|
|
DOS & DON'TS
|
|||
![]() ![]()
Genauso verhält es sich mit den unterschiedlichen Rassen bei den Menschen. Sie alle weisen zwar dieselbe spezifisch menschliche Struktur auf, denken aber nicht gleich. Wenn also die Regierung oder irgendjemand, der kein Indianer ist, hier zum Beispiel ein Programm zur Bekämpfung des Alkoholismus starten will, dann wird das nur funktionieren, wenn diese Person denkt wie ein Indianer. Er weiß aber nicht, wie wir denken. Ein Programm, das in New York mit gutem Erfolg lief, wird hier einfach nicht funktionieren. Es ist wie Tag und Nacht. Es wäre ja wirklich sehr schön auf dieser Welt, wenn wir alle gleich wären, aber wir sind es nicht. Und der alte Spruch, nach dem alle Menschen gleich erschaffen sind? Nun, wenn wir von Rechten sprechen, also vom Recht, irgendwo zu sein, oder vom Recht, etwas zu tun, dann ist das schon wahr. Aber was das gleich sein betrifft: wir sind es nicht, weil wir unterschiedlich denken. Wir sind mental unterschiedlich strukturiert. Unsere indianischen Denkstrukturen, die Art wie wir ständig in der spirituellen Welt leben, und wie unsere Religion unserer Kultur entsprach, das macht unsere Lebensauffassung aus. Unter dem Begriff Religion versteht man normalerweise eine Gruppe von Menschen, die sich in Bezug auf ihre spirituellen Ansichten einig sind. Unsere Religion ist unser Leben. Es ist ein und dasselbe. Man wird unter den eingeborenen Indianern nur sehr wenige Atheisten finden. So sind wir nicht strukturiert. Es gibt dieses Konzept, nach dem die Menschen auf diesem Planeten vier unterschiedliche Grundhautfarben haben. Wir haben da die Roten, die Schwarzen, die Gelben und die Weißen. Jede dieser Gruppen spielt eine bestimmte Rolle. Ich sage nicht, dass wir eine der Gruppen ausrotten müssen, denn das entspricht nicht der Wahrheit. Sie alle spielen ihre Rolle in unserem Lebenskreislauf. Jede hat ihren eigenen Zweck, etwas, was sie hier beizutragen hat. Jede Gruppe hat eine lebenswichtige Aufgabe zugeteilt bekommen, etwas, womit sie der gesamten Struktur dient. Den Weißen wurde das Wissen anvertraut und das Symbol für ihr Wissen ist der Biber. Er war der, der das Wissen hatte. Der Biber vollbringt in seinem Kampf gegen die Wassermassen technische Meisterleistungen, die noch heute ohne Beispiel sind, deshalb wurde er mit dem Wissen betraut. Die Gelben wurden mit dem emotionalen Teil des Geistes betraut. Deshalb werden sie durch den Büffel symbolisiert. Den Schwarzen wurde das Physische anvertraut. Man muss zugeben, dass sie in sportlichen Belangen besser dastehen. Auch in Afrika. Das wurde ihnen gegeben. Wenn man sich anschaut, wie sie sich bewegen, und wie sie tanzen, das macht ihnen keiner nach. Ihr Symbol ist der Wolverine, ihrer Physis wegen. Der rote Mann ist für die Spiritualität zuständig. Das Symbol dafür ist der Adler. In unserer Kultur gibt es eine Bestimmung für jedes dieser Tiere. Nimm alle vier zusammen und du hast den perfekten Kreis. Wenn alle anerkennen, dass jeder hier seine Bestimmung und seinen Platz hat, dann läuft alles rund, so wie die Reifen an einem Auto. Es fährt geschmeidig die Straße entlang. Angenommen, ein Reifen hat einen Platten oder fehlt ganz, dann ist eine sanfte Fahrt nicht möglich. Es läuft einfach nicht, alles läuft aus dem Ruder. Wir haben diese Strukturen nicht geschaffen, es ist so vorgegeben. Man sieht, was passiert, wenn jemand versucht, eine Rasse zu eliminieren. Hitler hat es nicht geschafft, die Juden (4 Millionen) auszurotten, die Europäer haben es auch bei den Indianern (40 Millionen) nicht geschafft. Der Ausgangsplan war „Wir werden sie einfach ausradieren!