Als sie mich nach meinem letzten Bankraub von Kopenhagen nach Berlin verschoben haben und ich in der Hauskammer der Strafanstalt meine Zegna-Anzüge und die in London maßangefertigten Schuhe in dubiosen Plastiktüten verschwinden sah, zwinkerte sie mir einen mitleidig rührseligen Blick zu. Ich nahm das erst gar nicht wahr, noch halb benommen, in Trance vom Flug in der letzten Economy-Sitzreihe, adieu First Class, adieu Porzellangeschirr und Weinkarte, willkommen im Leben, es kann immer noch tiefer gehen.

However, sie zwinkerte mir zu, diese junge Vollzugsbeamtin, die akribisch Buch führte, über all die schönen Dinge des Lebens, die sie nun für zig Jahre in ihrer muffigen Asservaten-kammer eingelagert hat. Als sie mich in eine Wartezelle einschloss, kam ein leises „I like you“ über ihre Lippen. Hoppla, dachte ich und als sie am Folgeabend auf unserer Station auftauchte und alle Mitgefangenen unter Nachtverschluss legte, kratzte sie kurz darauf mit ihrem mächtigen Schlüsselbund an meiner Zellentür und haste nicht gesehen, stand sie im Raum.

Dieser Duft frisch gewaschener Uniform, das streng nach hinten gebundene Haar, ihre großen Augen—ich versank in diesem I-like-you-Meer, um meines letzten Tauchgangs für die nächsten 3.000 Tage wissend. Als ich am Morgen aufwachte, war es wie ein Traum, wäre da nicht ihre dunkelblaue Krawatte zwischen meinem Handgelenk und dem Bettpfosten, und über dem Geruch von Zucht und Ordnung hing der Weichspüler ihrer Wäsche. Yes, I like you too.

Mein Nachbar, diese Wühlmaus, hatte da mehr Abwechslung. Der ging nicht mit Knarre an den Bankschalter, sondern legte einen Tunnel an die Schließfächer der mit Schwarzgeld und Edelsteinen vollgestopften Zehlendorfer Bankkunden. „Unterm Pflaster liegt der Strand“, war nicht nur seine Parole sondern auch seine Lebensdevise und so bohrte er sich seinen Weg unter dem Linoleumboden seines Zellenbettkastens, verschaffte sich Platz im brandenburgischen Sand und kämpfte sich unter der Knastmauer ins angrenzende Waldstück durch.

So verschwand er gewöhnlich nach der letzten Zählung und tauchte am Morgen kurz vor Aufschluss wieder auf. Die Jahre vergehen wie im Flug. Immer wieder schön zu wissen, dass es Dinge gibt, die man für kein Geld der Welt kaufen kann.

EUER MANN VOM PLANET TEGEL


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