Photo von Liz Fletcher






Hoodoo ist eine Tradition, die im 19. Jahrhundert von afrikanischen Sklaven in die USA gebracht wurde. Eine wilde Mischung aus Eingeborenenbräuchen, dem botanischen Wissen der Indianer und der christlichen und jüdischen Folklore der europäischen Einwanderer, wobei der Schwerpunkt auf der magischen Kraft des Individuums liegt. Ausgestattet mit juwelenbesetzten Skimasken und heilkräftigen, politischen Beschwörungsgesängen haben Cantankerous einen Zaubertrank aus Elektro, Ragga und Punk gemixt und so den längst überfälligen Hoodoo-Soundtrack geschaffen.

Mit dem legendären Hip Hop-Label Tommy Boy Records im Rücken schicken dich die anonymen Freiheitskämpfer auf einen Trip direkt nach Bayou.

Vice: Was sollen die Masken? Ist das irgend so ein Voodoo-Kram?
Cantankerous: Wir hatten bereits einige Songs geschrieben und ich hatte die Schnauze voll von diesem ganzen egomanischen Scheiß. Dieses „schau mich an, ich kann was“. Oder auch nur „schau mich an, ich kann nichts“. Also dachte ich, es wäre gut einfach die Tracks aufzunehmen und einen einheitlichen Look zu schaffen, damit wir uns ganz auf die Musik konzentrieren können. Wenn du die Maske privat abnimmst, weiß niemand wer du bist. Es geht nicht darum, wie wir auf der Bühne aussehen... Haben wir helle Haut? Sind wir groß genug? Sind wir schlank genug? Sind wir jung genug?

Die Starter-Jacken sind auch nicht gerade Voodoo.
Die gab es schon immer in London… Als die ersten Schwarzen nach London kamen und die ersten Iren, da war das anders als heute. Heute bekommt man Bildung, eine Wohnung. Als meine Urgroßeltern aus Irland hierher kamen, war das nicht so. Sie wurden in die Slums gesteckt. Da war es richtig scheiße… Schilder in den Fenstern: „No Blacks, no Irish, no dogs“. Die Jacken sind eine Referenz auf das, was die Leute aufregt. Regt dich diese dunkelbraune Hautfarbe echt auf? Macht der irische Akzent dich nervös? Wer sind die Terroristen? Wer hat wessen Land gestohlen? Wer hat versucht über wen zu bestimmen? Es sind kleine Anspielungen auf diese Dinge. Sachen miteinander mischen, die normalerweise nicht zusammen gehen, ein Spiel mit vergangenen und gegenwärtigen politischen Ansichten.

Worauf sollten die Einheimischen achten?
Mich beschäftigt die zunehmende Gewalt in den europäischen Hauptstädten. Wie es wohl ist, heute in so einer Stadt aufzuwachsen? Ist es noch „cool“ die Penner auf der Straße anzuspucken? Und wird Mittelmäßigkeit immer noch die erfolgreichste Diät für alles sein?

PAISLEY DALTON
Cantankerous’ Debütalbum Go With a Halo erscheint im Frühjahr 2006 bei Tommy Boy Records.


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