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DOS & DON'TS










Illustration von Michaela Wollschläger




inmal das Komplettpaket, bitte. Einmal keine halben Sachen, bitte. Einmal die in billigen Beats verewigte Bestätigung der Vermutung, dass die einzige und ewige Wahrheit im Geist einer sagenhaft guten Party zu suchen ist. Wenn die bemühten Fashionistas und Scenesters dazu tanzen, lass sie. Vielleicht sehen auch sie die Wahrheit. Einmal bitte die Flucht vor der Wahrheit. Möglichst bunt und laut, bitte. Wenn wir flüchten, dann soll das doch spektakulär aussehen. Wenn möglich, das Spektakel auch noch in betonter Lässigkeit in seine Gender-Bestandteile auflösen. Wir sind doch alle gleich, nicht wahr? Wir sind doch alle nichts.

Mirejam (Fox) und Magnus (Wolf) sind nicht das erste Elektro-Pop-Duo aus Schweden, das über die eigene Identität eine Maske stülpt. Genau genommen sind die beiden in gar nichts die Ersten. Weil sie wissen, dass sie nichts Neues machen, machen sie wenigstens alles richtig. Sie machen es instinktiv. Sie machen es wie der Wolf in den Fabeln, die dir deine Großmutter vorgelesen hat, als du noch ein kleiner Hosenscheißer warst. Denn sie sind genauso hungrig und unberechenbar, und sie sind schlau genug, ihre Triebe ganz bewusst auszuleben. So schlau wie ein Fuchs. Erst ist das Triebleben dieser Band in den Slogans, die Mirejam über nervös holpernden Synthie-Trash skandiert, danach ist es all over the place. Die linke Hand in der Luft und die rechte im Schritt—„In Yr Underwear“ fasst deren unwiderstehliche Attitüde, deren Sexappeal und deren Vermessenheit grandios in nur einer Zeile zusammen. Das Gefühl, unbedingt und hemmungslos tanzen zu müssen, ist eine Offenbarung. Über das Gefühl, während des Tanzens untenrum ganz feucht zu werden, geht beinahe gar nichts mehr. Wir reden hier nicht vom Einnässen. Wir reden hier von Fox ’n’ Wolf. Wir reden hier von der Band, die Floor-Fabeln für den Index schreibt.

Vice: Musiker zu sein, bedeutet in den meisten Fällen Verarmung mit Ansage. Warum habt ihr keine vernünftigen Jobs?

F’n’W:
Wir legen sehr viel Wert auf Familientraditionen. Vernünftige Jobs lagen und liegen einfach nicht in der Familie. Ehrlich gesagt, ist das mit dem Musizieren schon ein großer Schritt nach vorne!

Wie kompensiert ihr eure Unbelehrbarkeit?

Gar nicht. Wir erzählen unserer Familie immer, wie unglaublich erfolgreich wir sind. Wir schenken ihnen Hoffnung und Zuversicht. Das ist immerhin etwas und wer weiß, vielleicht glauben wir irgendwann selber daran.

Kann man denn solchen Träumereien auch nachgehen, wenn einem der Magen knurrt?

Nun, DAS ist tatsächlich eine ausgesprochene Familientradition. Hunger kennen wir nur zu gut. Wenn man ihm nicht mit anderen Mitteln begegnen kann, sollte man versuchen, ihn einfach wegzutrinken. Kleiner Tipp.

Was ist die ärmste Platte, die ihr je gehört habt?

USA for Africa—We Are The World.

AR
Fox ’n’ Wolfs 12" In Yr Underwear ist bei Kitsuné erschienen.