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DOS & DON'TS









Photo by Chris Glancy






Was könnte man an dieser Stelle noch über ghostface sagen? Dieser Typ verkörpert jeden einzelnen Aspekt, für den dieses Magazin steht. Sein musikalisches Talent ist ungewürdigt, aber doch unerreicht. Er allein ist verantwortlich für das soulige Sampling, das Kanye groß machte, für die Emo-Raps, die zu Jay-Zs Markenzeichen wurden und für die Clarks Wallabees, die dich durchs Leben bringen, ohne dass du je spießige Schuhe tragen musst. Sein retrofuturistischer Slang ist unnachahmlich. Er gab Trucker Jewels eine neue kulturelle Signifikanz. Er ist der einzige Grund, warum du einen Bademantel besitzt.

Trotz allem scheint im gegenwärtigen Rap-Business seine Relevanz in Gefahr zu sein. In der Tat, was hat denn ein nicht mehr ganz so junger Exzentriker einem Publikum aus Reggaeton-verdorbenen Borinqueñas und suburbanen G-Unit-Soldaten mit schlimmen Frisuren zu bieten? Die Antwort: einen kryptischen, experimentellen und entschieden ungewöhnlichen Rap-Klassiker. Lasst uns mal kurz auf Tony Starks Diskographie schauen: Ironman kam auf dem Höhepunkt der Wu-Ära raus, als RZAs unbeholfene Percussion und Lo-Fi-Kirchengesänge nichts falsch machen konnten. Vier Jahre später kommt Supreme Clientele und ist absolut perfekt. Es bringt mühelos die alte

Wu-Nostalgie wieder hervor und festigt Ghosts Ruf als einzig verbliebender Star des Clans. Trotzdem versuchte der Deini, die Formel im folgenden Jahr mit Bulletproof Wallets zu kopieren und floppte. Und um ehrlich zu sein, von der tollen ersten Single abgesehen, war das 2004er Pretty Toney Album auch nichts Besonderes.

Wie schafft es also das neue Album Fishscale, die Magie von Supreme Clientele zu erreichen und sogar noch zu übertreffen? Also, erstmal ist RZA draußen. Seltsam genug, dass der Wally Champ ihn durch die Backpacker-Superlegende MF Doom ersetzt hat. Und das Ergebnis ist spektakulär. Statt Ghostfaces Eigenheiten zu verbergen, wie das in seinen früheren Alben der Fall war, werden diese auf Fishscales noch betont. So bekommt man die Spontaneität von Clientele gemischt mit der brettharten Wortgewalt von Ironman. Nochmal. Vielleicht ist der ernährungsbesessene Doom ja für Ghosts Verjüngungskur zuständig. Um das rauszufinden, schnappten wir uns den Giganto-MC am Cateringtisch zum Dreh seines neuen Videos. Wie Jay es mal sagte: „This is Food for thought, so get a plate.“

Vice: Wie war das Catering heute, Ghost?

Ghostface:
Ich hab gar nichts abgekriegt, G. Ich kam heute Morgen rein und da lag Schweinefleisch. Ich hab diesen Scheiß nicht bestellt, das Schwein war halt schon in der Küche. Also hab ich gesagt, was ich sagen musste, etwas rumgebellt, „cut hat shit“ und so und dann sind sie los und haben mir was anderes besorgt. So drei Stunden später. Irgendjemand ging zu einem Laden und hat mir ein kleines Irgendwas besorgt.

Vor einigen Jahren gab’s von dir ein Mixtape namens No Pork on My Fork.

Ja, Kay Slay hat das Mixtape so genannt. Es ist echt nur ein Name. Aber diese CD war ehrlich, also es gibt definitiv kein Schwein auf meiner Gabel, Punkt.

Wenn also das Catering heute für’n Arsch war, wie sähe denn dein perfektes Büffet aus?

Ich würde Soul Food auftischen, verstehst du? Makkaroni und Käse, Maisbrot, weißt du was ich meine? Wie ich es in dem Track „Fish“ erzähle. Es könnte auch Truthahnkeule oder Fleischbällchen geben. Mal sehen, was noch? Pasta oder gefüllte Tacos oder Lasagne oder Ziti oder so. Das ist es, weißt du? Wir können auch ein Steak essen.

Was hast du gemeint, als du sagtest, „my raps is like ziti“?

Genau so mache ich das, so setze ich meine Wörter in meinem Flow zusammen, in meinem Denken. Manchmal hole ich sie von weit her, so klingt das dann auch. My raps is like a bangin’ pot of ziti, you know what I mean?

Also würdest du keine ausgefallenen Sachen auftischen. Keinen Kaviar oder anderen Bonzenkram.

So was nicht. Kaviar? Hab ich mein Leben noch nicht probiert, B.

Was gibt’s zu trinken?