“ Das mit dem Skalpieren, das haben wir uns übrigens auch von den Europäern abgeschaut. Sie hatten ein Kopfgeld für jeden toten Indianer ausgesetzt, und so fingen sie an, Skalps zu sammeln, als Beleg für die Abrechnung des Kopfgeldes. Wir fanden das dann auch eine ziemlich gute Methode, den Überblick über seine Ausbeute an toten Feinden zu behalten. Das fanden wir ganz nett. Und so fing es bei uns an, ursprünglich haben wir das nicht gemacht. Aber dann fanden wir es auch irgendwie ganz cool, die Haare unserer Feinde am Gürtel zu tragen. Die größten Probleme entstehen meiner Meinung nach dadurch, dass eine Rasse eine andere nicht versteht. Eigentlich müsste man doch nur sagen: „OK, ich respektiere das. Ich weiß zwar nicht, was du denkst und was dich so umtreibt, aber ich respektiere dich.“ Das ist wie die Beziehung zwischen Mann und Frau: „Du bist eine Frau, ich ein Mann. Lass es uns einfach dabei belassen. Wir verstehen es nicht, niemand wird es je völlig durchschauen.“ Anstatt nun diesen vernünftigen Ansatz auch auf den Umgang mit fremden Rassen zu übertragen, hat man eher nach dem Motto gehandelt: „Na ja, wir verstehen euch nicht, also werden wir euch wohl alle umbringen müssen!“ So ist das immer gelaufen. Es hat angefangen, als Kolumbus hier gelandet ist, und noch heute, im 21. Jahrhundert, läuft es so. Sie versuchen immer noch, uns zu assimilieren. Aber sie können mich nicht zu einem Weißen, einem Schwarzen oder Gelben machen. Das klappt nicht. So wird es nie funktionieren. Die US-Regierung hat sich etwas ausgedacht, um bestimmen zu können, wer ein Blackfoot ist und wer nicht: das so genannte Blutquantum, das besagt, wie viel Prozent Stammesblut eine Person besitzt. Aber welche andere Rasse hat so ein Blutquantum? Wie groß muss der Anteil an schwarzem Blut sein, damit man als Schwarzer gilt, wie viel irisches Blut, um Ire zu sein? Ich verstehe nicht, warum das nur bei uns gemacht wird. Ich habe den Eindruck, dass es wieder mal auf Assimilierung und Abgrenzung hinausläuft. Sie würden uns gerne ein für alle Mal loswerden, damit sie sich nicht mehr mit uns herumärgern müssen. Aber sie werden sich auf ewig mit uns abfinden müssen. Sie sagen: „Wir haben keine Lust, auf immer und ewig für die Gesundheitsversorgung dieser Indianer aufkommen zu müssen.“ Dann hättet ihr diese Klausel halt nicht in das Abkommen aufnehmen dürfen. Ihr wollt in diesem Reservat keine Unterkünfte bauen? Dann hättet ihr das auch nicht in das Abkommen schreiben sollen. Ihr wollt die Ausbildung von Indianern nicht weiter finanzieren? Auch das hättet ihr da nicht reinnehmen müssen! Anstatt uns loswerden zu wollen, oder zu versuchen uns zu assimilieren, solltet ihr lieber sagen: „Ihr dürft so sein wie ihr wollt, und ich werde so sein, wie ich will.“ Wir haben hier in den USA gewisse Regeln, die wir alle beachten müssen. So lange wir diese Regeln einhalten, ist es mir egal, was du denkst. Es ist mir einerlei. Mir ist nur wichtig, was ich denke, obwohl auch ich diesen selben Regelungen unterliege. Ich habe sowieso den Eindruck, dass ich amerikanischer als ein Weißer bin. Bin ich ein Patriot? Glaube ich an die US-Regierung? Nenn mir nur eine Begebenheit in der Geschichte, die geeignet ist, in mir Vertrauen in die Art und Weise zu wecken, wie sie mit uns umgegangen sind, so dass ich sagen könnte: „Ja, ich vertraue unserer Regierung!“ Aber sie haben immer wieder nur Truppen hergeschickt und unser Volk wieder und wieder massakriert. Wir sind erst 1933 als Bürger der USA anerkannt worden. In Kanada ist man anders mit den Blackfeet umgegangen. Sie haben einen Zaun um sie gebaut und sie in Ruhe gelassen. So blieb die Kultur erhalten. Die erste Sprache, die man dort oben im Reservat lernt, ist Blackfeet. Hier bei uns kannst du die Leute, die es noch wirklich fließend sprechen, an zwei Händen abzählen. Eine sehr empfindliche Grenze wird überschritten, wenn ein Volk meint, bestimmen zu müssen, wie ein anderes in Fragen der Spiritualität zu denken hat. Die Blackfeet mussten das erdulden. Man hat auch in dieser Hinsicht versucht, uns zu assimilieren. