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DOS & DON'TS













TEXT UND BILDER: JON FOX




m zweiten konferenztag deutet Richard Falkenrath, ein ehemaliger Sicherheitsberater von Präsident Bush und jetziger Chef der Antiterrorismuseinheit der New Yorker Polizei, an, dass der starke Fokus auf die per Schiff transportierten Container wahrscheinlich fehlgeleitet sei.

„Mir scheint, dass Washington sich auf ein ganz bestimmtes Beförderungssystem versteift hat—nämlich internationale Schiffs-container—und das aus Gründen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann“, sagt er.

Er beantwortet damit auf gewisse Weise die Frage, die ich am Vortag vergeblich gestellt habe. Er vertritt zudem die Ansicht, dass das Budget einer 40 Millionen Dollar teuren Initiative, bei der New York mit einem Ring aus Strahlungsdetektoren umgeben werden soll, entgegen eines kürzlichen Vorstoßes des Kongresses nicht um die Hälfte gekürzt werden solle.

Anstatt sich so viele Gedanken über Schiffscontainer zu machen, sollten die Leute in den Städten, wie er sagt, eher wegen der Klein-busse und Lastwagen besorgt sein, die sich unter den Verkehr mischen und schmutzige Bomben an ihr Ziel bringen könnten. „Das sind die Beförderungsmittel, die uns die größten Sorgen machen.“

In einer dicht besiedelten Stadt wie New York, könnte so ein Angriff katastrophale Folgen haben. Obwohl weniger gravierend als ein improvisierter nuklearer Angriff, ist dieses Szenario gleichzeitig sehr viel wahrscheinlicher.

Eine schmutzige Bombe mit dem radioaktiven Alkali-Metall Cäsium 137 würde wahrscheinlich keine sehr große Anzahl an Personen töten—möglicherweise nicht mehr als ein konventioneller Bombenanschlag—sie könnte aber, dank des weit über dem Toleranzbereich liegenden Strah-lungsniveaus, große Teile der Stadt unbewohnbar machen.

Das Isotop könnte eine Ver-bindung mit dem Beton und den Gebäuden eingehen. „Man kann es nicht einfach abwaschen. Man müsste alles abreißen und komplett neu bauen“, sagt er. Es wäre ein „Albtraum-Szenario“.


Nach einem tag voll solcher und ähnlicher Vorträge ist sich das FBI nicht zu schade, uns alle nach South Beach rüberzukutschieren, damit wir die Touristenmeile sehen können. Vielleicht ist es eine Nettigkeit, damit wir uns die 25 Dollar für das Taxi sparen oder eine Sicherheitsmaßnahme für die Wissenschaftler und Ordnungskräfte, welche die unglaubliche Schwüle des Juniwetters hier in Südflorida genießen—auf jeden Fall verlassen jeden Abend um 20 und um 21 Uhr zwei Busse das Hotel in Richtung Strand. Mit einem ganzen Geschwader Motorradcops der Polizei Miamis rasen wir über rote Ampeln, während unzählige weitere Polizisten die Kreuzungen blockieren und den Verkehr stoppen.

Einige der Passanten lächeln in die getönten Scheiben, so ziemlich alle starren uns an. Ich bemerke eine Frau, die uns mit der für das britische Königshaus typischen Handbewegung mit den leicht ge-krümmten Fingern zuwinkt.

Um 23 Uhr und dann wieder um Mitternacht sind die Busse und die Motorradeskorte wieder zur Stelle, um uns ins Hotel zurückzubringen. Am ersten Abend sehe ich, als ich in den 23-Uhr-Bus steige, wie eine Frau von irgendeinem osteuropäischen Verteidigungsminis-terium vor einem der gestiefelten Polizisten posiert, während ein Kollege ein Foto macht.

Auf der Rückfahrt sitze ich neben einem Terrorismusberater aus Rumänien und mache Small Talk.


Am nächten tag gehe ich zu einer der verkaufsbuden, an der zwei Typen neben einer mit einem schwarzen Strahlenanzug bekleideten Schaufensterpuppe sitzen und Zeitung lesen. Das komplette Outfit ist für 1.000 Dollar zu haben und, wie sie sagen, man wäre damit ziemlich aus dem Schneider, falls zufällig ein paar Straßen weiter eine schmutzige Bombe hochgehen sollte. Sie bieten mir an, das Ding, welches sich ein bisschen wie ein sehr schwerer Taucheranzug anfühlt, doch mal anzuprobieren.

