|
|
DOS & DON'TS
|
|||
![]() ![]()
Vice: Da, wo du lebst, kann es ziemlich ruppig werden. Hast du schon mal Gewalt von Gangs erlebt? Ja! Hier werden Leute umgebracht, erst vor ein paar Monaten wurde jemand erschossen, aber das hatte vielleicht mehr mit Drogen zu tun als mit Gangs. Es gibt Gangs mit asiatischen Kids, die dich anmachen, wenn ihnen dein Aussehen nicht gefällt. Nicht wirklich organisierte Gangs, eher frustrierte Teenager. Ein Freund von mir hat letztes Jahr ein Messer in den Rücken bekommen und konnte monatelang nicht richtig laufen. Ich werde höchstens mal ausgelacht. Vor drei, vier Jahren, als ich mit Schnurrbart und Minirock auf die Straße gegangen bin, hat die das so geschockt, dass sie nicht groß was gemacht haben. Warst du mal in einer Gang? Nur als Kind. Ich war die Anführerin und musste gegen die Anführerin einer anderen Gang kämpfen. Ich hatte viele jüngere Jungs in meiner Gang, aber die haben nicht viel gemacht. In meiner Schule gab es auch einige Gangfights, die ich beobachtet habe. Dabei ging es darum, so viele Verletzungen und so viel Blut wie möglich zu produzieren, bevor die Pause vorbei war. No Bra war mal ein Duo, jetzt bist du alleine. Sind Bands auch Gangs? Es ist eher Hollywood. Bei Musik geht es heutzutage viel darum, Klischees zu reproduzieren, vor allem darum, Machtstrukturen in der Sprache zu reproduzieren. Ich wollte etwas Neues dazwischen finden, das trotzdem Pop ist. Bei vielen Liedern geht es um die eigenen Grenzen und das Versagen, um die Suche nach Dingen, die nicht existieren. Freude ist langweilig … eigentlich sind die meisten Songs ziemlich lustig. Das Album hat so eine Low-Key-Atmosphäre, wie man sie in den frühen 80ern von Rough Trade-Platten oder der John Peel-Show kennt. Das ist keine Absicht. Ich hatte keinerlei Referenz im Kopf, als ich diese Songs geschrieben habe, die Musik ist mit Hard-waresequenzern aus den 90ern gemacht. Aber ich mag diesen Zeitraum, Bands wie TG, Joy Division, Suicide, the Fall. Das hat etwas Nostalgisches, dieses musikalische Experi-mentieren und Punk. Aber die Texte sind darüber, was jetzt passiert, es ist keine dieser postmodernen Sachen. EROS STERNBURG No Bras Dance and Walk erscheint im November auf Muskel. Der Song „no woman no crime“ ist auf der kommenden Girl Monster Compilation von Chicks on Speed. |