AFX Alden Tyrell Doshhammer Motor

Eines Montag Morgens vor ein paar Wochen wachte ich auf, um zu entdecken, dass mein Mitbewohner von einem dreitägigen Rave zurückgekehrt war, zusammen mit einer Hand voll Leuten, die er unterwegs auf diversen After-Hour-Partys aufgelesen hatte. Sie machten alle einen äußerst erfrischten Eindruck—die Gesichter zu Grimassen verzerrt, die ausgetrockneten Münder am stottern und übermäßig höflich—und da ich sie alle kannte, war es wenigstens fünf Minuten lang ganz amüsant. Die zwei Jungs von der Band Motor waren da, Bryan Black und „Mr. No“, ein charmanter Franzose namens Olivier, ganz in schwarz gekleidet und cool wie eh und je. Es war echt nett, die beiden mal wieder zu sehen, obwohl Olivier etwas schwarzen Kaffee auf unseren weißen Flokatiteppich kippte, während er durch französische Hochglanz-Modemagazine blätterte und Witze über Parfümanzeigen machte, die nur er witzig fand. Dieses seltsame Pärchen hat in den letzen Jahren einige böse Industrial-Power-Electronics produziert (Brian arbeitete unter anderem schon mit Prince und Felix Da Housecat) und es ist schön zu sehen, dass Motor mit ihrem heftigen Debüt Klunk jetzt die Früchte ihrer Arbeit ernten, bald erhältlich auf Novamute. Auf Gigolo bringen sie außerdem clashigen Elektropop unter dem Namen X-Lover heraus, was ungefähr drei Jahre zu spät für den Trend kommt. Aber man merkt sowieso, dass Motor ihre Leidenschaft gehört, da die Musik—hässlich kahl, humorvoll, brutal, schwärzer-geht’s-nicht—eine ehrliche Reflektion ihrer Charaktere ist. Ihren perfekten Clubhit „Sweatbox“ solltest du schon kennen, ein bedrohliches Gepolter aus elektrostatischer Klebrigkeit, das dich gleichzeitig aufbaut und quält (falls nicht, er ist auf dem Album, zusammen mit Tracks, die Titel haben wie „Killer“, „Botox“, „Black Powder“ und „Spazm“, was dir ungefähr eine Idee davon geben sollte, wo die Jungs herkommen, nämlich aus einer wirklich ziemlich miesen Gegend). Neugierig, was sie gerne essen, wenn sie nicht gerade auf kleinen Puppen rumtrampeln oder sich gegenseitig Quecksilber in die Augäpfel spritzen, fragte Vice die beiden nach ihren Lieblingsrezepten. Bryan erklärte uns, wie man leckere Marshmallow-Rice-Crispies-Riegel macht. Unglücklicherweise hat der holländische Power-Disco-Gott Alden Tyrell trotz unserer Bitte kein Rezept eingesandt. Ein enger Freund verriet uns, dass er sowieso ein schrecklicher Koch sei. Tyrell, dessen richtiger Name Martijn Hoogendijk ist, hat endlich sein Debütalbum fertig und es ist genauso beeindruckend, wie wir es uns ohnehin schon gedacht haben. Times Like These (1999-2006), erschienen auf Clone, klingt schon wie ein Greatest-Hits-Album. Für Einsteiger gibt es „Disco Lunar Module“, „Hills of Honolulu“ (mit zusätzlichem Vocoder!), „Knockers“, „Rendez-Vous at Rimini“ und „Phaze Me“, jedes für sich ein moderner kosmischer Klassiker, plus eine neue Version seines frühen Synthie-Ausrasters „Love Explosion“, auf dem jetzt die aussagekräftige Stimme der einzigartigen Italo-Ikone Fred Ventura zu hören ist, für den authentischen Rimini ’88-Vibe. Auf „Voix“ mischt er einen „I Feel Love“-mäßigen Takt mit dem Rhythmus von Gino Soccios „Remember“, während die kleine Chanteuse Nancy Fortune vom Tanzen im Weltraum singt und frech in französisch daher schnurrt.

