|
|
DOS & DON'TS
|
|||
![]() ![]()
Trotz allem scheint im gegenwärtigen Rap-Business seine Relevanz in Gefahr zu sein. In der Tat, was hat denn ein nicht mehr ganz so junger Exzentriker einem Publikum aus Reggaeton-verdorbenen Borinqueñas und suburbanen G-Unit-Soldaten mit schlimmen Frisuren zu bieten? Die Antwort: einen kryptischen, experimentellen und entschieden ungewöhnlichen Rap-Klassiker. Lasst uns mal kurz auf Tony Starks Diskographie schauen: Ironman kam auf dem Höhepunkt der Wu-Ära raus, als RZAs unbeholfene Percussion und Lo-Fi-Kirchengesänge nichts falsch machen konnten. Vier Jahre später kommt Supreme Clientele und ist absolut perfekt. Es bringt mühelos die alte Wu-Nostalgie wieder hervor und festigt Ghosts Ruf als einzig verbliebender Star des Clans. Trotzdem versuchte der Deini, die Formel im folgenden Jahr mit Bulletproof Wallets zu kopieren und floppte. Und um ehrlich zu sein, von der tollen ersten Single abgesehen, war das 2004er Pretty Toney Album auch nichts Besonderes. Wie schafft es also das neue Album Fishscale, die Magie von Supreme Clientele zu erreichen und sogar noch zu übertreffen? Also, erstmal ist RZA draußen. Seltsam genug, dass der Wally Champ ihn durch die Backpacker-Superlegende MF Doom ersetzt hat. Und das Ergebnis ist spektakulär. Statt Ghostfaces Eigenheiten zu verbergen, wie das in seinen früheren Alben der Fall war, werden diese auf Fishscales noch betont. So bekommt man die Spontaneität von Clientele gemischt mit der brettharten Wortgewalt von Ironman. Nochmal. Vielleicht ist der ernährungsbesessene Doom ja für Ghosts Verjüngungskur zuständig. Um das rauszufinden, schnappten wir uns den Giganto-MC am Cateringtisch zum Dreh seines neuen Videos. Wie Jay es mal sagte: „This is Food for thought, so get a plate.“ Vice: Wie war das Catering heute, Ghost? Ghostface: Ich hab gar nichts abgekriegt, G. Ich kam heute Morgen rein und da lag Schweinefleisch. Ich hab diesen Scheiß nicht bestellt, das Schwein war halt schon in der Küche. Also hab ich gesagt, was ich sagen musste, etwas rumgebellt, „cut hat shit“ und so und dann sind sie los und haben mir was anderes besorgt. So drei Stunden später. Irgendjemand ging zu einem Laden und hat mir ein kleines Irgendwas besorgt. Vor einigen Jahren gab’s von dir ein Mixtape namens No Pork on My Fork. Ja, Kay Slay hat das Mixtape so genannt. Es ist echt nur ein Name. Aber diese CD war ehrlich, also es gibt definitiv kein Schwein auf meiner Gabel, Punkt. Wenn also das Catering heute für’n Arsch war, wie sähe denn dein perfektes Büffet aus? Ich würde Soul Food auftischen, verstehst du? Makkaroni und Käse, Maisbrot, weißt du was ich meine? Wie ich es in dem Track „Fish“ erzähle. Es könnte auch Truthahnkeule oder Fleischbällchen geben. Mal sehen, was noch? Pasta oder gefüllte Tacos oder Lasagne oder Ziti oder so. Das ist es, weißt du? Wir können auch ein Steak essen. Was hast du gemeint, als du sagtest, „my raps is like ziti“? Genau so mache ich das, so setze ich meine Wörter in meinem Flow zusammen, in meinem Denken. Manchmal hole ich sie von weit her, so klingt das dann auch. My raps is like a bangin’ pot of ziti, you know what I mean? Also würdest du keine ausgefallenen Sachen auftischen. Keinen Kaviar oder anderen Bonzenkram. So was nicht. Kaviar? Hab ich mein Leben noch nicht probiert, B. Was gibt’s zu trinken? Das Beste gibt’s direkt hier: Wasser. Das trinke ich den ganzen Tag. Dieses Vitamin-Wasser schmeckt mir auch, da ist nicht so viel Zucker drin, das tut mir gut. Das gefällt mir [zeigt auf den Wasserhahn]. Das ist das beste Wasser, genau hier, G. [zu seinem Manager] Der weiß gar nichts davon, [wieder zu Vice] du weißt nichts über Leitungswasser. Bevor es Wasser in Flaschen gab, war Leitungswasser alles, was du hattest. Das ist die Hood, Alter, du rennst ins Bad und das Zeug konnte scheißkalt sein. Trink es direkt aus dem Hahn, scheiß auf den Becher, weißt du, was ich mein’? So ist das, G. Die Hood ist jetzt anders, heute haben wir Wasser in Flaschen, so einen Scheiß gab es früher nicht. Jetzt kann man für Wasser bezahlen, siehst du? Du sagtest auch mal „sugar-water was our thing“. Bestimmt trinken das immer noch einige, aus Gewohnheit. Ja, wahrscheinlich schon, aber ich habe es seit damals nicht mehr probiert. Zuckerwasser, das war damals, als wir arm waren. Wahrscheinlich würde ich durchdrehen, wenn ich jetzt Zuckerwasser trinke. |