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DOS & DON'TS












Foto von Nina Werner




Ich bin hier sehr wichtig. Ohne mich würde gar nix laufen. Wäre ich nicht, würde in den Ställen keine Kuh mehr Milch geben, und die Traktoren würden nicht funktionieren, und die Lehrlinge würden ihre Arbeit nicht machen. Ich stehe um sechs Uhr auf, habe zwei Schichten, arbeite bis 18 Uhr, mache eine kurze Pause und dann arbeite ich noch mal bis fünf Uhr in der Frühe. Schlafen muss ich nur eine Stunde, länger darf ich auch nicht. Würde ja alles den Bach runter gehen—wenn ich nicht da bin.



ch wohne am Kanal im Plattenbau. Das finde ich gut, denn ich kann bis nach Polen kucken. Na ja, ich hab da mal die Jugendlichen mit in meine Wohnung genommen. Ich meine, die wollen ja auch mal wissen, wie der Bürgermeister so lebt. Das war keine gute Idee, weil sie, anstatt mich einfach nur zu besuchen, meine ganze Wohnung kurz und klein gekloppt haben. Jetzt nehme ich niemanden mehr mit, ist mir viel zu gefährlich. Mit den jungen Menschen hier ist das nicht so schön, die sind alle sehr gemein, haben viel zu viel Zeit und spielen nur mit ihren Computern. Und gehen dann auf die Straße und ärgern die anderen. Damit die jungen Leute mehr Respekt vor mir haben, habe ich mir einen neuen Anzug gekauft—einen schwarzen. Da sag ich nur: Kleider machen Leute. Das macht schon Eindruck, und der ist wichtig. Weil, bei mir laufen ja die Fäden zusammen.

Wer sich hier in Schwedt ein Haus kaufen will, kommt zu mir, ich organisiere ihm dann ein Grundstück. Habe gerade eins an der Hand, da kostet der Quadratmeter 35 Mark, das gibt‘s in ganz Deutschland nicht. Nur bei mir. Und wenn du Landmaschinen haben willst, die kriegst du auch bei mir. Meine Firma „Privat Landwirtschaft“ beliefert die ganze Welt mit Traktoren und Mähdreschern. Zum Beispiel nach Österreich, Tschechien, Polen und Straußberg liefere ich die. Wir reparieren auch alle Traktoren und machen den Anstrich. Aber das mache ich nicht persönlich, dafür habe ich keine Zeit. Ich bin ja für mehrere Gewerbe unterwegs. Fürs Baugewerbe, fürs Dingsgewerbe und dies und jenes. Ich kann zum Beispiel auch Hochzeiten organisieren, das darf ich ja als Bürgermeister von Schwedt. Ist viel billiger als in Polen, wegen der Steuern, insgesamt sind es so zehn Prozent weniger. Hab schon viele Leute zusammengebracht. Ich mach auch noch die Theaterstücke hier, braucht mir keiner was zu erzählen, ich kenn mich eben aus mit allem. Ich bin der Einzige in Deutschland, der alles hoch hält. Ohne mich würde Deutschland den Bach runter gehen. Komme ja auch von drüben, aus Polen. Meine Mutter ist von Polen, genauer aus Vorpommern. Mein Vater ist von Schwedt. Und gelernt habe ich auf dem Friedhof. Da weiß man, wie das Leben läuft. Da habe ich Gräber ausgehoben und so, nichts mit ekelig. Die sind eben tot. Und dann weiß man, wie es läuft. Ich habe deswegen auch keine Angst im Dunkeln. Nehme ich mir eben ‘ne Kerze und dann kann ich alles sehen.

HERR DAX
Wer es bis hier noch nicht bemerkt haben sollte, Herr Dax ist natürlich nicht der Bürger-meister von Schwedt. Herr Dax ist lediglich bekloppt.