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat Katholiken und Protestanten eingestellt, um uns zu christianisieren, weil wir nicht an Gott glaubten. Wir galten als Wilde. Meiner Ansicht nach haben wir aber gerade aufgrund unserer ausgeprägten Spiritualität all das durchgestanden, was man uns angetan hat. Und wir sind immer noch intakt. Trotz aller Massaker, die an uns verübt wurden, und trotz der Tatsache, dass man uns unsere Kinder weggenommen und in staatliche Internate gesteckt hat. Ich bin wahrscheinlich einer der Letzten, der noch in so ein Internat eingewiesen wurde. Inzwischen gibt es ein modernes, sehr schönes. Da, wo ich war, hat man die Leute nicht sehr gut behandelt. Sie schreckten nicht davor zurück, uns zu schlagen und andere drakonische Strafen zu verhängen. Einige der Dinge, die ich auf der Cut Bank Boarding School erdulden musste, waren einfach unglaublich, auch wenn es um absolute Kleinigkeiten ging. Als zum Beispiel einmal eine Dose Pfirsiche aus der Küche geklaut worden war, ist die ganze Schule in den Keller geführt worden. Da war ein großer Raum, entlang der Wände standen Bänke. Die ganze Schule, von der Vorschul- bis zur Abschlussklasse, wurde dort runtergeführt. Es fing morgens an, und am Nachmittag saßen wir immer noch da. Wir durften die Bänke nicht verlassen. Wenn die Kleinen pinkeln wollten, mussten sie das dort erledigen. Die wollten sehen, ob es ihnen gelingen würde, einen von uns dazu zu bewegen, zu verraten, wer die Pfirsiche geklaut hatte, bzw. sich selbst anzuzeigen. Ich selbst wusste von nichts. Das Ganze dauerte aber so lang, dass ich mir irgendwann sagte: „Zur Hölle, was werden sie dir schon antun, wenn du einfach sagst, du wärst es gewesen?“ Ich hatte mit dem Diebstahl, wie gesagt, nichts zu tun, aber ich hatte auch keine Lust, wegen einer lächerlichen Dose Pfirsiche eine Woche dort zu hocken. Sie können ja wohl nicht viel mehr tun, als dir eine Tracht Prügel zu verpassen, oder? Als endlich zwei Jungs den Diebstahl zugegeben hatten, ließ man uns alle aufstehen. Wir spreizten unsere Beine und zogen unsere Gürtel aus. Die Jungs mussten nun durch unsere Beine kriechen, während wir sie mit unseren Gürteln auspeitschten. Diese Art der Bestrafung nannten sie die „Linie“. Wenn du nach der Auffassung des Aufsehers nicht hart genug zuschlugst, musstest du selbst durch. Das war schon merkwürdig. Das alles wegen einer Dose Pfirsiche, das stand natürlich in gar keinem Verhältnis. Ich habe schon erlebt, dass Leute, die jemanden umgebracht hatten, milder bestraft wurden. Und ich mag Pfirsiche noch nicht mal besonders. Die Armut ist in unserem Reservat weiter verbreitet als in einem Ghetto. Die Leute scheinen nicht zu verstehen, dass mit der Armut auch Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Mord und Vergewaltigung einhergehen. Man muss verstehen, dass wir es hier mit Leuten zu tun haben, die nicht mehr viel zu verlieren haben. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Einige meiner Stammesgenossen wurden dieses Jahr nach dem Hurrikan in New Orleans von der FEMA als Räumkräfte eingestellt. Ich finde es merkwürdig, dass die Regierung diesen Blackfeet für 6 Monate Arbeit mehr zahlt, als sie in den letzten 4 Jahren zusammen verdienen konnten. Da ist es doch klar, dass jeder dabei sein will. Ich finde, dass an der ganzen Struktur etwas faul ist. BOB BURNS |