FOTOS UND INTERVIEWS: MISCHA GALUSTOW KOORDINATION: ALEXA KAROLINSKI

n einem Land, in dem die meisten Leute glauben, dass du das Virus bekommen kannst, wenn du mit einem Infizierten vom gleichen Teller isst, werden die HIV-positiven Russen dazu gezwungen, ihre Krankheit vor Verwandten, Freunden und Bekannten zu verheimlichen. Es findet nicht nur eine Stigmatisierung stattwenn bekannt wird, dass du infiziert bist, verlierst du sogar deinen Job und wirst verbannt.
Als Ergebnis dieser hexenjagdartigen Kultur der Schande, Ignoranz, Desinformation und schockierenden Dummheit hat Russland eine der am stärksten ansteigenden HIV-Infektionsraten auf der Welt. Die UNICEF schätzt, dass es 2005 rund 940.000 Menschen in Russland gab, die HIV haben. Darunter vermutlich 160.000 Kinder, die von ihrer Mutter bei der Geburt infiziert wurden.
HIV-infizierte Mütter geben ihre Kinder in der Regel nach der Geburt aboder sie verheimlichen, dass ihr Kind das Virus in sich trägt. In keinem der unzähligen russischen Waisenhäuser leben offiziell HIV-positive Kinder. Wir haben uns vor kurzem dazu entschlossen, einige dieser Heime in Russland zu besuchen, um herauszufinden, ob das stimmt. Wir wurden aus fünf Einrichtungen geschmissen und mussten einige Stunden in einer dreckigen Polizeistation verbringen, nachdem ein Mann von der Miliz uns unsere Kamera weggenommen hatte. Schließlich fanden wir ein Waisenhaus, in das wir reingelassen wurden und in dem wir fragen konnten, ob wir den Kindern ein paar Fragen stellen dürfen und ein paar Fotos machen können. Der einzige Grund, warum wir dort reingekommen sind, ist, dass wir von einem Helfer einer NGO begleitet wurden. Es ist allgemein bekannt, dass es sich um einen Ort handelt, in dem HIV-positive Kinder untergebracht werden, nachdem sie das achte Lebensjahr überschritten haben und nicht mehr in speziellen Kliniken bleiben dürfen. In diesem Waisenhaus leben sie mit gesunden Kindern zusammen. Wir wussten nicht, welches der Kinder HIV hat und welches nicht. Und sie wussten es auch nicht ...
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Vice: Wie geht es dir heute?
Serjoscha, 7 [rechts]: Sehr gut. Ich habe gerade Mittag gegessen, und ich würde jetzt gern spielen gehen, aber die Krankenschwestern sagen, dass ich eine Stunde warten muss. Sie sagen, dass das besser für meinen Magen ist.
Damit haben sie völlig recht. Du könntest Bauchschmerzen bekommen. Wie lange bist du schon hier?
Noch nicht so lange. Seit ein paar Monaten oder so.
Wo warst du vorher?
In einem anderen Haus für Kinder, aber es hat mir dort nicht gefallen. Ich bin nicht mit den anderen Kindern klargekommen, und die Krankenschwestern waren unfreundlich. Es gab dort auch viele richtig kranke Kinder.
Weißt du, was für eine Krankheit sie hatten?
Ich habe keine Ahnung. Die Krankenschwestern haben mir nie etwas gesagt.
Bist du krank?
Ich bekomme jede Woche Injektionen und muss Pillen nehmen, aber ich bin nicht krank. Ich kann alles machen. Wenn du krank bist, musst du im Bett bleiben, und das muss ich ja nicht.
Weißt du, warum du die Medikamente nehmen musst?
Ich bekomme die Tabletten, damit ich nicht krank werde. Die Krankenschwestern haben gesagt, dass man im Winter leicht krank wird.
Hast du schon mal etwas von HIV gehört?
Nein.
Hast du deine Eltern kennen gelernt?
Ich habe meine Mutter letztes Jahr getroffen. Meinen Vater habe ich noch nie gesehen. Meine Mutter hat mir erzählt, dass mein Vater ein Geschäftsmann ist und dass er viel reist.
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CONTINUED:
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