Also, das ist gut gegen eine schmutzige Bombe, aber wenn am anderen Ende der Stadt eine Atombombe einschlüge und ich zufällig nicht bei der eigentlichen Explosion umgekommen wäre, würde mich das hier dann vor der Strahlung schützen, frage ich.

„Dann steckst du, ehrlich gesagt, ziemlich in der Scheiße“, sagt der dickere der beiden. Die Schuhe, Handschuhe und das Atemgerät werden separat verkauft. Sie versichern mir, dass sie mir das relativ günstig anbieten können.

Am Mittwoch werden wir alle mit Bussen (wieder mit der Motorradeskorte) zum Orange Bowl Stadion gebracht, um einer, wie sich herausstellt, nicht wirklich beeindruckenden Demonstration einer simulierten Reaktion auf eine simulierte schmutzige Bombe in einem simulierten Lagerhaus beizuwohnen. Ein Sturmtrupp kommt aus einem Blackhawk-Helikopter gesprungen, der hinter einem nahe gelegenen Palmenhain gelandet ist. Anscheinend wollten sie das Sondereinsatzkommando ursprünglich direkt im Stadion absetzen. Aber der durch die Rotorblätter verursachte Auftrieb hätte die Gitterwände umgeworfen, welche die Wände des Lagerhauses darstellen sollen. Nachdem die vermeintlichen Terroristen mit Gotcha-Sturmgewehren neutralisiert worden sind, holt die Bombeneinheit einen klapprig wirkenden Roboter dazu. Dieses Ding beschießt dann eine kleine Metallkiste mit ein bisschen Wasser, das man in Ge-wehrpatronen gefüllt hatte.

Et voilà, mit einem Schwapp Wasser ist die Kiste im Nu vom Tisch befördert, und es wurden gleichzeitig die Zündmechanis-men im Inneren des Gerätes entschärft! Simulierte Krise be-

wältigt! Die Menge bricht in tosenden Applaus aus. Kleiner Scherz. Natürlich sagt niemand einen Mucks.


An meinem letzten abend in Miami nehme ich den Partybus zurück nach South Beach. Um 22 Uhr bin ich bereits im Mango’s Tropical Café. Kellnerinnen in hautengen Hosenanzügen mit Leopardenmuster stehen abwechselnd auf, um halbherzig einen Tanz auf der U-förmigen Bar in der Mitte des Klubs hinzulegen. Der ganze Laden ist voll mit FBI-Agenten in Shorts und heraushängenden Hemden und ausnahmslos nüchternen Haarschnitten. Dazu kommen ein paar amerikanische Regierungsbeamte und ausländische Vertreter. Da ist der Typ, der am Vormittag eine lange und extrem einschläfernde Powerpoint-Präsentation zum Besten gab. Er isst an einem Tisch, den nur wenige Zentimeter von einer Frau trennen, die auf einer behelfsmäßigen Bühne die Hüften schwingt. Ein Einsatzverband des FBI aus einer Stadt des Nordostens treibt sich in der Nähe des Eingangs herum. Noch näher an der Bühne gibt es einen Tisch voller Bulgaren—drei Männern und eine Frau, die freudlos vor sich hin rauchen. Sie reden nicht und scheinen sich die Show gar nicht anzusehen, bis einer der Türsteher eine der Tänzerinnen von der Bar hebt, woraufhin drei Männer auf die Bühne steigen und eine einstudierte Tanznummer hinlegten, die mit nackten Männerbrüsten endet. Die Bulgaren wenden sich der Bühne zu und sind ganz offensichtlich wenig begeistert. Sie gehen kurz darauf.

Die tanzenden Kellnerinnen mit ihren bemerkenswerten Hosenanzügen beginnen wieder mit ihren abwechselnden Runden auf der Bühne, und ich verbringe meinen letzten Abend in Miami Bier trinkend mit einem Typen, der einen „top secret“-Hochsicherheitsstatus innehat. Ich kann nur hoffen, dass das FBI schon die Konferenz für das nächste Jahr plant, vielleicht in Las Vegas. Je heller unsere Lichter leuchten, desto mehr hassen uns die Terroristen. Tanzt Mädels, tanzt!


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