Eine Menschliche plaZenta zu ESSEn, ist schwieriger als gedacht. Erstens ist es schwierig, an eine ranzukommen. Wenn man im Hippiemekka Austin, Texas, aufwächst, kennt man die Geschichten von den Öko-Mamas, die ihre alte Plazenta unter einem Baum vergraben oder sie sogar zermahlen und Smoothies daraus machen. Scheint also keine große Sache zu sein. Dementsprechend planten wir, als mein Kumpel seine Frau schwängerte, ein passendes Barbecue. Wir baten die Hebamme, für uns die Beute nach draußen zu schmuggeln aber sie war etwas unsicher. Wir versprachen ihr ein bisschen Gras und sie willigte ein. Hippies! Sie verpackte die Plazenta in einem Quarantäne-Beutel, kam kurz vor die Tür des Krankenhauses, drückte sie mir nervös in die Hand und scheuchte mich weg. Ich packte den Kuchen in eine Styropor-Kühltruhe aus dem 7-Eleven, schwang mich aufs Rad und fuhr davon, Babykokon an Bord. Die Zubereitung der Plazenta war eines der gottlosesten Rituale, denen ich jemals beiwohnen durfte. Wenn man ein Tier tötet, ist es wichtig, das Blut auszuwaschen, bevor man es kocht. (Bei den Kühen im Schlachthaus schneidet man als Erstes die Füße ab, damit das noch schlagende Herz das ganze Blut rauspumpt.) Deswegen schnürt man auch Schafe oder Ziegen ab, bevor man ihnen die Kehle durchschneidet. Das haben sich wohl Neandertaler ausgedacht. Da die Plazenta im Wesentlichen ein Sack voller Blutgefäße ist, dauert der Reinigungsprozess ziemlich lange. Also wirklich ziemlich lange. Sie hatte die Größe einer Rinderbrust, vielleicht vier Pfund Gewicht, aber es hing noch eine ein Meter lange, weiße Nabelschnur daran. Das Menü teilte sich in zwei Gänge: Ich machte einen Eintopf nach Art einer mexikanischen Carne Guisade, um das Gewebe für die Tacos etwas aufzuweichen. Der Rest wurde Schaschlik. Wir kochten ziemlich lange, da es sich hier nicht gerade um die Sorte Essen handelt, die man gerne halbroh isst. Als wir soweit waren, stand die Tacomischung bereits eineinhalb Stunden auf dem Feuer, ich war hungrig und schon ordentlich besoffen. Trotzdem war ich noch äußerst gehemmt. Als ich mit einem Tablett voller Plazenta-Tacos aus der Küche kam, schienen vor allem die Jungs recht entnervt zu sein. Einige der Mädels hingegen waren erstaunlich gierig darauf, die Opfergabe zu probieren. Schweigend zwang auch ich mich, es zu versuchen. Die Tacos waren eine größere Herausforderung, sie waren klebrig, während das Schaschlik durch das Feuer eine knusprige Kruste hatte. Das menschliche Fleisch hatte eine schwammige Struktur, ähnlich wie Gehirn oder Nieren. Ich habe noch nie Gehirn oder Niere gegessen, aber ich kann mir vorstellen, dass es sich im Mund ähnlich anfühlt. Irgendwie aß ich alles, was mir angeboten wurde und am Ende wünschte ich mir fast, es hätte Zwillinge gegeben. Zu der Liste von Erfahrungen in meinem Lebenslauf konnte ich stolz eine weitere hinzufügen: Kannibalismus.
TRACE CRUTCHFIELD