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DOS & DON'TS
















ch gehörte zur normalen Klasse, dennoch gab es in meiner Familie viel Geld. Anfangs dachte ich nicht daran, das Land zu verlassen —ich führte in Nordkorea ein angenehmes Leben. Obwohl meine Familie keinen poli-tischen Einfluss hatte, waren die meisten meiner Freunde in der Mittelschicht. 1986 entdeckte ich auf dem Schwarzmarkt in Nordkorea ein Video einer Soap Opera. Eine berühmte südkoreanische Soap namens Die Sanduhr. In Südkorea ein Riesenhit. Und weil sie so interessant war, lieh ich sie vielen meiner Mittelschicht-Freunden aus, die sie wiederum an ihre Freunde weitergaben. So breitete sie sich in der ganzen Mittelschicht aus. Das wurde ein großes Problem. Nordkorea litt zu der Zeit unter einer wirtschaftlichen Depression, und die Regie-rung wollte nicht, dass sich die westliche Kultur, die sogenannte „Gelbe Kultur“, in Nordkorea ausbreitete. Der Nationale Sicherheitsdienst versuchte herauszufinden, wer mit der Verbreitung der Soap angefangen hatte. Viele der Leute, die die Filme gesehen, kopiert und weitergegeben hatten, waren aus der Mittelschicht. Sie besaßen also politische Macht, weil ihre Eltern für die Regierung arbeiteten. Meine Eltern hatten zwar Geld, arbeiteten aber nicht für die Regierung. Ohne politischen Einfluss wurde ich zum Sündenbock der ganzen Geschichte gemacht, und die Regierung beschloss, mich nach China zwangsumzusiedeln. Irgendjemand musste ja bestraft werden, und mich traf es halt. Laut der Regierung hätte ich wieder-kommen können, sobald alle den Zwischen-fall vergessen hätten.

Ich blieb eine Weile in der Wharyong-Gegend, da es nahe der Grenze liegt. Dann entschied ich mich in China zu bleiben. Ich zog tiefer ins Landesinnere, wobei ich gefasst wurde und man mich zurück nach Musan schickte, wo ich eine Woche lang von nordkoreanischen Offizieren verhört wurde. Sie verlegten mich nach Chung Jin, und es folgten weitere Verhöre des Nationalen Sicherheitsdienstes. Ich schlief in einem kleinen Raum aus Beton. Nachts durfte ich mich nicht zum Schlafen hinlegen—die Wärter ließen mich nicht. Es gehörte zu meiner Bestrafung, im Sitzen schlafen zu müssen. Einmal täglich bekam ich eine kleine Schale Mais, Bohnen und Gemüse. Später wurde ich täglich in einen anderen Raum mit einem Tisch und zwei Stühlen gebracht und dort von zwei Männern gefoltert, 40 Tage lang. Ich hatte Angst—Todesangst. Die Männer hatten den Auftrag, antikommunistische Spione zu finden und zu diesem Ziel wurde ich gefoltert. Mir wurden am ganzen Körper die Knochen gebrochen. Sie stellten mir immer wieder dieselben Fragen: „Warum sind Sie tiefer nach China hinein geflohen? Wo haben Sie das Video her? Sind Sie im Kontakt mit südkoreanischen Spionen? Haben Sie noch andere Bänder? Warum sind Sie so antikommunistisch?“

Wenn ich ihnen keine oder falsche Antworten gab, traten, schlugen oder prügelten sie mit großen Holzstöcken auf mich ein. Es gibt eine Folterart, welche „die Taube“ heißt. Sie banden mir die Arme und Beine hinter dem Rücken zusammen und hingen mich dann an den Händen und Füßen an die Decke, sodass ich in der Luft hing wie eine Taube. In der Regel ließen sie mich zwei bis drei Stunden so hängen. Da der Kopf schwer ist, hängt er in der Taubenposition nach unten, und das Blut läuft einem in den Kopf. So kann das Hirn nicht richtig arbeiten, und man verliert das Bewusstsein. Immer wenn ich in Ohnmacht fiel, tauchten sie meinen Kopf ins Wasser. Ich wachte auf und das Ganze ging von vorne los. Beim Verlust des Bewusstseins, vergaß ich oft, wo ich war und beim Aufwachen fiel es mir wieder ein. Aber nach zehn Tagen Schläge und Folter denkt man nur noch daran, so schnell wie möglich zu sterben. Als mir nach dem Aufwachen also bewusst wurde, dass ich im Gefängnis war, fragte ich mich nur: „Warum lebe ich noch? Ich will sterben, sterben, sterben.“ Viele Menschen sterben tatsächlich während der 40 Tage des Verhörs, also erwartete ich ebenfalls, früher oder später tot zu sein. Es gab keine Hoffnung da herauszukommen. Ich wollte einfach nur, dass alles aufhörte: die körperlichen Schmerzen und die ganze Sinnlosigkeit. Ich wollte nur noch sterben. Wenn man so oft geschlagen wird, kommt man an einen Punkt, an dem man nichts mehr fühlt. Noch nicht einmal körperlichen Schmerz, man ist völlig abgestumpft. Es ist wie in einem Boxkampf, bei dem der Boxer auch nicht viel Schmerz verspürt … Die Sensoren des Körpers stumpfen ab. Ich spürte also nach einem gewissen Zeitraum der Qualen kaum noch etwas.

Als meine 40 Tage um waren, wurde ich mit dem Zug ins Gefängnis nach Nordkorea geschickt. Während der Fahrt war ich deprimiert. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, in Nordkorea im Gefängnis zu sitzen und beschloss, Selbstmord zu begehen. Ich sprang von dem fahrenden Zug aus in einen Fluss, aber wie durch ein Wunder starb ich nicht. Danach machte ich mich auf den Weg nach Südkorea.

AUFGESCHRIEBEN VON AMIE BARRODALE


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