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DOS & DON'TS
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Ich bestellte mir erst einmal etwas zu essen. Dann setzte ich mich zu ihnen und sagte: „Ich will ganz aufrichtig mit euch sein: Meine Mutter ist eine Weiße, mein Vater ist Schwarzer.“ Sie saßen nur so da. Es war merkwürdig. Die jüngere Frau, Kim*, fragte mich nach „meiner Frau“. „Ist Amie noch in Mexiko?“ „Jap-ja. Sie ist noch nicht zuuuurück. Verrückt. Tja. Sie ist, äh, so beschäftigt.“ „Ja, das klingt so.“ Ich hatte zu diesem Zeitpunkt vergessen, dass ich den Fotografen im Schlepptau hatte. Als ich aufblickte und sah, wie ein Asiate Fotos von uns machte, sagte ich: „Was zur Hölle macht dieser Typ da?“ Toni, die ältere Frau, regte sich auf: „Das darf er nicht! Was treibt der da, macht er Fotos von uns? Das darf er nicht!“Und Kim sagte: „Weißt du, es ist so schade. Diese Leute und ihre Vorurteile. Es ist doch nur traurig, wie er seine Vorurteile auslebt.“ Wir plauderten noch ein bisschen, dann fragten sie, warum ich denn ein Black Israelite werden wollte. Ich sagte: „Amie und ich, wir surften eines Nachts im Internet, und wir ...“ Hier musste ich kurz die Spur wechseln, denn ich fing innerlich schon an zu kichern. Ich hatte dieses Bild im Kopf, von einem Pärchen, das Händchen haltend zusammen im Netz surft und sagt: „Oh, Black Israelites. Das wollen wir uns mal näher anschauen, Liebling, vielleicht könnten wir ein bisschen davon gebrauchen.“ Also, sagte ich: „Ich muss irgendwie meinen Lebenswandel ändern, die Sachen mal etwas ernster nehmen. Ich habe viel herumgefeiert, wisst ihr?“ „Mmmmmmmmmm-hmm. Ganz genau.” Sie hatten immer noch kein Wort über die weißen Teufel verloren. Ich saß da mehr oder weniger mit drei Seinfelds, nach dem Motto: „Was sind das nur für Leute? Was sind das nur für Nerds, und warum sind die so neben der Kappe?“ Der eine Typ mit dem Schlips zum Beispiel. Den konnte ich mir beim besten Willen nicht mit einem Zauberer-Hut verkleidet und unflätig fluchend vorstellen. Es wirkte so weich, wie er auf alles, was ich sagte, mit „Oh, das ist ja wunderbar!“ antwortete. Und dann geschah es endlich. Ganz ruhig schob er mir über den Tisch einen braunen Briefumschlag zu. Ich so: „OK, es geht los. Das ist es!“ Ich öffnete den Umschlag. Es enthielt ein Schriftstück, das wie das Menü eines Pizza-Lieferdienstes aussah, mit lauter kleinen Fotos von Menschen, die wie die Lieferanten aussahen. Der Text klärte einen in einem ruhigen und gefassten Sprachduktus darüber auf, dass Schwarze die ursprünglichen Israeliten seien. Sogar vor dieser alten Kamelle wurde nicht zurückgeschreckt: „Es ist uns egal, ob du schwarz, weiß, lila, grün, gelb oder orange bist! Wir laden alle ein, bla bla bla.“ Mir wurde klar, dass das so dermaßen nicht die richtigen Leute waren! Wie auf ein Stichwort sagte Kim: „Weißt du, es ist unglücklich, aber viele Leute halten uns für hebräische Israeliten. Du weißt schon, die Leute, die an Straßenecken stehen und Passanten anschreien. Sie haben uns sogar angeschrien. Ich habe mal versucht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie nannten mich das Werkzeug des weißen Mannes.“ Toni sagte: „Bei solchen Menschen helfen keine Argumente.“ Bevor ich Gefahr lief, in diesen Nerd-Vibes und dieser Nettigkeit unterzugehen, und dabei noch von einem Undercover-Fotografen abgelichtet zu werden, aß ich meine letzten Pommes und ging heim. DERRICK BECKLES * Die Namen wurden von der Redaktion geändert. |