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DOS & DON'TS












Das ist die erste Ausgabe einer neuen monatlichen Kolumne, die von einem echten NYPD-Cop geschrieben wird. Und, gut erkannt, das ist nicht sein richtiger Name.




Wenn man so wenig verdient wie wir Cops, dann ist es nicht immer einfach, mittags was Vernünftiges zum Essen aufzutreiben, vor allem nicht in New York. Nein, wir essen nicht umsonst. Seht ihr, das New York Police Department (NYPD) ist davon überzeugt, dass eine Gratistasse Kaffee nur der Anfang ist, und dass es dann nur eine Frage der Zeit wäre, bis wir Drogenhändler erpressen und alte Dämchen ausrauben. Wenn bekannt wird, dass ein Laden uns eine kostenlose oder verbilligte Mahlzeit ausgegeben hat, wird dieser zur Tabuzone erklärt. Wenn ich dann dabei erwischt werden würde, wie ich dort reingehe, könnte man mir eine Disziplinarstrafe aufbrummen. Bei unserem Gehalt planen wir rund fünf Dollar am Tag für Essen ein. Das geht nur, wenn wir, „in the Ghetto“ essen.

Das Ghetto, auch Upper Manhattan oder East Harlem genannt, ist eine Landschaft aus Plexiglas-Tresen und industriell hergestelltem Essen, ein Ort, wo die Straßennamen drei Ziffern haben und wo man den Himmel sehen kann. Ich behaupte nicht, dass man hier für fünf Mäuse gut essen kann, und ganz sicher bekommt man keine gesunde Mahlzeit für fünf Mäuse. Aber immerhin bekommt man für fünf Mäuse dort überhaupt was zu essen.

Die erste Wahl wäre die gute alte Pizza. Ich weiß schon, sie besteht fast ausschließlich aus Kohlenhydraten und Fett. Wenn es aber zu deinem Job gehört, eine Pistole und eine schusssichere Weste zu tragen, dann verlieren Käse und Mehl schon etwas von ihrem Schrecken. Ein Stück kostet durchschnittlich 1,50, zwei Stück und eine Cola kosten vier Dollar. Das heißt, dass noch Geld für einen Kaffee übrig bleibt!

Die zweite Option ist Fast Food, aber nur, wenn man sich an die 99-Cent-Sonderangebotskarte hält. Das wären dann zum Beispiel ein einfacher Cheeseburger und ein paar Chicken Nuggets. Zusammen mit einer kleinen Portion Pommes und einer Coke kostet das vier Dollar plus Steuern. Leider bedeutet dies, dass das Geld nicht mehr für einen Kaffee reicht.

Eine andere Möglichkeit ist chinesisches Essen. Oberhalb der 96. Straße sieht man chinesische Restaurants so häufig wie Starbucks Cafés im ganzen Rest der Stadt. Sie sehen alle so aus, als seien sie von Mao höchstpersönlich eingerichtet worden. Die Angestellten dort sind tatsächlich Chinesen, das heißt, vor etwa zwei Wochen waren sie noch in China. Chinesisches Essen ist eine ganz andere Welt. Zum einen bekommt man kein Dim Sum und Tee. Die Päckchen mit der Hoisin-Sauce werden verschlossen hinter dem Plexiglastresen aufbewahrt. Und wehe, du fragst nach mehr als zwei davon! Dann gibt es da noch diese klassische chinesische Delikatesse: frittierte Plantain-Bananen. Ja, man kann Kochbananen zu seiner Frühlingsrolle bestellen, ein klassisches Beispiel dafür, wie man sich hier an die Bedürfnisse der Kundschaft angepasst hat. Für ungefähr 50 Cents gibt es auch frittierte Chicken Wings. Es wird gar nicht erst versucht, sie irgendwie auf asiatisch zu trimmen, es handelt sich wirklich nur um reguläres, frittiertes Huhn. Für den Gourmet mit kleinem Geldbeutel bieten sich Hühnchen und Brokkoli an (Gesundheitsfreaks können ihn auch gedämpft bestellen). Zusammen mit einem hausgemachten chinesischen Tee kostet das vier Dollar und ein paar Zerquetschte. Wenn man es richtig anstellt und zum Beispiel nur einen kleinen Eistee nimmt, dann bleibt auch noch Geld für einen Kaffee übrig.

Wo ich gerade von Hühnchen spreche: Das ist die nächste (und letzte) Option für uns arme Hungerleider. KFC übersteigt das Fünf-Dollar-Preislimit, wenn man keine Coupons hat. Sogar Popeye’s ist ein bisschen zu teuer. Aber KFC ist nicht das einzige KFC in dieser Stadt. Wie wäre es mit Kennedy’s Fried Chicken? Ich muss gestehen, dass das selbst für mich, einen Mann mit geringen finanziellen Ressourcen und stählernen Eingeweiden, nur im schlimmsten Fall als Notlösung in Frage kommt. Ich möchte ja nicht am Ansehen der Kennedys kratzen (na ja, jedenfalls nicht an dem der Hühnchen-Kennedys), aber ich habe den Eindruck, dass Qualitätskontrolle und der Wechsel des Frittierfetts hier nicht ganz oben auf der Prioritätsliste stehen. Andererseits bekommst du hier für fünf Dollar einen großen Haufen Huhn auf den Teller gepackt, dazu gibt es ein paar gummiartige Pommes und eine Cola. Geld für einen Kaffee bleibt da zwar nicht übrig, aber ihr könnt mir glauben: Nach dieser Mahlzeit werdet ihr auch kein Verlangen mehr danach verspüren.

Also, merkt euch: Nächstes Mal, wenn ihr in Manhattan seid und Kohldampf aber keine Kohle habt, dann geht einfach in Richtung Norden. Desto mehr Ziffern auf dem Straßenschild stehen, desto geringer wird der Rechnungsbetrag ausfallen.

OFFICER LEO FEARPINI