind an allem schuld. Meine Mutter hat mich immer mit einem Holzlöffel geschlagen. Meistens wenn ich geraucht hatte und sie dann angelogen hab. In der Schule war es auch ziemlich schlimm, weil ich keinen Bock hatte und mich die Lehrer nicht verstehen wollten. Ich wollte Geld verdienen, also hab ich nach der achte Klasse aufgehört und hab Betonfacharbeiter gelernt. Mein Traumberuf wäre es gewesen, Brücken zu bauen, weil die für immer stehen bleiben. Die Wirklichkeit sieht aber so aus, dass ich seit 97 arbeitslos bin. Sie haben mich nach 28 Jahren rausgeschmissen. Vor der Wende hatten sogar die Assis Arbeit. Kapitalismus ist bescheuert.

Mehr und mehr Leute werden Alkoholiker aus Langeweile und Frust. Ich glaube nicht, dass ich Alkoholiker bin. Alkoholiker trinken jeden Tag und das tue ich nicht. Mein Leben ist nicht meine Schuld. Es ist die Schuld der Gesellschaft. Sie lassen mich wie ein Hund leben, genau wie meine Freunde, die auch arbeitslos sind. Alle sind in derselben Lage. Wir leben von Hartz IV, und sind alle angeschissen. Ich muss ‘ne Menge Pillen schlucken, so 20 am Tag, obwohl ich nicht so richtig weiß, wofür die sind. Ich musste mal eine Woche ins Krankenhaus und bin da in der neurologischen Abteilung aufgewacht. Ich weiß allerdings nicht, was ich hatte. Es gab noch nicht mal ‘nen Fernseher in dem Krankenzimmer, also wurde mir langweilig und ich bin da weg, obwohl der Arzt gesagt hat, dass ich das nicht soll. Diese Schweine im Krankenhaus haben mir sogar meine Unterwäsche geklaut. Die müssen wohl noch ärmer sein als ich.

Ich führ ein langweiliges Leben. Alles, was ich den ganzen Tag mache, ist fernsehen, besonders Tiersendungen. Mein Leben war aber nicht immer langweilig. Ich war drei Jahre bei der Armee in Schwerin, als Panzerfahrer. Durch die Elbe zu fahren, hat mir besonders viel Spaß gemacht. Es gefiel mir bei der Armee aber nicht, weil sie mich schikaniert haben, genau wie die Nazis. Zu der Zeit hab ich auch meine Exfrau in einem Tanzsaal kennen gelernt. Wir waren zehn Jahre zusammen, haben geheiratet und bekamen eine Tochter. Das hat dann zwei Jahre gehalten, weil alles anfing, schief zu gehen. Meine Tochter hat den Kontakt zu mir abgebrochen, wegen ihrer Mutter und weil ich arbeitslos bin. Ich habe auch einen Enkel, einen kleinen Jungen, aber das weiß ich nur von Bekannten. Meine Familie will nichts mehr von mir wissen. Meine letzte Freundin hab ich auch in ‘nem Tanzsaal kennen ge-lernt, aber sie hat genervt, weil sie immerzu tanzen wollte. Die Frauen wollen nur wissen, ob du ein Auto und ‘nen Job hast. Wenn nicht, kannst du gleich „tschüss“ sagen. Wenn die Frauen nicht gewesen wären, wäre mein Leben sicher völlig anders gelaufen. 1975 hatte ich ein Angebot, zur Polizei zu gehen, aber ich hätte für die Lehre nach Potsdam gehen müssen und natürlich war meine Frau eifersüchtig, also bin ich nicht gegangen. Ich bin sicher, ich wäre jetzt Polizist, wenn ich gegangen wäre. Meine Frau, meine Tochter, meine Exfreundin—na, eigentlich alle Frauen—sind Scheiße. Alles ist ihre Schuld.

HANS ECKHART