NEWSLETTER  



DOS & DON'TS














TEXT UND BILDER VON KEISUKE NAGOSHI

ie Sputnik-Gang ist die größte der Philippinen. Sie ist so riesig, dass es insbesondere bei den kleineren, schwächeren Verzweigungen am Fuße ihrer Hierarchie schwer fällt, den Überblick zu behalten. Ich habe mich vor kurzem mit einer bestimmten Untergruppe angefreundet. Der Slum, in dem ich mich damals aufhielt, nennt sich Tondo, eine miese Gegend von Manila. Das Viertel ist umgeben von einem Wassergraben. Man sieht den Leuten an, wie hart das Leben hier ist. Die Gangs verdingen sich im Wesentlichen als Dealer. Sie verkaufen minderwertige Drogen, zumeist schlechtes Marihuana, schlechtes Shabu (Heroin—aus irgendeinem Grund benutzen sie japanische Slangwörter) und schlechten Klebstoff. Die Kinder tragen den Klebstoff in kleinen Plastiktüten bei sich. Immer gegen Mittag fangen sie an, daran zu schnüffeln. Sie verkaufen auch Joints für umgerechnet etwa 70 Cent das Stück. Das Weed schmeckt grauenhaft. Die Leute in Tondo haben mir auch mal Hund vorgesetzt, obwohl es illegal ist. Der Abstand zwischen arm und reich ist größer geworden, seit der neue Präsident an die Macht kam. Dennoch scheint es in Tondo aber heutzutage sehr viel besser zuzugehen als früher. In den sechziger und siebziger Jahren war das hier noch eine vollkommen gesetzlose Gegend, in der Leichen die Straßen pflasterten. Die Frage, ob man eintritt oder nicht, stellt sich bei den Gangs hier so gar nicht. Es ist eine Familiensache. Örtliche Gangs werden üblicherweise von einer großen Familie unterhalten. Kinder, die unter diesen Umständen aufwachsen, rutschen da ganz natürlich hinein. Jeder ist hier mit jedem verwandt, Inzucht scheint auch verdammt häufig vorzukommen.



Gangmitglieder in ihrer Gefängniszelle.



Die Narben auf seinem Bauch wurden bei einer Auseinandersetzung mit anderen Gangs von einer Machete verursacht.