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DOS & DON'TS









Rock and Roll höchstpersönlich mit Colonel Sir Lawrence Rock and Roll, der wortwörtlich hinter ihm steht.






Mit jedem Tag, der vergeht, wird Afrika seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer und seltsamer. Umso mehr ein Staat am Arsch ist, umso seltsamer das Phänomen. Wenn der Präsident den gesamten Reichtum eines Staates verprasst hat, treten magische Schamanen an, um alles wieder gut zu machen. Wenn es gar keinen Anführer mehr gibt, entschließen sich die Leute, den halben Tag damit zu verbringen, Massengräber zu graben, und die andere Hälfte, sie zu füllen. Nein, im Ernst: In Wirklichkeit verbringen sie den ganzen Tag damit, sie zu füllen. Und wenn dann mal keine Gräber zur Verfügung stehen, lassen sie die Leichen einfach so verrotten, und zwar in derart furchtbaren Posen, dass man sich, wenn man die Bilder sieht, unweigerlich sagt: „Warum zur Hölle habe ich dieses Bild trotz der Warnung angeklickt? Jetzt werde ich es für den Rest meines Lebens nicht mehr aus dem Kopf kriegen, verdammte Scheiße.“ Was zum Teufel geht da unten eigentlich ab? Die Zahl der Todesopfer in Darfur zum Beispiel, wie hoch ist die eigentlich inzwischen? Eine Trillion?

Da gibt es Armeen von Kindersoldaten, denen weisgemacht wird, dass das Plastikkreuz, das sie um den Hals tragen, sie immun gegen Schusswunden macht. Und einen Mann, der sich Michael Jackson nennt, und der vor den Augen der Kinder die Eltern abschlachtet, sodass sie gar keine andere Wahl haben, als sich seiner Gang anzuschließen, bis sie vielleicht eines Tages wieder auf den Rest ihrer Familie treffen. Da ist Colonel Butt Naked, von dem behauptet wird, er könne sich, wenn auf ihn geschossen werde, unsichtbar machen. Und wie war das mit den Leuten in Südafrika, die Babys ficken, weil sie meinen, so ihre AIDS-Erkrankung kurieren zu können? Und jetzt: Der Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, erklärt allen Nichtweißen im Lande, sie könnten ruhig alle Weißen umbringen, um sich ihres Landes zu bemächtigen. Auch wenn das heißt, dass man jetzt riesige Getreidefelder sein Eigen nennen kann, aber nicht weiß, was zur Hölle man nun damit anfangen soll. Das war ja ein super Plan, Robbie! Das ist ja ziemlich gut gegangen, oder? Nein, ist es nicht.

Nun ist der „Was zum Henker geht hier eigentlich ab?“-Faktor noch um ein, zwei Stufen erhöht worden. Ein potenzieller Nachfolger von Mugabe ist in den Ring getreten, und der Präsident mit dem kleinen Hitlerbärtchen hat allen Grund, sich vor Angst ins Hemd zu machen. Der neue Anwärter nennt sich Rock and Roll (jawohl: Rock and Roll) und ernährt sich ausschließlich vom Blut sterbender Jungfrauen. Umso mehr Schmerzen sie beim Tod haben, desto köstlicher ihr Blut.

Wir sollten schleunigst damit anfangen, Sammelkarten von diesen Jungs anzufertigen. Rock and Roll ist 1,55 Meter groß. Man sagt, er sei 17 Jahre alt. Er ist als Waisenkind bei einem Nomadenstamm im Sudan aufgewachsen, und es werden ihm sagenhafte Kräfte und Fertigkeiten zugeschrieben. So soll er unsterblich sein (solange das Blut fließt). Er kann sich unsichtbar machen (wie originell) und ist immun gegen Gewehr- und Pistolenkugeln (Wie jetzt, mehr hast du nicht zu bieten?). Er soll auch fliegen können (Endlich mal etwas Neues!) und in der Lage sein, Frauen ohne Geschlechtsverkehr zu schwängern (Das geht doch schon mal in die richtige Richtung!). Darüber hinaus behauptet er von sich, er könne sich wie Freddy in die Träume seiner Gegner einschleichen und dort sein Schindluder mit ihnen treiben. Wie Kim Jong Il ist Rock and Roll ein großer Filmfan, ein Großteil dieser Sachen ist also aus Hollywoodfilmen geklaut.

Obwohl das alles komplett durchgeknallt klingt, wächst seine Gefolgschaft stetig. Seit Mugabe das Land seines einstigen Reichtums beraubte, indem er alle Farmen in die Hände der, ironischerweise
Vice President Vice President

„ Rock and Roll ist tot. Er schüchtert mich nicht ein, und auch das simbabwische Volk lässt sich von ihm nicht einschüchtern.“

„Veteranen“ genannten, mordlüsternen Kinder gab, schmeißt sich die Bevölkerung jedem möglichen Hoffnungsträger an den Hals, je verrückter, desto besser. Wenn man ihn mit einem durchschnittlichen geisteskranken, blutrünstigen Tyrannen vergleicht, ist Rock (Ich nenne ihn von jetzt an mal so, weil ich keine Lust mehr habe, die ganze Zeit Rock and Roll zu schreiben. Ich komme mir schon vor wie Alan Freed.) nicht der megalomanische Irre, für den man ihn halten könnte. Tatsächlich hat er sein Ding ziemlich gut durchorganisiert. Er hat einen Stellvertreter, der sich Deputy Rock Guitar nennt, einen Oberst namens Sir Lawrence Rock and Roll und eine ganze Hierarchie, die vom einfachen Gefreiten hinauf bis zu seiner Position reicht. In diesem Hofstaat findet sich auch ein Mann namens Vice President Vice President. Wieso? Keine Ahnung. Ich vermute mal, weil Afrika komplett wahnsinnig geworden ist. Wenn du ein verrückter Messias werden und alles, was sich dir in den Weg stellt, zerstören willst, dann brauchst du schon eine Art System. Helft mir hier mal! Warum rasieren sich Alkoholiker so oft und striegeln sich die Haare zurück? Auf manche Fragen gibt es einfach keine Antwort. Wie auch immer, zurück zum Text.