Das Beste gibt’s direkt hier: Wasser. Das trinke ich den ganzen Tag. Dieses Vitamin-Wasser schmeckt mir auch, da ist nicht so viel Zucker drin, das tut mir gut. Das gefällt mir [zeigt auf den Wasserhahn]. Das ist das beste Wasser, genau hier, G. [zu seinem Manager] Der weiß gar nichts davon, [wieder zu Vice] du weißt nichts über Leitungswasser. Bevor es Wasser in Flaschen gab, war Leitungswasser alles, was du hattest. Das ist die Hood, Alter, du rennst ins Bad und das Zeug konnte scheißkalt sein. Trink es direkt aus dem Hahn, scheiß auf den Becher, weißt du, was ich mein’? So ist das, G. Die Hood ist jetzt anders, heute haben wir Wasser in Flaschen, so einen Scheiß gab es früher nicht. Jetzt kann man für Wasser bezahlen, siehst du?

Du sagtest auch mal „sugar-water was our thing“. Bestimmt trinken das immer noch einige, aus Gewohnheit.

Ja, wahrscheinlich schon, aber ich habe es seit damals nicht mehr probiert. Zuckerwasser, das war damals, als wir arm waren. Wahrscheinlich würde ich durchdrehen, wenn ich jetzt Zuckerwasser trinke.

Wie bereitet man es zu?

Einfach ins Wasser, G, Zucker und Wasser. Aber es ist nicht gut für die Zähne, nicht mal für deinen Körper, echt, weißt du, was ich mein’? Weißt du, wenn du arm bist und in der Hood aufwächst, dann gibt’s keinen Luxus und so. Und als Kind liebst du Zucker. Es war nicht so, dass deine Mutter dir gesagt hat, du sollst es machen. Du hast es einfach selbst gemacht.

OK, also nur Wasser auf dem Tisch, keinen Saft.

Ich meine, es ist doch immer das, was deiner Zunge schmeckt. Wenn deine Zunge gerne Orangen schmeckt oder Trauben, dann holst du dir einen Saft. Was immer deiner Zunge schmeckt, das schmeckt ihr, verstehst du? Orangensaft, Apfelsaft, Limonade, Eistee—ich trinke gerne Eistee, den ganz normalen, Nestea und so ein Zeug.

Wie ist es mit gutem Wein? Sieht aus als hättest du während der Cuban-Linx-Ära daran Interesse gefunden?

Eine meiner Mädels hat immer Wein und so einen Scheiß getrunken. Ich kenne mich aber mit Namen nicht so aus, ich weiß nur Opus One, das ist der liebliche. Aber keine Ahnung von den ganzen Cabernets und dem Scheiß.

Chardonnays?

Oh, es gibt einen Chardonnay und einen Cabernet? Siehst du, das wusste ich nicht, weißt du, was ich mein’? Ich dachte, es gäbe nur Cabernets und Merlots. Wein ist Wein, aber der lieblichste ist Opus.

Jetzt zum Nachtisch des Büffets. Was brauchst du?

Ich habe keine Lieblingsnachspeise, weißt du, aber ich liebe Eiscreme. Ich bin Diabetiker, aber ich liebe trotzdem Karottenkuchen und Schokoladenkuchen und Obstkuchen und so eine Scheiße. Weißt du, was ich meine? Kekse hier und da, kommt auf die Kekse an und wie sich die Zunge fühlt. Ich interessiere mich nicht so für Desserts. Obwohl ich meiner Oma gerade einen Karottenkuchen geschickt habe.

Ein Song von dir heißt „Mighty Healthy“. Du warst nie Vegetarier, oder?

Nee, Mann. Ich bin kein Vegetarier, G. Ich esse mein Gemüse und so, weißt du, aber ab und zu auch mal ein wenig Fleisch. Weißt du, was ich mein’, Geflügel und so’n Scheiß.

Es sieht aus, als hättest du etwas abgenommen. Kann man sagen, du achtest auf deine Ernährung?

Hier und da. Eben habe ich nur Kohlenhydrate gegessen. Also weißt du, solange ich mein Insulin nehme, geht es mir gut. Ab und zu etwas trainieren und mir geht’s gut. Aber ich achte nicht so sehr auf den ganzen Scheiß. Ich bin ein normaler Mensch. Ich renne rum und so. Manchmal isst man nicht so korrekte Sachen, wenn man unterwegs ist, weißt du? Ich habe niemanden, der jeden Tag für mich kocht, deshalb esse ich halt, was ich essen kann. Ich könnte für mich selbst kochen, aber so einen Scheiß mache ich nicht so oft, weißt du, was ich mein’? Aber wenn ich so was mache, dann natürlich richtig. Du weißt, mit meinen Mamas und so, da hatte ich immer mit so’nem Scheiß zu tun. Ich weiß, wie es geht. Nur ist man dann ja doch zu faul, sich mal die Mühe zu machen. Aber ich besitze Töpfe und Pfannen, G.

BUSTA NUT
Fishscale ist auf Def Jam erschienen.