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DOS & DON'TS
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Tag EINS: Gegen ein Uhr mittags merke ich, dass ich mich auf dünnes Eis begebe. Ich verhungere JETZT schon. In der Spüle liegt noch etwas Reis, der verführerisch riecht. Tag ZWEI: Ich träume von Kambodschanern, die mit Messern an einer Wasserleiche herumschnibbeln. Als ich das Bett verlasse, werde ich beinahe ohnmächtig. Mein Atem schmeckt nach altem Mann und meine Zunge ist ganz weiß. Als ich abends eine Party in einer Gegend verlasse, in der ich mich eigentlich ganz gut auskenne, fühle ich mich buchstäblich benebelt und verlaufe mich. Tag DREI: Ich verbringe den Tag mit Fernsehen und Körperpflege. Ich räume auch meine Wohnung auf. Ich bin eigentlich keine unordentliche Person, deshalb beschränke ich mich auf das Sortieren meiner Kräuterteesammlung. Leute rufen an, um mit mir wegzugehen, aber ich geh nicht ans Telefon, aus Angst einen neuen Anfall zu kriegen. Ach, ich hab was vergessen. Gestern, als ein Türsteher mich angeschrieen hat, hab ich geweint. Tag VIER: Ich sehe vier weitere Filme. Ich verspüre keinen Hunger mehr. Ein wohliges Prickeln fährt durch meinen Körper, durch meine Brust und in meinen Kopf. Ich bin so glücklich! Tag FÜNF BIS SIEBEN: Ich bin nicht zu erschüttern. Die Leute können sagen, was sie wollen, es ist jedes Mal so: „Hier bin ich, mach ein Gesicht wie ein Mannequin und ihr könnt mich nicht aus der Ruhe bringen!“ Außerdem bin ich verdammt dünn geworden und rosa wie ein neugeborenes Baby. Ich schlüpfe in ein Paar Wollhosen, die ich mal mit 18 geschneidert habe. Bei der Arbeit bemerke ich die ganzen Schönheitsfehler an meiner Kolleginnen. Sogar die Dünneren haben einen unförmigen Arsch. Tag ACHT: OK, scheiß drauf, ich werde sterben. Ich sehe aus wie Dreck. Mein Boss benutzte in einer E-Mail die Formulierung „um Himmels Willen“ und ich schrie so laut ich konnte: „Sie Arschloch!“ Ich falle hier auseinander. Bitte, ich bin so hungrich. Bittä, un ich will wassu essen. Alles wüade helfn. Tag NEUN: Ich bleibe heute zu Hause, ich fühle mich nicht danach, zu arbeiten. Ich laufe drei Meilen. Ich probiere Kleider an. Ich bin schon nicht mehr so fett, aber ich will mindestens 20 Pfund verlieren. Ich kaufe eine Waage: 14 Pfund verloren. Scheiße. Ich werde magersüchtig bleiben. Tag ZEHN: Um Mitternacht presse ich sechs Orangen aus und trinke den Saft im Stehen. Dann lutsche ich das Fruchtfleisch aus der Presse. Bis ich ins Bett gehe, habe ich zwanzig Orangen gegessen. Mein Arsch platzt gleich. Magersucht ist cool und alles aber ich muss einfach essen, euch alle. Ich sein hungrig! CASEY KITCHENS |