Dan Fleming, einer dieser Idioten, die ihre Zeit bei den Ärzten ohne Grenzen verplempern, hat bei dem Versuch, eine Jungfrau aus Rock and Rolls Fängen zu retten, beinahe sein Leben verloren. Er ist eines der wenigen Opfer, die eine solche Begegnung überlebt haben und davon erzählen können. „Er hatte schon fast ihr gesamtes Blut getrunken und überließ sie einfach dem sicheren Tod“, erzählt Fleming. Sein Gesicht ist dabei noch von Panik gezeichnet, so als wäre es erst gestern passiert. „Sie zogen ab, dann hat mich einer der letzten Typen doch noch entdeckt. Er ist total ausgeflippt. Alle kamen zurückgerannt und fingen an, mir ins Gesicht und zwischen die Beine zu treten.“ Fleming hatte gerüchteweise gehört, dass Rock and Roll E-Gitarren als heilig betrachtet und eine Todesangst vor ihren Kräften hat. „Ich begann also, Luftgitarre zu spielen, weil ich gehört hatte, er habe Angst davor, und es hat geklappt. Ich konnte es kaum glauben. Sie wollten mir gerade den Kopf abhacken, aber als ich anfing neee-neeer-neeerr n’neer-neeer zu machen, riefen sie sich irgendetwas zu und rannten weg. Und ich so: ,Oooooh-kaaaaay!‘

Präsident Mugabe stolpert im Moment. Er ist nicht in der Lage, Ärzte ohne was-auch-immer oder Journalisten zu beschützen, geschweige denn sich selbst. Seine Armee besteht aus läppischen 12.000 unbeschuhten Soldaten, von denen 42% an AIDS erkrankt sind. Bis zu dreimal am Tag werden irgendwelche Anschläge auf sein Leben verübt. Dennoch markiert er weiter den starken Mann: „Rock and Roll ist tot“, soll er letzten Donnerstag auf einer streng abgeschirmten, kleinen Pressekonferenz verlautbart haben. „Er schüchtert mich nicht ein, und auch das simbabwische Volk lässt sich von ihm nicht einschüchtern.“ Na klar, sicher. Nach einer aktuellen Umfrage glauben 87% der Simbabwer (sagt man das so?) an fast alle Fähigkeiten, die man Rock so zuschreibt. In der Tat wollen ihn so viele Leute dabei beobachtet haben, wie er Gewehrkugeln davongeflogen ist und sich dann unsichtbar gemacht hat, dass man sich selbst dabei ertappt, wie man sich fragt: „Was wäre, wenn...?“ Ich meine, wenn irgendwo dringend ein abgefuckter Superheld gebraucht wird, um die Geschichte des Landes völlig umzuschreiben, dann ist das Simbabwe. Sicher, Jungfrauen umzubringen, um ihr Blut zu trinken, so etwas geht nicht. Aber wer sind wir schon, einem Zaubermenschen aus einem anderen Universum unsere Werte oktroyieren zu wollen? Was würde denn passieren, wenn Superman hier runterkäme, um die Erde zu retten und als Gegenleistung nur verlangen würde, dass wir zwei kleine Hundewelpen pro Tag opfern? Sicher würde einer zu PETA rennen und die Aktivisten mit dem Spruch: „Hey, seht mal da drüben! Was war denn das?“ so lange ablenken, bis er hinter dem Schuppen schnell zwei Hündchen auf den Kopf getreten ist. Verdammt, PETA hat ja selbst für einen übergeordneten guten Zweck bereits tausende von kleinen Hundewelpen getötet. Die könnten das dann eigentlich auch gleich für uns erledigen.

Wenn Rock and Roll in New York für das Bürgermeisteramt kandidieren würde, würde er gegen einen sehr kleinen jüdischen Mann antreten, der seinen Job bisher eigentlich ganz gut gemacht hat. Er hätte keine Chance. Rock and Roll kandidiert allerdings im Prinzip für das Präsidentenamt in der Hölle. Wenn man sich das gesamte Universum vorstellt, muss man verstehen, dass es unendlich ist. Darum sind auch die Möglichkeiten unendlich. Darum ist es vollkommen plausibel, dass es auch außerhalb unserer Erde Lebensformen geben kann. Und wenn das so ist, ist es wiederum völlig plausibel, dass diese Lebensform vielleicht auch mal zu uns kommen möchte, um die Verhältnisse mal gründlich zu RE-formieren, wenn du verstehst, was ich meine.

Wie dem auch sei, Mugabe ist ohne Zweifel am Ende. Niemand ist reich genug, in Simbabwe völlig von vorne zu beginnen, so wie ein neues irakisches Staatsoberhaupt das könnte, oder wie es Mandela gemacht hat, als wir ihm Südafrika wiedergaben. Die einzige Hoffnung für dieses Land ist also ein unglaublich extremer Superheld, der—wenn man mal ehrlich ist—aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht so magisch ist, aber verdammt noch mal... man weiß doch nie. Und außerdem, hat hier irgendjemand eine bessere Idee?

TOMMY ARAK SMITHS