Tyrells Style kommt einem sehr bekannt vor—man hat die fruchtigen Riffs und abfallenden Melodien von „Voyagers End“ und „Odessa Theme“ schon zuvor gehört, wenn auch selten mit so viel Stil und Überzeugung—aber das Genre, aus dem er abkupfert (italienische, alternative Elektro-Disco 1978-1983), ist trotz des nervigen Hipster-Gewands immer noch schön obskur und mit etwas Glück trifft das Album ziemlich genau den Trend. In der Tat, je erfolgreicher das Album wird, desto mehr Disco-Deppen werden davon angepisst sein, was ja eigentlich nur positiv wäre.

Richard James hat aus den 40 schrägen Vinyl-only-Tracks der „Analord“-Reihe zehn für seine neue Chosen Lords-CD ausgewählt, das erste richtige Aphex-Album seit Drukqs von 2001. Hoffentlich wird Rephlex’ bewusste Entscheidung, eine CD mit Material zu veröffentlichen, das eigentlich exklusiv auf Schellack bleiben sollte, die Hardcore-Fans richtig ärgern, die mehr als hundert Pfund für das „Analord“-Set hingeblättert haben. Für tausende von Aphex-Fans, die nicht so blöd waren, ist Chosen Lords das freundlichste Aphex-Set seit dem 1996er Richard D. James-Album und verglichen mit dem Vinyl, klingt es sauberer und schön knusprig: sein schillerndes Gespür für raumgreifende Arrangements und harmonisches Sounddesign offenbart sich bereits ab dem ersten Track „Fenix Funk 5“. Auch wenn einige Killer-Tracks es nicht geschafft haben (nichts von der Vitalic-mäßigen neunten, keiner von den kecken Poptracks, „VBS.Redlof.B“ oder „W32.Mydoom.AU@mm“ mit dem „Beat It“-Intro), ist es eine ausgewogene Zusammenfassung der 11 EPs. Vergleiche diese Scheibe mit irgendeinem trendy neuen Album und der reine Qualitätsunterschied wird dich verblüffen.

Was noch? Die neue Thomas Brinkmann Disco-Single „Doshhammer“ / „Mooshammer“ hat eine ziemlich erotischenHülle. Auf der 12-Inch liefern Brinkmann und zwei andere, Schmickler und Nikakoi, geschmackvolle Instrumental- Interpretationen von Jackos „Rock With Me“ und Stevie Wonders „I Can’t Help It“ ab, die aber nicht so durchgedreht sind, wie man vielleicht gehofft hat. Und das neue hippe Londoner Minimal-Duo Cesare Vs. Disorder, ein italienisch-chilenisches Pärchen, das Sonntag mittags den Ravezombies aus East London verdrogte Minus-Platten um die Ohren haut, hat die umwerfende 4-Track-EP „No Words“ auf Mean Records veröffentlicht. Jetzt, wo Minimal der „neue heiße Sound“ ist, zumindest laut Pete Tong, der im letzten Mixmag einen seltsamen Typen namens Luciano empfohlen hat, gibt es für die beiden wohl bald kein Halten mehr.

PIERS MARTIN


Your email:
Their email:


Comments:

Subject: spa
Date: Apr 07 2006 11:54:44 AM
Author: dhs

i wish the 4 cds were actually talked aboot for me and the 9 other people who still listen to electonic



Subject: wow
Date: Apr 01 2006 02:57:26 AM
Author: walter

cars haven't used carburetors since 1990.



Subject: raves
Date: Mar 31 2006 08:39:14 PM
Author: daniel

raves are sooooo '96. tee hee. and do a write up about JUSTICE. is it because theyre on your label or summat? we wont think your gratuitously plugging them because theyre mad regardless!



Subject: do we laugh 'cause he's a dj?
Date: Mar 31 2006 12:49:08 AM
Author: jock banner

not very funny, over.

i could just hear the fucking whingey french accent talking limey and just being wacky european, you know?

a decent antifreeze from goodyear?

i take it back - that shit's bang-on. that's family circus funny.



Subject: Shit
Date: Mar 30 2006 11:54:40 PM
Author: Fuck

What the Fuck is this shit



Subject: this article is
Date: Mar 30 2006 06:54:05 PM
Author: goodburger

stoooooooopid.



Post a comment:
(posts that are not on topic will be removed)

Name:
Subject:
Comment:





© 2005-2007, Vice Magazine Germany
| Site Design: Solid Sender