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DOS & DON'TS
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![]() Wenn Leute uns auf unser Glas des Grauens ansprechen, halten sie es oft für besonders clever, mit einem sarkastischen Unterton Sachen zu sagen wie: „Alter, die Sachen in dem Glas leben ja förmlich.“ Ähm, hallo? Meint ihr, die Sachen da drin verrotten nur so zum Spaß? Wir haben da so was wie die Vereinten Bakteriennationen auf unserm Dach, noch nicht gemerkt? Egal, um langweiligen Witzen wie diesen endlich ein Ende zu machen, beschlossen wir, mit der Tradition zu brechen und jetzt mal etwas erkennbar Lebendiges hinzuzufügen. Da wir einen Organismus benötigten, der in einem äußerst lebensfeindlichen Umfeld wie unserem Glas überleben konntejedes beliebige Tier würde schließlich sofort krepieren und uns wie Grundschul-Soziopathen aussehen lassengingen wir die Nahrungskette ein paar Schritte zurück und entschieden uns für handelsübliche Hefe, wie sie zum Bierbrauen verwendet wird. In dem Monat seit unserem letzten Zusatz nahm der Inhalt des Glases langsam wieder seine übliche Konsistenz an, bestehend aus einer geleeartigen gelben Basis und einer weißen Kruste am oberen Rand. Die dazwischen liegende Flüssigkeit hatte ihren Farbton von Bernstein zu einem vielfältig schimmernden Braun gewechselt, das so reichhaltig leuchtete, dass man meinte, direkt in das Arschloch Gottes zu schauen. Die überdurchschnittlichen Temperaturen der letzten Tage hielten die Masse flüssig und den Geruch überwältigend prägnant, aber die absurde Winterhitze reichte nicht ganz aus, um die braune Suppe zum Kochen zu bringen. Also besorgten wir eine gute alte elektrische Heizdecke und ließen das Glas von einen unserer abgebrühteren Praktikanten einwickeln. Nach anderthalb Tagen elektrischer Liebe war unser Baby glühend heiß und bereit für Action. Wenn du jemals mit einem üblen Kater aufgewacht und dir dann beim Aufstehen den Kopf an einer spitzen Kante angestoßen hast, selbst dann kannst du nicht mal annähernd die Intensität des Gestanks erahnen, der aus unserem geöffneten Glas sanft in die Welt hinaus strömte. In der Sekunde, in der er den Deckel abschraubte, stieß unser Möchtegern-Brauer den lautesten, authentischsten Schrei aus, den wir je gehört hatten und flüchtete keuchend zurück ins Büro. (Später, als er sich von seinem epileptischen Anfall erholt hatte, berichtete er: „In diesem Moment war es mir egal, was die Leute dachten. Ich fühlte mich echt, als hätte mir jemand mit einem Hammer ins Gesicht geschlagen.“) Nachdem ein brauchbarer Ersatz für ihn gefunden und mit einem in Wodka getränkten Mundschutz ausgestattet worden war, machte sich unser neues Opfer in Begleitung eines Fotografen auf den Weg in die Stinkwolke. Offensichtlich hatte die Hitze die geronnene Masse zu einem zähflüssigen grauen Schleim verschmolzen, der so aussah wie Pudding für Farbenblinde aussehen muss. Unser Assistent öffnete also die Packung mit der Hefe und streute sie in das Glas, als wäre es Zucker für seinen morgendlichen Kaffee. Ganz entspannt lief er anschließend an den Rand des Daches und kotzte sich seinen Pullover komplett voll. Während er eilig versuchte, mit einem feuchten Taschentuch die Spuren seines würdelosen Versagens zu beseitigen, legte unser Fotograf die Kamera beiseite, packte den Deckel zurück auf das Glas und schüttelte es kräftig durch, um die kleinen gelben Hefekrümel auch gut zu verteilen. Hier begann der Tragödie zweiter Teil. Als er das Glas zurück auf den Boden stellte, machte es genau das, was volle Suppenteller machen, wenn man sie versehentlich nur leicht bewegt, nämlich grundlos spritzen wie Sau. Ein zäher grauer Tropfen drückte sich durch eines der Luftlöcher, verweilte lange genug in der Luft, dass allen Zuschauern der Ernst der Lage bewusst werden konnte und landete dannklatschgenau auf der Jeans unseres geschätzten Fotografen. In der folgenden Woche brachte er seine versaute Jeans ins Büro, um uns zu zeigen, was zwei Reinigungsunternehmen nicht beseitigen konnten. Nicht nur waren die Flecken immer noch deutlich zu sehen, sondern an diesen Stellen hatte sich der Stoff auch nahezu völlig aufgelöst, was nur zwei mögliche Erklärungen zuließ. Entweder war eine der Frauen in der Reinigung so versessen darauf, den Fleck zu entfernen, dass sie die Hose beinahe bis zur Auflösung zerschrubbte, oder unser Glas hat sich während des letzten Monats von Magensäure-Beizmittel in Alienblut-Beizmittel verwandelt. Die Hefe blubberte erst ein wenig, dann stieg sie an die Oberfläche und wurde zu einer gelben Paste. Ziemlich öde. Andererseits ist die Hefe vielleicht eine gute Basis für weitere Zutaten, also warten wir es mal ab. Nächsten Monat gibt es die allererste Food-Issue von Vice, und wir sind schon tierisch aufgeregt, was für ein Leckerli wir dann noch hinzufügen dürfen. VICE STAFF |