Es über 80 Nationen gerecht zu machen, kein leichtes Unterfangen. Sie splitten das Essen in Normal- und Moslem-Kost. Damit sind 85% abgefüttert, der Rest freut sich auf vegetarische Mahlzeiten, Diabetikernahrung und verschiedene Überempfindliche nehmen an Ei-, Käse- und Fischaustausch teil. Nur die kränklich Mageren erhalten nach intensiver Arztvisite Joghurt-, Quark-, Obst- oder Rohkostzulage (sehr begehrte Tauschmittel!).

Über alldem herrscht unser klassisch-deutsches Grundnahrungsmittel: die Kartoffel! Die in abgewandelter Ausführung, in Breiform, als „NATOkit“ verschrien und gefürchtet ist. Ein undefinierbares Instantpulver, das nach der Verbindung mit Wasser eine klebrig zähflüssige Masse ergibt, die dank Farb- und Aromastoffen den Geruch der Erdfrucht assoziieren lässt. Nur ganz hartnäckige Esser langen da zu, ansonsten gehen die Tröge, so voll wie sie gekommen sind, zurück in die Küche.

Seit einiger Zeit hat das Reiskorn den Fuß in der Tür. Aber die mag nicht so recht aufgehen, das traditionell bewährte Kartoffelgericht liegt wie ein Sack nassschwerer Eicheln davor. Unsere Asiaten würdigen den Reis nicht eines Blickes, was so manchen Deutschen ehrfurchtsvoll ebenso auf Abstand hält.

Doch endlich zum Hauptgericht, denn 1.700 Mann, die ihre Muskeln in den Arbeitsbetrieben mit Klimmzügen und Liegestützen in unscheinbaren Ecken stählern, schreien: Hunger! Und die deutsche Food-Industrie antwortet mit Pressfleisch und Fisch. Das heißt, zerhackt-zerspalten, zugeschüttetet, vermanscht-verrührt, werden Substanzen in Formen gegeben und unter Hitze gepresst. Das Endprodukt weckt visuell rustikale Erinnerungen nach Ursprünglichem, Gegrilltem, Pfannengerichten, Steakhouse-Besuchen, die sich beim ersten Biss Richtung Toilette verlieren.

Gäbe es da nicht die ausgewogenen Sonntage, an denen deutsches Brauchtum noch gepflegt wird: Hähnchenkeule, Putenbrust, Schweine- oder Schmorbraten, Wildgulasch und Rouladen.

Hoffnung ist der Träger, der uns am Leben hält. Doch in ihrem Schatten ist immer die Gier und bei über 1.000 Strolchen verschwinden bereits in Küchen- und erstem Zuteilungsbereich zig gute Stücke, die erst auf Schleich- und Schiebewegen wieder auf den Stationen auftauchen. So mancher Blick in nachmittägliche Zellen erinnert mich an meine ersten Max-und-Moritz-Geschichten, in denen den liebenswerten Bösewichtern die Hühnerkeulen aus den Mundwinkeln herauslachten.

Bei alldem, was kann Justitia schon dafür, dass sie eine Augenbinde trägt. Doch wenn man ihr diese abzieht, bleibt der gute Wille, denn es gibt ganz andere Knäste auf dieser Welt, in denen es ein Traum bleiben wird, mittags einen Apfel, einen Joghurt, abends ne Tomate oder Radieschen zu verdrücken. So viele notorische Nörgler haben draußen nicht die Spur besser gegessen. Bon Appetit!

EUER MANN VOM PLANET TEGEL


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Subject: doof?
Date: Apr 07 2006 03:48:49 AM
Author: sinn?

was soll das?



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