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DOS & DON'TS










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adar ist ein lauter, leidenschaftlicher und ausschweifender Mann. Als ich ihn traf, begann er sofort damit, die Geschichte der Bewegung aufzurollen, angefangen mit dem Aufstand in Bengal. Es folgte ein Schwall kommunistischer Rhetorik. Nach ein paar Minuten bekam ich einen Satz dazwischen: „Das ist zu viel auf einmal. Was ist die grundsätzliche maoistische Ideologie? Erzählen Sie es mir, als wäre ich ein fünfjähriges Kind.“

Er sagte: „Das Problem ist die ungleichmäßige wirtschaftliche Entwicklung in diesem Land. Die gesamte politische, soziale, kulturelle Ökonomie und die Souveränität dieses Landes sind durch amerikanischen Imperialismus in die Hände der Weltbank geraten. Sehen Sie, die Philosophie des Imperialismus ist der Markt. Sein Gott ist der Profit und seine Methode billige Arbeitkräfte. Um dies zu erzielen, haben sie von drei Seiten angegriffen: Kulturelle Überflutung! Wirtschaftliche Überflutung! Politische Überflutung!—und so kommt es, dass unsere gesamte Wirtschaft durch Coca Cola und Pepsi Cola ersetzt worden ist! Drinks, die du überall auf der Welt bekommen kannst. Es war einmal so, dass du hier Nimbu-Wasser, Limetten-Wasser, Zuckerrohrsaft, Kokos-Wasser, Buttermilch bekommen konntest! Wo es in unserem Land einmal Auswahl gab, ersetzt heute ein Getränk der Imperialisten vier. Dies ist das Ergebnis der dominierenden Ökonomie der Weltbank.“

OK. Aber was machen die Naxalisten im Wald?

„Die Vergabe von Land an die Bauern wurde nicht gelöst. Gesundheitserziehung und die Grundbedürfnisse der Menschen sind nicht sichergestellt. Amerika ist ein Polizeistaat—abhängig vom Militär. Sie produzieren Bomben. Sie produzieren nur die Waffen.“

Er erzählte noch viel solches Zeug, und ich begann wegzudämmern, was bei Maoisten schon mal passieren kann. Dann fing er an, von unserer bevorstehenden gemeinsamen Tour in den Dschungel von Dantewada zu schwärmen. Seine maoistische Rhetorik erreichte einen Höhepunkt, und ich hörte auf, mir Notizen zu machen. Am Ende musste ich etwas sagen, also knurrte ich: „Also wollt ihr eine Demokratie ohne Kapitalismus?“

Er sagte: „Wären wir in diesem Moment zusammen, würde ich spontan ein Freudengedicht anstimmen.“ Ich weiß immer noch nicht, was der Scheiß sollte.

Die nächsten paar Tage habe ich damit verbracht mit jedem zu sprechen, der auch nur entfernt mit den Naxalisten zu tun hatte. Mir wurde gesagt, sie seien Vergewaltiger. Mir wurde gesagt, dass dies eine Lüge sei, und es die Polizei wäre, die vergewaltigt. Mir wurde erzählt, dass die Polizei dich dazu zwingt zu helfen und die Naxalisten dich dann hart dafür bestrafen, und umgekehrt. Schließlich fand ich mich in einem Naxalisten-Camp wieder. Als ich dort den Kommandeur traf, war er sehr skeptisch, was meine Absichten anging.

Er fragte mich, mit wem ich bis dahin noch gesprochen hatte, und ich spulte die Liste ab: „G.P. Singh, John Lankumar, O.P. Rhator, Ramesh Nayyar, der Innenminister, Dr. Ajai Sahni von der Southeast Asian Terrorism Watch Group, der Anwalt der Naxalisten und Vertreter in den Friedensgesprächen in 2004, der Generaldirektor der Gefängnisse, Gadar, zahllose Journalisten, die Hochzeitsgesellschaft einiger anti-naxalistischen Banditen in Bihar, K.P.S. Gill, Herr Narayan von der ...“

„Was hat K.P.S. Gill gesagt?“ Er hatte sich aufgesetzt. Er neigte seinen Kopf zur Seite.

„Er sagte, Naxalisten sind Mörder. Er sagte, dass sie die Hände von Polizisten abschneiden, arme Leute umbringen, sie sind nichts als Banditen. Er sprach in Allgemein-plätzen. Er glaubt, die Bewegung ist zum Scheitern verurteilt, da sie auf einer unlogischen Annahme aufgebaut ist.“

Es gibt kein passendes Wort für das, was er in den Augen hatte. Was es auch immer war, es war mehr als klug oder gebildet oder selbstsicher—es war eine Entschlossenheit, so gewaltig, dass er sie in keiner Weise ausdrücken musste. Mir war wie einem schwärmenden Schulmädchen zu Mute. (Später fand ich heraus, wo der geheimnisvolle Ausdruck in seinen Augen herrührte: Er hatte um seinen Anführer und engen Freund getrauert, der einige Tage zuvor ermordet worden war.)

Er nahm meine Nummer und sagte, er würde anrufen. Ich fragte, ob es denn keine Möglichkeit gäbe, dass wir sofort für 15 Minuten sprechen könnten. Die gab es nicht. Sein Anruf blieb aus. Fünf Tage später töteten die Naxalisten in seinem Gebiet sieben Stammesangehörige—schlitzten ihre Bäuche auf und durchschnitten ihr Kehlen—und entführten 25.

Näher bin ich einem Verständnis der Lage nicht gekommen. Es gab noch mehr Dschungel-Treffen—es gab noch mehr Geschichten—, es gab endlos viel Scheiße. Da war dieser Tag: Zunächst hatte ich auf einem Bett aus Netz in der Hütte zweier Stammesangehöriger seltsam geschlafen. Dann wurde ich von einem Dreizehnjährigen auf dem Rad eine halbe Meile über eine Schotterpiste zu einer Stelle, fünf Meter neben einem Naxalisten-Kommando gefahren, nur um dann wieder weggeschickt zu werden. Und es gab dann endlich ein Treffen mit einem der sieben Mitglieder des Koordinationskomitees. Von einem altgedienten indischen Journalisten arrangiert, fand es in einem Haus in der Stadt Ranchi statt. Acht Tage hatte ich auf dieses Treffen gewartet. Als mich auf dem Weg dahin ein Junge durch die vollen Gassen führte, war mir, als würde mir ein Treffen mit Colonel Kurtz bevorstehen. Tatsächlich war es dann aber nur ein Naxalisten-Junge von 29 Jahren. Er war weich und hatte glatte Haut. Immer ein Lächeln auf den Lippen. Nachdem ich die Hälfte der bewilligten Stunde damit zugebracht hatte, ihm dabei zuzuhören, wie er sein Programm über die Geknechteten abspulte, unterbrach ich ihn einfach. „Ja, aber sagen Sie mir doch, was tun die Naxalisten eigentlich?“ Es brauchte einige Zeit, dem Übersetzer meine Frage verständlich zu machen, aber als er sie begriff, wendete er sich dem Kommandeur, Sagar, zu und stellte sie ihm. Sagars Augen leuchteten auf. Er sprach beinahe zehn Minuten lang mit Schwung und Enthusiasmus, unterstrich seine Ausführun-gen dabei mit Gesten und einem engagiert wechselnden Tonfall. Schließlich drehte sich der Übersetzer zu mir und begann: „In 1967, in der Region Naxalbari, gab es einen spontanen Aufstand ...“

ANGELA CORNING

IN THE NAME OF MAO | 1 | 2 |