Ich traf auf dem Hof der Untersuchungshaftanstalt Moabit einen Schwarzen aus Surinam, der seit Jahren als BVG-Busfahrer in Berlin tätig war. Der erzählte mir, dass er sich was dazu verdienen wollte und seine südamerikanischen Kontakte nutze, um sich in seiner Heimat Kokain anal einzuführen und nach Europa zurück zu jetten. Aufgrund einer Lappalie kassierten sie ihn auf dem Flughafen Tegel ein und bis zur Klärung marschierte er mit mir auf dem Hof. Was die Bullen nicht wussten: Er hatte noch ein knappes Kilo im Hintern, schiss es in aller Ruhe auf seiner Zelle aus und versteckte es im Mantel. Am nächsten Morgen öffnete der Schließer die Tür, schrie: „Hofgang!“ und warf ihm seinen Mantel zu, wobei er bemerkte: „Warum ist Ihr Mantel so schwer?“ Ganz schüchtern trat der Mann aus Surinam an ihn heran und fragte höflich: „Kann ich Ihnen vertrauen?“ „Klar!“ Der Richter beschloss: Fünf weitere Jahre!

Die Schwarzen sind allgemein sehr lazy. Viele bewegen sich nicht aus dem Bett heraus, können ohne weiteres 20 Stunden am Stück ratzen und wenn sie dann mal aufstehen, dann nur um sich hinzusetzen und Unmengen Kartoffeln in sich hineinzustopfen, wobei sie natürlich aufgehen wie Hefeklöße. Früher oder später bricht der Kreislauf zusammen und die Sanitäter hecheln über den Flur. Das Schlimmste ist, wenn die ihre Zellen verlassen. Die armen Hausarbeiter. Ich hab Löcher gesehen, da musst du mit ’ner Schippe rein. Ich bin bestimmt kein Rassist aber unter so manchem Goldkettchen grüßt die Steppe und das Dschungeldorf, vor allem riecht es nach Katze.

Apropos Katze, Charly aus Laos zwitscherte so verdächtig unserer Hauskatze hinterher. Ich warnte ihn: „Lass sie in Ruhe!“ „Nein, nein“, sagte er. „Wir essen keine Katzen—nur Hunde!“ Ich bohrte tiefer, dabei kam heraus, dass Hunde nicht nur gut und rindfleischähnlich schmecken, sondern vor allem, dass, als er in seiner Heimat mal ’ne Töle verdrückte und Tage später an einem harmlosen, friedlichen Pinscher auf der Strasse vorbeilief: Die riechen das! Fletschen die Zähne und knurren, wissen genau—der futtert Artgenossen.

Oh ja, die Asiaten. Da herrscht Disziplin und Zusammenhalt. Auf meiner Station liegen zwei Killer von rivalisierenden vietnamesischen Banden. Der Eine hat die andere Gang um neun Mann dezimiert und als das Sonderkommando ihn kurz darauf stellte, saß er mit Genuss über seinen Nudeln und ließ sich nur ungern stören. Draußen bittere Feindschaft, die während der Haft in Freundschaft umgewandelt wird. Katz und Maus sitzen jetzt lieblichst, allabendlich zusammen, um gemeinsam Thaisuppe zu schlürfen. Köstlich!

Selbst aus Chile haben wir einen Gast. Da wo der Papst sein Mützerl trägt, sitzt bei ihm eine drum herum rasierte Haarstelle. Nur barfuß unterwegs, sammelt Kieselsteine und umarmt Bäume, bellt den Mond an und singt und freut sich des Lebens, ein echter Naturbursche, der sich auch hinter Gittern pudelwohl fühlt.

Euer Mann vom Planet Tegel



Your email:
Their email:


Comments:

Post a comment:
(posts that are not on topic will be removed)

Name:
Subject:
Comment:





© 2005-2007, Vice Magazine Germany
| Site Design: Solid Sender